So weit die Füße tragen
14.06.2007 | 05:35 Uhr 2007-06-14T05:35:24+0200FORSCHUNG. In Xanten diskutieren Archäologen und Historiker über römische Kampfspuren.
XANTEN. Genaugenommen geht es um das große Ganze - auch wenn sich die 150 Archäologen und Historiker in Xanten an diesem Wochenende auf der 16. "Roman Military Equipment Conference" bis in die kleinste Speerspitze mit Kampfspuren der Römer beschäftigen. Im Mittelpunkt der regelmäßig tagenden internationalen Wissenschaftlerrunde steht dieses Mal vor allem die Zusammenarbeit mit so genannten "Reenactment-Gruppen", Menschen, die das Römerleben mit rekonstruiertem Equipment experimentell erforschen, etwa beim Tagesmarsch in römischen Sandalen.
Es sei für die Wissenschaft von großer Bedeutung im Praxistest zu erfahren - so könnte es gewesen sein, sagt Dr. Eckart Deschler-Erb von der Uni Zürich. So stellte sich bereits mehrfach durch solche Tests heraus, dass lange Jahre Fundstücke schlicht und ergreifend falsch zugeordnet wurden.
"Die römische Armee hat einen riesigen Fußabdruck hinterlassen", bringt der britische Wissenschaftler Professor Jon Coulston das große Interesse für das römische Militärwesen auf den Punkt. Die gewonnenen Erkenntnisse seien auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen von Bedeutung. "Militärgeschichte nur dem Militär und der Politik zu überlassen, ist viel zu gefährlich", so der Professor der St. Andrews Universität.
Gastgeber Hans-Joachim Schalles vom Regionalmuseum Xanten zeigte sich erfreut, nach Bonn und Köln als dritte deutsche Stadt Gastgeber der Runde zu sein. Dass die praktische Erfahrung im Umgang mit Waffen einer der Schwerpunkte der Tagung ist, bietet sich an diesem Wochenende besonders an: Bei "Schwerter, Brot und Spiele" werden über 300 Teilnehmer das APX am 16./17. Juni in ein antikes Rom verwandeln - und die Diskussion zwischen Wissenschaftlern und Praktikern anregen. (gag)
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