Sind so viele Bäume...

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Was wir bereits wissen
Jetzt, im Winter, sieht man erst, was sich der schottische Gartenarchtiekt Thomas Blaikie alles so gedacht hat – vor fast 200 Jahren...

Am Niederrhein..  Jetzt ist es also doch noch passiert. Der Garten rund um Schloss Dyck, Jüchen, hat ein weißes Mäntelchen bekommen – wenn auch nur für kurze Zeit. Berthold Holzhöfer, Parkleiter und Vollblut-Gärtner, atmet tief durch. Auf dem See liegt eine hauchdünne Eisschicht, gerade fest genug, um der Schneeüberraschung standzuhalten. Vor ein paar Tagen haben seine Jungs damit angefangen, vorn, im neugestalteten Eingangsbereich 43 neue Linden zu pflanzen. Die historischen Linden und Kastanien hat das jüngste Sturmtief ausgehebelt.

„Natürlich ist das hier zu jeder Jahreszeit schön“, sagt Herr Holzhöfer. „Wenn im Frühjahr und Sommer die Blumen blühen, ist das großartig. Aber im Winter zeigt sich der Garten unverfälscht, man erkennt die Strukturen. Thomas Blaikie hat sich ja ’was dabei gedacht. Und wenn sich Frost und Raureif auf die grobe Rindenstruktur der uralten Bäume legen, dann bekommt das alles eine ganz besondere Textur.“

Wobei wir mitten drin wären. Im englischen Landschaftsgarten von Schloss Dyck. Und in der Arbeit des Gartenarchitekten Thomas Blaikie. Schlossherr Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, selbst passionierter Botaniker und Pflanzensammler, beauftragte den Schotten seinerzeit damit, rund ums feine Anwesen im Geiste der Aufklärung einen frühen englischen Landschaftsgarten anzulegen. Blaikie tat das mit Begeisterung und Akribie – und zwischen 1820 und 1835 entstand das, was heute immer noch die Besucher in ihren Bann zieht: Waldwege und schattige Alleen, sanft modellierte Hügel und Wasserflächen, Baumgruppen und Solitäre, die das Schloss einrahmen und ins Zentrum beeindruckender Sichtachsen setzen. 53 Hektar groß ist das Areal, exotische Bäume und Sträucher finden sich hier, „einzigartig in Alter und Artenreichtum.“

Wenn Sie denn ‘mal eine Rieseneibe sehen möchten – kein Problem. 130 Meter Umfang, sieht aus wie ein kleiner Wald aus Büschen und Minibäumen – ist aber ein Baum. Sie können aber auch vor dem mächtigen Stamm der ururalten Sumpfzypresse stehen und sinnieren, was denn alles so passiert ist auf der Welt, seit der imposante Tulpenbaum ein paar Wege später als zartes Pflänzchen in die niederrheinische Erde gesetzt wurde. 1794 war das. „Viele historische Bäume kommen nun in ein kritisches Alter oder sind schon nicht mehr da“, sagt Berthold Holzhöfer. Und es klingt ein bisschen wehmütig. „Wir pflanzen nach, so dass der wunderbare Parkcharakter auch in 40 oder 50 Jahren zu spüren ist.“

Diese unscheinbaren Fleckchen dunkle Erde, die man überall jetzt sieht – die werden Sie in wenigen Wochen kaum wiedererkennen. Mehr als 300.000 Blumenzwiebeln haben die Gärtner da versenkt. Unter anderem...

Öffnungszeiten Park und Themengärten im Winter (bis 29. März): täglich, außer montags, 10-17 Uhr. Erwachsene neun Euro, Kinder 1,50 Euro. Hunde dürfen angeleint mit.