Umfrage zu den Local Heroes
12.02.2010 | 12:38 Uhr 2010-02-12T12:38:00+0100
Am Niederrhein. Vier Local Heroes präsentierten sich in vier Wochen - doch viele Menschen auf der Straße haben von der Kulturhauptstadt offenbar bisher wenig bemerkt. Eine Umfrage in Dinslaken, Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort und Xanten.
Stell dir vor, es ist Kulturhauptstadt – und keiner bekommt's mit. So war's bisher nicht, zum Glück. Die ersten vier Wochen Heldentum sind gelaufen, vier Local Heroes vom Niederrhein kamen und gingen, die Veranstaltungen waren gut besucht. 15 000 Gäste besuchten allein die 89 Dinslakener Termine zum Auftakt der Local Heroes-Reihe. „Ein Trend”, so die Macher von Ruhr2010, „der sich auch für Kamp-Lintfort, Xanten und Neukirchen -Vluyn abzeichnete.” Die erste Bilanz nach vier Wochen, so Ruhr2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt, sei „erfolgreich.” Endlich standen auch Kommunen am Niederrhein, bei denen sich die Bezeichnung Kulturmetropole sonst nicht aufdrängt, im Zentrum der Kulturhauptstadt. Nur: Viele Menschen auf der Straße haben vom Heldenstatus ihrer Stadt gar nichts bemerkt.
15 000 Besucher in Dinslaken – da wird sich doch einer in der City finden, der dabei war. Doch selbst in der Bücherei, einem Hort der Kultur, bekommen wir reihenweise Absagen. Kulturhauptstadt? Zwei Schüler gucken desinteressiert, ein Herr hat nichts mitbekommen, eine Dame, immerhin, wollte „gerne in die Discothek” gehen (eine Lounge in der Tiefgarage), hat es aber nicht geschafft. Bloß Helmut Lidinsky hat die „ZeltKunst” am Burgtheater besucht – zufällig. Aber die Ausstellung hat ihm gefallen. Und zwei ältere Herrschaften freuten sich über die Stühle, die für die Kunst-Aktion „Sitzplatz 2010” in der City auf Plätzen und an Ampeln standen: „Endlich tut die Stadt mal was für Senioren.”
Die üblichen Verdächtigen
„Mit Kultur”, so vermutet Dinslakens Stadtsprecher Horst Dickhäuser, „erreicht man nur einen Prozentsatz der Bürger”. Heißt: die üblichen Verdächtigen. Vor allem junge Leute, glaubt Bibliothekarin Birgit Vengels-Heinser, gehören kaum dazu. „Sehr gut” habe ihr das Programm gefallen, vor allem die Lounge im Parkhaus. „Da hat man viele Leute getroffen.” Die Stadt, die ein umfangreiches Programm geboten hat, habe von der Stellung als erster Local Hero profitiert, viele Gäste seien von außerhalb gekommen, so Dickhäuser.
Das Glück hatte Kamp-Lintfort als zweiter in der Heldenreihe nicht mehr. Kulturhauptstadt? Zwei Damen vorm Einkaufszentrum schütteln den Kopf. Aber neulich habe in Kamp-Lintfort die Erde gebebt! „Geschäftsbesuche” haben die Schauspieler der Bühne 69 den Läden in der City abgestattet – an Helga Dahl ist es vorbei gegangen. Obwohl sie in der Stadt arbeitet. „Dabei interessiere ich mich für Kultur, gehe gern ins Ebertbad in Oberhausen.” Auch Mersada Ljutic hat vom Heldentum nichts mitbekommen: „Mit Kultur kenne ich mich nicht aus.”
Vielleicht lag's am Wetter? Bei Eiseskälte fand sich auch in Neukirchen-Vluyn kein aktiver Lokaler Held. Theodor Klöttgen hat ein Spielwarengeschäft in der Einkaufszone. Aber von Kulturhauptstädtertum „habe ich nichts gesehen, Hier ist doch nichts los. Die Leute ziehen her, fahren morgens zur Arbeit, und wenn sie abends nach Hause kommen, gehen sie noch in den Supermarkt und setzen sich dann vor den Fernseher.”
Theodor Nienhaus hat von der Außenfiliale Neukirchen-Vluyn der Kulturhauptstadt gelesen – hat aber aus privaten Gründen keine Zeit, rauszugehen. Außerdem: „Früher war ich überall, von Oper bis Schauspiel. Aber hier ist doch nichts los.” Melanie Kleiber war am ersten Wochenende der Local Hero-Woche im Urlaub, findet aber: „Eigentlich macht Neukirchen-Vluyn viel Kulturprogramm. Ich habe vorher in Kapellen gewohnt, da war gar nichts.”
Dom war blau angestrahlt
Bloß in Xanten war der Schein der Kulturhauptstadt unübersehbar: Dom und Drumherum waren blau angestrahlt. Schwester Dorothea arbeitet im Seniorenheim am Josefs-Krankenhaus und konnte das Leuchten von dort bewundern – „zu Veranstaltungen konnten wir nicht, wegen des Schnees”, bedauert sie. Dorothee Müllers hatte es besser. Die „zauberhafte” blaue Stadt im Schnee hat sie auf Spaziergängen genossen – und auf dem Rückweg von den vielen Local Hero-Veranstaltungen, die sie besucht hat. Auch Karl Steffans fand die Beleuchtung „schön”. Bloß: „Für eine Woche – was soll das bringen?”
Aktueller Local Hero ist Hamminkeln, gefolgt von Voerde (www.ruhr2010.de)
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