Tagebuch eines Bananenmalers
27.01.2008 | 18:44 Uhr 2008-01-27T18:44:58+0100AUSSTELLUNG. Thomas Baumgärtel zeigt im Museum Goch lauter gelbe und krumme Sachen. Und wie alles anfing.
GOCH. Eigentlich ist alles Banane. Pokemons, Politiker, Picasso, Pistolen - "ein schönes Werkzeug, das man da hat", sagt Thomas Baumgärtel mit Blick auf seine frisch gehängte Bananenmetamorphose im Museum Goch. Sicher, man könnte sich angesichts der aktuellen Diskussion zwischen Euro- und Gummibärbananen neben die krummen gelben Türme des Kölner Doms auch ebensolche Minarette denken. Schließlich ist Provokation für den als Bananensprayer bekannt gewordenen Kölner Künstler mit niederrheinischen Wurzeln kein Fremdwort. Passt aber nicht. "Das ist mein persönliches Tagebuch", sagt Baumgärtel. Und in selbiges gehören derzeit weder Minarett, noch ein Bananen-Knut. Gestern wurde die Einzelausstellung des in Rheinberg aufgewachsenen Künstlers im Museum Goch eröffnet.
Das Gelb springt ins Auge. Dazu mischt sich Schwarz, bisweilen ein roter Tupfer. "Ein sehr deutscher Block", sinniert Baumgärtel, Jahrgang 1960. Über 100 Einzelbilder aus den letzten 20 Jahren hängen da. Rund 150 Metamorphosen der Spraybananen gibt es insgesamt und es kommen immer wieder welche dazu. Da ist die Bananenwurst, der Bananenjeck, das Bananenhandy, der Bananen-Bart Simpson ebenso wie der Bananenpenis, die Bananenzeche, das Bananenwindrad oder der Bananenpapst - bei Baumgärtel machen viele Bilder ein Bild, viele Facetten ergeben ein Ganzes. Streng genommen geht wohl alles in krumm und gelb. Alles, was den Künstler Thomas Baumgärtel so beschäftigt.
Heimliches Markenzeichen
Vor über 20 Jahren begann Baumgärtel, Fassaden ihm wichtiger Kunstorte mit der Banane zu besprühen. Was als Nacht-und-Nebel-Aktion begann, entwickelte sich rasch zum heimlichen Markenzeichen, um das sich Museen und Galerien rissen. Käuflich wurde die Banane deshalb nicht - die Markierungen blieben subjektiv, auch wenn sie von anderen zu einem Michelinstern der Kunst stilisiert wurden. Mittlerweile hat Baumgärtel weltweit 4000 Kunstorte für sich markiert, sich so seine persönliche Kunstwelt geordnet und sortiert.
Angefangen hat alles am Niederrhein - in einem Rheinberger Krankenhaus. Dort leistete Baumgärtel seinen Zivildienst ab. Eines Nachts fiel ein Kreuz von der Wand, dabei hatte sich der Korpus gelöst. Baumgärtel heftete am nächsten Morgen stattdessen seine Frühstücksbanane ans Holz und sorgte damit für heftige Diskussionen. Auch dieses Originalkreuz mit den vertrockneten braunen Schalenresten ist in Goch zu sehen. Mit dieser spontanen Aktion habe Baumgärtel erstmals gemerkt, dass er mit furchtbar einfachen Dingen große Reaktionen auslösen kann, sagt Museumsleiter Dr. Stefan Mann.
Momentaufnahmen im Großformat
Bananen gehen aber auch anders. Als Stillleben mit Kürbissen, zum Beispiel. "Bananenpointilismus" heißt der von Baumgärtel entwickelte Stil, mit dem er etwa Porträts oder Landschaften malt. Und Baumgärtel kann auch ganz ohne. Selbst diese Malereien bleiben persönlich, seine Momentaufnahmen der Zeitgeschichte im Großformat.
Nein, sie sei kein Fluch für ihn, er möge sie immer noch gerne, sagt Baumgärtel über die Frucht, die ihn bekannt gemacht hat. Im 2007 entstandenen Bild "Adam und Eva", das ebenfalls in der Gocher Ausstellung zu sehen ist, scheint sie daher wie ein freundlich-friedliches Muss ins Paradies zurückgekehrt - zartgelb in Adams Hand.
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