Niers-Serie
Teil 7: Langsam geht’s bergab
02.08.2010 | 18:15 Uhr 2010-08-02T18:15:00+0200
Geldern/Kevelaer. Ein flacher Fluss mit ungeahntem Höhenunterschied. Udo Krebber und Familie haben eine Paddeltour auf der Niers gewagt
Ja, zugegeben, es ist manchmal mühsam: Treppab, treppauf, treppab und noch einmal treppauf. Aber wer die Niers mittendrin erkunden will, darf keine sportlichen Herausforderungen scheuen. Stromschnellen hat die stille Schöne dank ihres natürlichen Gefälles von gerade einmal 60 Zentimetern nicht. Körperertüchtigung wartet dafür auf und am Wasser bei einer Paddeltour. Zum Familienspaß geht’s auf die Strecke von Geldern bis nach Kevelaer.
Konditionstraining am
frühen Morgen
Das Treppensteigen beginnt an diesem Morgen allerdings schon viel früher. In einem Haus in Wesel-Ginderich, lange vor elf Uhr: Rauf, die Kinder wecken, runter, Frühstück machen und wieder rauf, Kleidung raussuchen, noch mal runter Brötchen schmieren, dann noch einmal rauf, den Rucksack holen – und: Wo ist eigentlich die Sonnencreme? Kurz darauf steht Udo Krebber mit Familie parat: Zwei Autos, zwei Erwachsene, drei Kinder – alle startklar für den samstäglichen Ausflug auf der Niers. Erste Station: Kevelaer-Wetten. Ein Fahrzeug wird am Zielort geparkt. Mit dem anderen geht’s weiter zum Ausgangspunkt der Tour nach Geldern.
12 Uhr, Ablegestelle „An der Bleiche“: Die Kanus wurden von dem Tourenanbieter Freizeit Schwarz aus Weeze am Ufer bereit gelegt, das Fünfer-Paddelvergnügen ist bezahlt (rund 80 Euro). Aber: Stopp! Zunächst noch eine Einweisung des Bootsverleihers: 1. Für den Notfall im knietiefen Wasser steht auf jedem Paddel die Telefonnummer des Veranstalters. 2. Beim zu Wasser lassen der Kanus sollten die Paddel nicht lose im Boot liegen. 3. Die schwerste Person steigt zuerst und hinten ein. Und 4. - ganz wichtig: Die Boote sind unsinkbar. Ab in die Tonne heißt es dann noch für alle Gegenstände, die nicht wassertauglich sind, wie Handy, Portemonnaie und Papiere. Sie verschwinden in einem verschließbaren Fass an Bord.
12.30 Uhr, Flussbesteigung: Alle müssen anpacken. Ein paar Stufen werden die nicht ganz leichten Boote das Ufer hinunter getragen. Dann geht’s ins Wasser. An die Paddel, fertig und los! „Und jetzt acht Kilometer bachabwärts“, scherzt Udo Krebber. Denn: Besonders breit ist die Niers hier nicht, tief erst recht nicht. In sanften Biegungen schlängelt sich der Fluss durch die Kornfelder, rechts und links vorbei an kleinen Siedlungen. „Viele Tiere sieht man aber nicht“, meint Udo etwas enttäuscht, als nur eine Entenfamilie ihren Weg kreuzt. „Aber landschaftlich ist es sehr schön.“
Wettpaddeln durch die
niederrheinische Weite
13 Uhr, alles im Fluss: Ein Stück schlängelt sich die Niers durch Geldern, dann weiter durch das Gelände des Golfclubs Schloss Haag. Doch für historische Bauten hat der Fünfer-Familienclan keinen Blick. Es braucht Kraft die Boote zu steuern. „Und nicht jeder an Bord ist schließlich Paddelprofi“, meint Udo Krebber. Unter Brücken hindurch, an einer Bauminsel vorbei, plätschert die Niers – ungeachtet der sportlichen Stärken und Schwächen der auf ihr Reisenden – nach Kevelaer.
Bis gegen 13.30 Uhr ein Flusswehr aus dem Nichts auftaucht. „An dieser Stelle kann ich nur sagen: Es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich auf der Internetseite des Bootsverleihers vorher über die Strecke zu informieren“, muss der Familienvater gestehen. „Umtragestelle“ nennt der Veranstalter die Krautfanganlage mit anschließendem Wehr bei Geldern. Hier wird Schwemm- und Mähgut sowie der Algenbewuchs, den der Niersverband regelmäßig aus dem Wasser entfernt, herausgefischt. Am Wehr wird der Abfluss des Wassers durch eine Staustufe reguliert.
Für die Kanu-Paddler ist das Vergnügen hier erst einmal vorbei. Arbeitet wartet: Boote ans Ufer lenken, anpacken und Treppe steigen! Denn anders als auf anderen Flüssen verbietet der Niersverband das Befahren der Wehre für Kanus. Umtragen ist Pflicht! Über Land am Wehr entlang werden die Boote getragen, um dann 150 Meter weiter wieder die Stufen am Ufer hinabzusteigen und die Kanus zu Wasser zu lassen.
14 Uhr, Weite wartet: Der Fluss verläuft nun geradliniger. Auch die Uferböschung ist nicht mehr so bewachsen. Nach der Anstrengung werden die Paddler mit dem Blick auf niederrheinische Weite – und noch ein bisschen weiter – belohnt. Zeit, um Kraft zu tanken. Kurz zumindest, denn dann wartet ein familieninternes Kanu-Wettrennen. Doch Achtung: Gewonnen hat nicht, wer am schnellsten paddelt. Sieger ist nur, wer gegen 14. 30 Uhr noch die Kraft hat, auch den letzten Treppengipfel samt Boot in Kevelaer-Wetten zu erstürmen!
0mitdiskutieren