Niers-Serie
Teil 8: Und still wacht Nepomuk
05.08.2010 | 19:10 Uhr 2010-08-05T19:10:00+0200
Kevelaer.In Teil acht unserer Niers-Serie begegnen wir auf der Niersbrücke in Kevelaer dem heiligen Nepomuk.
So ein Heiliger in der Nähe ist immer praktisch. Man kann ihn anrufen, wenn mal gerade etwas schief läuft im Leben. Das ist dann eher die spirituelle Seite. Mitunter gibt’s aber auch ganz bodenständige, praktische Hilfe. Man kann, zum Beispiel, wunderbar sein Schlauchboot anlehnen, ihm die Paddel in den Rücken schieben oder ihn ganz einfach als Landmarke benutzen. Treffpunkt Niersbrücke, am Heiligen Nepomuk.
Wer Kevelaer via Winnekendonk über die Rheinstraße ansteuert, muss über die Niers - und da steht er und wacht: der heilige Nepomuk.
Metalldiebe haben schon das Kreuz geklaut
Der Kevelaerer Bildhauer und Silberschmiedemeister Norbert Vorfeld hat den niederrheinischen Nepomuk aus Kupfer und Stahl getrimmt - und seit fast zehn Jahren nimmt der Stahlriese alle Passanten - Wassertouristen inklusive - unter Beobachtung.
Nepomuk hat’s nicht leicht - zu Lebzeiten schon nicht. König Wenzel ließ ihn, so sagt es die Legende, von der Brücke in die Moldau werfen und ertränken - Nepomuk, der Beichtvater der Königin, hat trotz grausamster Folter das Beichtgeheimnis gewahrt und dem König nicht verraten, was die Königin ihm anvertraut hatte.
So kommt es, dass Johannes Nepomuk zum Patron der Priester und Beichtväter, der Flößer und Schiffer und der Brücken wurde. Und deshalb hat der Kevelaerer Nepomuk auch keinen Mund.
Metalldiebe haben dem Heiligen an der Niers vor einiger Zeit schon den Stab mit dem Kreuz gestohlen, Rabauken haben den rostigen Sockel bekritzelt, manch’ Bürger findet das Kunststück zu modern.
Pech für König Wenzel - aber auch für Nepomuk
„Kortenstahl“, sagt Norbert Vorfeld und streicht mit der flachen Hand über den rotbraunen Rost. „Der bröckelt nicht weg. Und Rost muss sein. Das ist die Verbindung zum Fluss, zum Wasser, zur Niers, zur Legende.“
In Sichtweite des Heiligen Nepomuk hat Norbert Vorfeld sein Atelier, zu dem auch ein kleines Café gehört. Die Niers gurgelt friedlich vorüber, es gibt Kunst mit Kaffee und Kuchen. Eigentlich sollte die Skulptur der Anfang einer kleinen Kunstserie werden, die die Rheinstraße, das Einfallstor zum Marienstädtchen, hübscher machen sollte. Aber noch steht Nepomuk alleine da - Kunst ist eben immer auch eine Finanzfrage.
Ausflugstipp: In der ehemaligen Domsamenhalle am Niersufer am Stadteingang wird seit langem kein Saatgut mehr gelagert. Dafür darf man hier nun nach der Umgestaltung des denkmalgeschützten Gebäudes Platz nehmen. Und zwar im Restaurant „Lago“, das noch keinen Blick auf den geplanten See zulässt, aber auf die Niers. Und auf Nepomuk.
An Kirchen und Kapellen mangelt es dem Wallfahrtsort wahrlich nicht. Eine ganz besonders sehenswerte ist die Johanneskapelle, eine prunkvolle, kleine, orthodoxe Kirche auf der Amsterdamer Straße.
Liebe Leserinnen und Leser, bei der Preisfrage zu unserem letzten Serien-Teil „Paddel, los! - Langsam geht’s bergab“ zu Folge 8 unserer Niers-Serie hat sich leider ein kleiner Fehler eingeschlichen: Gesucht wurde mit Frage 7 - irrtümlich stand hier Frage 8 - der siebte Buchstabe unseres Lösungswortes.
Frage 8 und somit den achten Buchstaben der gesuchten Lösungswörter können Sie heute errätseln.
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