Typisch Pasta, oder was?

Zu Besuch bei Klaus Schüllers Nudelgarten in Duisburg.
Zu Besuch bei Klaus Schüllers Nudelgarten in Duisburg.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Klaus Schüller ist der Herr der Nudeln – seit mehr als 25 Jahren macht er Pasta selbst - in seinem Nudelgarten in Duisburg-Neumühl

Duisburg.. Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um in Duisburg eine Pastamanufaktur zu eröffnen. Klaus Schüller war verrückt genug: Seit mehr als 25 Jahren „wachsen“ in seinem kleinen Nudelgarten im Stadtteil Neudorf dem Slogan nach Spaghetti, Fusilli und Tagliatelle. Schüller nennt sie lieber Dreh- und Bandnudeln. „An jeder Ecke gibt’s Pizza- und Pastarestaurants. Ich will nicht mitschwimmen auf dieser Italienwelle.“ Deshalb gibt’s bei ihm einfach Nudeln aus Duisburg. Und die schmecken nach Spinat und Chili, Thymian und Basilikum oder einfach pur.

Das Märchen vom Nudeläquator

Die Idee mit den Nudeln kam dem gelernten Lebensmittelkaufmann beim Volkswirtschaftsstudium in Bremen. Auch nicht gerade eine typische Pastastadt. „Aber es gab da diese Münchenerin, die hat in Bremen, leider erfolglos, Nudeln gemacht“, erinnert er sich. „Sie glaubte, der Nudeläquator hört nördlich von Mainz auf. Großer Quatsch“, sagt Schüller. Als Ökonom habe ihn die Idee, auch das Handwerk gereizt.

Aber hanseatische Pasta machen? Wollte Klaus Schüller nicht! „Duisburg sollte meine Heimat bleiben. Die Leute hier sind so schön unbequem direkt.“ So wie der Duisburger selbst, der auf die Frage nach seinem Alter konsequent antwortet: „Das verrate ich keinem.“ Und dabei bleibt er auch.

Fast 30 Jahre ist es immerhin schon her, da kauft er der erfolglosen Pastamacherin aus Bayern die Nudelmaschine ab und mietet ein kleines Ladenlokal in Neudorf. Er fährt nach Freiburg und an den Züricher See, lernt dort, „wie man im großen Stil Nudeln macht. Ich hatte die Illusion, ich könnte den Neudorfern täglich frische Pasta für den Eigenbedarf verkaufen.“

Pastageschäft war früher Avantgarde

Ganz so einfach war es dann nicht: „Die Leute haben zwar neugierig durchs Ladenfenster geguckt“, erinnert sich Schüller. In seinen Nudelgarten gekommen seien sie aber nicht. So ein Pastageschäft, das war damals in Duisburg „fast schon Avantgarde, sowas gab’s hier vorher nicht“. Doch Schüller, ganz Volkswirt, hatte einen Plan B: Einen Imbiss, in dem es bis heute zum Mittag Nudelgerichte mit frisch gemachten Soßen und Salaten gibt. Und die schmecken natürlich jeden Tag anders – schließlich sei sein Nudelgarten nicht Vapiano, sagt Schüller.

Und das ist offenbar gut so. „Eingeschlagen wie eine Bombe“ sei sein Imbiss damals. „In der Postkantine gab’s jeden Tag Bratwurst mit Rotkohl und Kartoffelbrei. Das waren die Leute wohl satt.“

In Schüllers Nudelgarten gibt’s stattdessen luftgetrocknete Pasta aus Hartweizen oder Dinkelmehl. Das Besondere daran? „Beides hat eine andere Ölstruktur und damit einen höheren Klebegehalt als Weizen“, erklärt er. Und die sind zudem vegan. Anders als die typisch deutschen Nudeln kommen Schüllers ganz ohne Ei aus: „Frischei ist ein Salmonellenträger“, und die könne er bei sich im Nudelgarten nun gar nicht gebrauchen. Den Pastateig dreht der Herr der Nudeln übrigens auch heute noch fast jeden Tag selbst durch die traditionellen Gussformen. Etwa eine Stunde Arbeit stecke in fünf Kilo Nudeln, rechnet er vor. Manchmal müssen deshalb auch seine Mitarbeiterinnen ran: „Ich find’ das schön, wenn ich denen etwas zeigen kann und die machen das am Ende besser als ich.“

Duisburger Pasta in Italien

Denn ohne Unterstützung geht es nicht, der Nudelgarten ist gut besucht. Selbst am Montag, Schüllers Ruhetag, rennen hungrige Kunden den Laden ein. Vom Studenten bis zum Rentner, die gerne auch seine eingeweckten Soßen kaufen, „weil das einfach praktisch ist“.

Pro Woche gehen einige Zentner Pasta über den Ladentisch – inzwischen nicht mehr nur über Schüllers eigenen. Auch in der niederländischen Medienstadt Hilversum sind die Leute auf den Geschmack gekommen. „Manchmal bringe ich auch meiner Vinzerin aus Italien unsere Duisburger Nudeln mit“, sagt Schüller. Ein Grinsen kann er sich dabei nicht verkneifen.

Wo die Nudeln wachsen...

Klaus Schüllers Nudelgarten, Ludgeristraße 29/Ecke Ludgeriplatz in Duisburg-Neudorf, öffnet immer dienstags bis freitags zwischen 9 und 14 Uhr sowie donnerstags und freitags zusätzlich von 15.30 bis 18 Uhr. Mittagessen – auch zum Mitnehmen – gibt’s um 11.30 Uhr. Vom 7. Juli bis zum 4. August ist der Nudelgarten urlaubsbedingt geschlossen.

Neu auf der Speisekarte ist die glutenfreie Pasta für Allergiker aus Kichererbsenmehl. Mehr Infos gibt’s telefonisch unter 0203/350 596 oder im Internet: www.nudelgarten.de.