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Überbrückung der Wartezeit

30.05.2012 | 21:00 Uhr
Überbrückung der Wartezeit
Heike Fuest, Heilpraktikerin für Psychotherapie behandelt im Heilzentrum Niederrhein in Rees unter anderem Menschen, die an Depressionen oder Angstzuständen leiden. Foto: Johannes Kruck

Rees.   Heilpraktiker für Psychotherapie können lange Wartenzeiten auf einen Termin beim Psychotherapeuten überbrücken. Heike Fuest erzählt aus ihrer Praxis. Sie behandelt im Heilzentrum Niederrhein in Rees unter anderem Menschen mit Depressionen oder Angstzuständen.

Irgendwann kommt der Punkt, an dem geht’s nichts mehr. Der Job zehrt. Der Chef fordert immer mehr. Überstunden? Der junge Mann, nennen wir ihn Andreas, zählt sie schon nicht mehr. Mittagspause? Macht er schon lange nicht mehr. Er will mithalten. Beweisen, dass er es kann, man auf ihn zählen kann. Der Druck wird größer. Die Angst wächst. „Ich schaffe es nicht mehr ohne professionelle Hilfe“, gesteht sich Andreas ein. Der Arzt rät ihm zum Therapeuten zu gehen. Doch mindestens drei Monate will er nicht auf einen Termin warten. Andreas braucht jetzt Hilfe - und findet sie bei Heike Fuest.

Die Heilpraktikerin für Psychotherapie behandelt im „Heilzentrum Niederrhein“ in Rees unter anderem Patienten mit Angstzuständen und Depressionen. Privat. Und: Als Heilpraktikerin für Psychotherapie darf sie weder Medikamente verordnen noch Psychosen oder schwere Depressionen behandeln. „Ich behandele auch keine Psychosen, Schizophrenie oder Menschen, die akut selbstmordgefährdet sind“, erklärt Heike Fuest. Dennoch ist sie für viele Kassenpatienten eine erste Anlaufstelle.

Bei Wartezeiten von bis zu drei Monaten und mehr für einen Termin beim Psychotherapeuten ist der Bedarf nach einer Überbrückung groß, wie jüngst die Psychotherapeutenkammer NRW bestätigte. 168 Psychotherapeuten gibt es derzeit am Niederrhein in den Kreisen Kleve, Wesel der Stadt Duisburg. Der Bedarf, „vor allem auf dem Land“ ist bei weitem größer, so Monika Konitzer, Präsidentin der Psychotherapeuten-Kammer NRW.

Überbrückung der Versorgungslücke

„Vor allem Angstpatienten häufen sich, die ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein und die Panik haben, zu versagen“, sagt Heike Fuest, die Pädagogik studiert und lange Zeit als sozialpädagogische Betreuerin gearbeitet hat. 2008 hat sie nach einer fünfjährigen Ausbildung ihre staatliche Zulassung zur „Heilpraktikerin für Psychotherapie“ bekommen und zunächst bei sich zu Hause in Kalkar behandelt, bis sie in Rees in eine Gemeinschaftspraxis einstieg.

Eine gute Entscheidung, denn „die Reeser kennen mich nicht als Reeserin.“ Noch immer sei die Hemmschwelle groß, zum Psychotherapeuten zu gehen. Auf privaten Festen oder morgens beim Bäcker wollen Betroffene nur ungern ihrem Therapeuten über den Weg laufen, „man schämt sich.“

Auch Andreas suchte die Anonymität. Er wohnt einige Kilometer von Rees entfernt, Freunde oder gar Arbeitskollegen sollen nicht wissen, dass er professionelle Hilfe sucht, um den Stress zu bewältigen. Heike Fuest ist klar, dass es für viele Kassenpatienten eine finanzielle Frage ist, ob sie ihre Wartezeit mit einem Privatbesuch überbrücken können, der ungefähr soviel kostet, „wie ein Friseurbesuch.

Infos
Das Heilzentrum

Heike Fuest arbeitet im „Heilzentrum Rees“ als Heilpraktikerin für Psychotherapie zusammen mit den Heilpraktikerinnen Ulrike Winkler und Andrea von der Heydt, was eine Verbindung von Naturheilkunde und Psychotherapie unter anderem auch auf Gebieten wie der Ernährungsberatung möglich macht. Infos zur Praxisgemeinschaft, Kirchplatz 10, in Rees, gibt’s unter 02851-966304 oder www.psychologisch-begleitend.de

Und doch: Einmal im Monat kommt auch eine Hartz IV-Empfängerin zu mir. Sie spart das Geld für die Sitzung an, weil sie nicht in eine Klinik wollte“, sagt Heike Fuest. Denn die Klinik sei für viele die allererste Anlaufstelle, wenn sie von ihrem Arzt hören: „Suchen sie sich dringend einen Therapeuten“ - und dann doch so lange warten müssen.

Doch selbst nach einem Klinikaufenthalt „gibt es häufig erst einmal eine Versorgungslücke“, so Heike Fuest. Nicht immer folge eine direkte Anschlussbetreuung , eben bedingt durch die Wartezeiten. „Diese Menschen haben sich aber durch die Therapie in der Klinik verändert. Ihr Umfeld, ihr Alltag, ihr Familienleben ist dagegen noch dasselbe wie zuvor“, sagt Heike Fuest, die sich nicht als Konkurrenz zu den niedergelassenen Psychotherapeuten sieht. „Ich kann begleitend und ergänzend arbeiten“, sagt Heike Fuest, die auch Angehörige von depressiven Menschen betreut. „Sie werden oft aus den Augen verloren,“ sagt Heike Fuest.

Andreas kommt mittlerweile nur noch einmal im Monat zur Sitzung. Er ist auf einem guten Weg. Sagt auch mal „Nein“ zur x-ten Überstunde und macht seine Mittagspause - draußen, abseits des Arbeitsplatzes.

Anlaufstellen

Der „Psychotherapeut“ ist eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Er hat eine staatlich geregelte Ausbildung absolviert und behandelt psychische Krankheiten mit wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren.

Heilpraktiker für Psychotherapeuten haben keine Approbation und sie dürfen keine Medikamente verschreiben. Die Kosten werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Die Psychotherapeutenkammer NRW informiert über die Möglichkeiten einer psychotherapeutischen Therapie, über Anlaufstellen und Kostenerstattungen - unter Tel. 0211/52 28 47-0 oder im Netz: www.ptk-nrw.de.

Rosali Kurtzbach



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