Tausend Schritte für einen Schokoriegel
03.03.2009 | 18:55 Uhr 2009-03-03T18:55:00+0100Ungesundes Essen, zu wenig Bewegung - darunter leiden immer mehr Kinder in Deutschland und den Niederlanden. Ein grenzüberschreitendes Projekt will Abhilfe schaffen.
Am Niederrhein. Die Zahlen klingen besorgniserregend: 20 Prozent der Kinder leiden heute an Übergewicht, etwa 50 bis 60 Prozent gelten als motorisch auffällig. Das ist nicht nur in Deutschland so. Der ungesunde Appetit auf Fast-Food, Computer und Co. macht an der Grenze nicht halt. Auch für den Nachwuchs in den Niederlanden werden überflüssige Pfunde und Bewegungsarmut zunehmend zu verhängnisvollen Stolpersteinen – nicht nur im sozialen Umfeld, ebenso auf dem Bildungssektor. Es sind vor allem drei Dinge, an denen immer mehr Schüler kranken, hat Professor Roland Naul von der Universität Duisburg-Essen ausgemacht: Bewegungsmangel, falsche Ernährung und zu wenig aktive Freizeit.
Unter den Fittichen der Euregio-Rhein-Waal hat sich deshalb gestern ein grenzüberschreitendes neues Netzwerk gegründet: „Gesunde Kinder in gesunden Kommunen”. Unter diesem Titel werden jeweils sechs Schulen dies- und jenseits der Grenze in Kooperation mit Sportvereinen und Kommunen den Versuch starten, zu zeigen, wie man diese Entwicklung aufhalten kann.
Von Enschede bis Cuijk, von Velen im Kreis Borken bis hin nach Moers und Rheinberg reicht bislang die Liste der teilnehmenden Kommunen. Vier Jahre lang soll nun mit insgesamt zwei Millionen Euro aus verschiedensten Töpfen geprobt werden, wie es anders gehen kann.
Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts liegt in den Händen von Professor Roland Naul: „Neben der richtigen Ernährung ist vor allem wichtig, dass Kinder sich mindestens 60 bis 90 Minuten täglich aktiv bewegen.” Deshalb haben die Verantwortlichen neben Schulen und Kommunen die lokalen Sportvereine mit ins Boot geholt. Drei statt wie gewöhnlich zwei Stunden Sportunterricht in der Schule, daran anknüpfend sportliche Angebote am Nachmittag sind angestrebte Ziele. Für ebenso wichtig hält Naul Aufklärung, „etwa im Sachunterricht. Damit die Kinder wissen, dass man für einen Schokoriegel erstmal 1000 Schritte laufen muss, um die Kalorien wieder los zu werden.”
Wichtig sei die Vernetzung aller Beteiligten. Kommunen, Schulen und Sportvereine müssten an einem Strang ziehen. Mit Fortbildungen für Lehrer und Übungsleiter, aber auch Materialien werden die teilnehmenden Schulen unterstützt. Noch stehen aber nicht alle Projektteilnehmer endgültig fest. Im Kreis Kleve zögern angesprochene Städte und Kommunen offensichtlich noch. Bei der gestrigen Gründungsversammlung des Partnernetzwerks im Klever Euregiohaus wurden Verantwortliche aus Kommunen im Kreis Kleve jedenfalls vermisst.
Mehr Informationen zum Projekt unter www.gk-gk.de
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