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Traumzeit will jünger werden

24.06.2010 | 19:31 Uhr
Traumzeit will jünger werden
Shout Out Louds

Duisburg.Das Traumzeit-Festival ist bekannt für Jazz und Weltmusik. Jetzt spielenim Duisburger Landschaftspark Nord neben Jazz-Legende Pat Metheny auch Indie-Popper wie Get Well Soon und Shout Out Louds auf. Das Festival will ein jüngeres Publikum anziehen.

Pat Matheny war keine wirkliche Überraschung. Auch mit Helge Schneider, der eigentlich aus der Jazz-Szene kommt, konnte gerechnet werden. Aber Pop-Bands wie Get Well Soon, Efterklang, José Gonzales oder „The Notwist“ waren bisher eher beim Haldern Pop zu hören, aber nicht bei der Traumzeit. Das traumhaft schöne Musikfestival unter den Hochöfen des Duisburger Landschaftsparks Nord war bisher eher für Jazz und Weltmusik bekannt.

Dahinter steckt natürlich eine Strategie. „Wir wollen das Festival auch für ein jüngeres Publikum öffnen“, erkärt der künstlerische Leiter des Festivals, Tim Isfort. Allerdings nicht auf Kosten der musikalischen Qualität. Ganz im Gegenteil. „Bands wie The Notwist schmettern ja nicht einfach nur Pop-Songs hinunter, sondern haben eine sehr differenzierte Sicht auf die Musik“, betont Isfort, dessen Anliegen es ohnehin ist, die Schubladen der Stile kräftig durcheinander zu wirbeln.

Keine
Stil-Nischen

Deshalb wird es bei der Traumzeit, die in diesem Jahr über 40 Gruppen auf fünf Bühnen in Kraftzentrale, Gebläse-, Pumpen-, Gießhalle und vor dem Gasometer stellt, auch keine Stil-Nischen geben. „Wir möchten ganz bewusst, dass der Zuschauer zwischendurch die Örtlichkeit wechselt und sich dabei auch mal überraschen lässt.“ Was es in diesem Jahr nicht mehr geben wird, ist das Außenprogramm für nicht zahlende Zuschauer. „Das ist eine Frage der Wertschätzung, die man der Musik entgegenbringt“, erklärt Isfort. „Da mussten in der Vergangenheit hochkarätige Musiker vor einem desinteressierten Publikum spielen.“ Vermeiden will man im Landschaftspark die Moerser Jazz-Fest-Situation, bei dem das Event drumherum größer als das eigentliche Ereignis ist.

Hauptattraktion des Festivals - insbesondere für die klassischen Traumzeit-Besucher - dürfte der amerikanische Gitarrist Pat Matheny und seine erstaunlich langlebige Gruppe mit Keyboarder Lale Mays und Bassist Steve Rodby sein. Der 55-Jährige gilt als der profilierteste Saitenstreichler des Jazz.

Aber auch die Weltmusik, traditioneller Schwerpunkt des Festivals, kommt in diesem Jahr nicht zu kurz. So wird das baskische Duo Ttukunak auf der Txalaparta spielen. Das Instrument besteht aus Steinen, Hölzern oder Röhren, die verschiedene Tonhöhen ergeben, wenn sie angeschlagen werden und diente früher zur Übermittlung von Nachrichten. Der Frankfurter DJ Stefan Hantel lässt das Bucovina Club Orkestar zur „Disko Partizani“ aufspielen.

Es gibt aber auch Weltmusik aus der Heimat: Die Kölner Saxophonistin Angelika Nescier wiederholt ihr Kulturhauptstadtjahr-Projekt mit dem MGV Concordia Dinslaken. Freejazz mit Bergmanns-Chor.

Nachwuchs-Musiker
aus der Region

Isfort hat stark darauf geachtet, dass auch Musiker aus der Region einbezogen werden. Die dänische Band Efterklang spielt zusammen mit den Efterkids, Nachwuchs-Musikern aus der Region. Die Duisburger Philharmoniker sind an insgesamt fünf Stellen im Programm zu sehen. Unter anderem mit der Sängerin Eva Kurowski, mit Peter Bolte, Jim Campbell und Furiosef bei den Auftragskompositionen, aber auch mit den schwedischen Indie-Rockern „Shout our Louds“.

„In Zusammenarbeit mit Sänger Armin Olenius schreiben wir gerade an den Arrangements“, schildert Isfort, der selbst ein Orchester leitet. Er war es auch, der die Idee hatte, Helge Schneider zusammen mit dem frankokanadischen Pianisten Chilly Gonzales auftreten zu lassen. „Die beiden haben sich auf Anhieb verstanden.“ Auf das Ergebnis ist nicht nur Isfort schon sehr gespannt.

Da ist es kein Wunder, dass der 42-Jährige Musiker auch im kommenden Jahr gerne weiter „träumen“ würde: „Es macht mir viel Spaß. Ich würde gerne weitermachen“, erklärt Isfort, dessen Vertrag in diesem Jahr ausläuft.

Traumzeit, 2. - 4. Juli, Landschaftspark Nord, Duisburg. Der Festivalpass kostet im Vorverkauf 78 €, Tageskasse 86 €. Tageskarte: 34 € bzw. 39 €, Jugendticket bis 23 Jahre: 20 €

Markus Peters

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