Sind Frauen die besseren Führungskräfte, Frau Baratie?

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Was wir bereits wissen
Barbara Baratie coacht karriebereite Menschen - Faruen meistens. Dabei: Frauen sind nicht besser auf dem Chefsessel, aber anders, sagt die Expertin

Am Niederrhein..  Sie ist Inhaberin und Gründerin einer Unternehmensberatung und, u.a., Geschäftsführerin des „unternehmerinnen forum niederrhein“, das in diesem Jahr zehn Jahre alt wird. Nebenbei, quasi, wird Barbara Baratie aus Goch im Sommer das Studium der Betriebswirtschaft an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Wiesbaden abschließen. Langeweile hat sie also nicht.

Frau Baratie, zur „Vorbildunternehmerin des Bundeswirtschaftsministeriums“ wurden Sie auch noch gekurt. Das nennt man wohl Power-Frau, oder?

Frauen und Power… na, das lässt sich doch schlecht trennen!? Auf eines können Sie sich bei mir immer verlassen; habe ich Feuer gefangen, will ich etwas erreichen, dann bringe ich meine ganze Energie dazu ein. Halbherzigkeit liegt mir nicht. Insofern, ja, da steckt sicherlich ein Stück Powerfrau in mir – und das ist gut so.

Wie wird man „Vorbildunternehmerin“?

Bundeswirtschaftsminister Gabriel hat jüngst bekannt, dass die Wirtschaftswelt um ihn herum doch sehr männlich geprägt ist. „Wo ich hinkomme – nur Kerle!“ erkannte er und traf den Entschluss, das ändern zu wollen. Dazu hat er die Aktion „VorbildUnternehmerin“ ins Leben gerufen.

Die VorbildUnternehmerinnen stärken das Bild des Unternehmer(innen)tums in der Öffentlichkeit. Unternehmerinnen sind deutlich weniger sichtbar, als ihre männlichen Kollegen und so gilt es, erfolgreiche Unternehmerinnen in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen, damit sie als Rollenvorbilder wirken können. Das Ziel ist es, mehr Frauen für den Schritt in die Selbstständigkeit zu begeistern.

VorbildUnternehmerinnen bringen Vieles mit: Eine erfolgreiche Unternehmensbilanz, soziales und gesellschaftliches Engagement, ein gutes Netzwerk und die Bereitschaft, ihre Zeit, ihr Wissen und Kreativität einzubringen, möglichst viele Frauen für die Idee der Unternehmensgründung zu gewinnen. Sie sind eine offizielle Jurybewertung durchlaufen. In Berlin traf ich z.B. auf den Coach des Wahlkampfteams der Kanzlerin, die wie ich, als VorbildUnternehmerin wirkt.

Für die gesamte Region Niederrhein wurden 4 Unternehmerinnen ausgewählt. Wir stecken gerade die Köpfe zusammen mit den Wirtschaftsförderungen, der IHK und dem Kompetenzzentrum Frau und Beruf NRW und kreieren spannende Veranstaltungen, die Frauen inspirieren werden, über eine Unternehmensgründung nachzudenken. Hierzu werden wir im Kreis Kleve, Kreis Wesel, in Neuss, Duisburg und Krefeld gemeinsam aktiv unter dem Motto „Erfolgsstrategien für Frauen, die höher hinaus wollen als 7 cm…! Lassen Sie sich überraschen, da kommt ein Kessel Buntes auf uns zu!

Was macht ein Innovationscoach?

Als Innovationscoach beflügle ich die Phantasie von Unternehmen und Teams, die auf der Suche nach neuen Lösungen und Geschäftsideen sind. Dazu sprengen „Die Unternehmensentwickler“ Denkgrenzen, bringen Kreativität ein und führen zu ganz neuen Geschäftsmodellen und Prozessen in Unternehmen. Führende Unternehmen der Stahl- und Energiebranche, der Versicherungswirtschaft, aber auch kleinere und mittelständische Unternehmen im Maschinenbau und der Freizeitbranche machen sich gerade jetzt auf den Weg, neues Denken zu etablieren. Industrie 4.0 ist ein Stichwort dazu, das in aller Munde ist, doch die Zukunft ist schon da und viele alte Geschäftsmodelle verlaufen im Sande, wenn sie nicht in die neue Zukunftswelt von morgen passen.

Muss man Frauen anders führen als Männer?

Mein persönliches Erfolgsrezept: Wertschätzung für jeden Einzelnen und sein Können. Jeder fühlt sich herzlich im Team willkommen und angenommen. Und jeder ist einzigartig und bringt spezielles Wissen und einen großen Erfahrungsschatz aus der Wirtschaft mit.

Ich gebe zu, manchmal erscheint vor meinem inneren Auge das Bild eines „Löwen auf dem Felsen trohnend“, wenn ich mit meinen männlichen Kollegen zusammen arbeite. Ich kann großzügig sein… Also biete ich ihm den Löwen-Raum, sprich Anerkennung. Das wirkt und hebt sofort jede Barriere auf. Es entsteht Raum für Persönliches und öffnet die Tür zur Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Die Kolleginnen zeigen dieses „Alphagetier“ meist gar nicht und gehen gleich professionell in die Zusammenarbeit über.

Gibt es das eine und einzig wahre Führungskonzept?

Es gibt viele unbrauchbare Führungskonzepte, die starr, formalistisch und einfach von gestern sind. Damit holen Sie längst schon keine Mitarbeiter mehr hinter dem Ofen hervor. Heute gilt es vielmehr charismatisch zu führen, selbst Vorbild zu sein, klare Ziele zu haben und diese transparent und konsequent anzugehen. Wer die Kraft seines Teams entfachen will, muss begeistern können. Das setzt voraus, dass die Führungskraft mit sich selbst im Reinen ist. Sie gibt ihrem Team nicht nur Richtung, sie zeigt Gefühl und gibt Wertschätzung und Anerkennung und gewinnt so ihr Team, das sich mit Begeisterung dafür einsetzt, das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Sind Frauen die besseren Führungskräfte?

Frauen sind weder die besseren Menschen, noch die besseren Führungskräfte. Doch Frauen bringen die Fähigkeit mit, Menschen zu verbinden, denn sie lassen sich eher als Männer auf die Beziehungsebene ein und kennen ihre Mitarbeiter wirklich. Das ist eine gute Ebene, gemeinsam mehr zu erreichen. Männer lernen diese Qualitäten aktuell in teuren Managerseminaren, dabei bringen viele Frauen diese Fähigkeiten ganz selbstverständlich mit. Kluge weibliche Führungskräfte verstehen es, ein Klima von Vertrauen zu schaffen, das weniger durch Kontrolle, sondern durch Sicherheit, Klarheit und Transparenz gesteuert ist. Ein Raum, in dem Anerkennung und Wertschätzung selbstverständlich fließen und in dem Fehler dazu da sind, daraus zu lernen. Diese Führungsfrauen müssen keine männlichen Vorbilder kopieren, sie wirken selbst als charismatisches Vorbild und entzünden eine Kraft im Team, die ansteckt.

Ist weibliche Intuition ein Stolperstein oder eher ein Karrierepflaster?

Intuition ist das Bauchwissen. Hier speichern wir alle unsere Erfahrungen ab, die wir im Leben gemacht haben. Wir gleichen aktuelle Situationen mit diesem Erfahrungsschatz ab und wissen intuitiv, was Richtig oder Falsch ist. Dieser Abgleich funktioniert – das ist wissenschaftlich erwiesen – viel schneller, als unser Gehirn. Das bedeutet, unser Bauchwissen ist ein unermesslicher Schatz, den wir in uns tragen.

Frauen haben häufig einen besseren Zugang zu diesem Erfahrungswissen. Sie müssen jedoch manchmal noch lernen, das es gilt, ihre Entscheidung dann mit Daten, Zahlen und Fakten zu hinterlegen und nicht nur mit „so ein Gefühl sagt mir…“ in die Managementrunde zu gehen.

Ich habe Interviews mit erfolgreichen Unternehmerinnen geführt. Sie bestätigen, dass viele Frauen auf ihr inneres Bauchgefühl hören und rückblickend sagen: Damit habe ich immer richtig gelegen.

Ich halte es da mit dem Managementtrainer Tom DeMarco, der sagt: eine gute Führungskraft muss mit dem Herzen führen, dem Gefühl im Bauch vertrauen und auf die innere Stimme hören, die Organisation beseelen, und riechen, wenn etwas stinkt.

Frauen haben häufig einen besseren Zugang zu diesem Erfahrungswissen. Sie müssen jedoch manchmal noch lernen, das es gilt, ihre Entscheidung dann mit Daten, Zahlen und Fakten zu hinterlegen und nicht nur mit „so ein Gefühl sagt mir…“ in die Managementrunde zu gehen.

Weiterbildungsveranstaltungen sind gern Business Events. Haben Sie schon mal bei einem Women Power Slam mitgemacht?

Am Samstag findet mit der „women & work“ die große Karrieremesse für Frauen in Bonn statt. Melanie Vogel, die Begründerin der Erfolgsmesse, hat den PowerSlam von einer Wirtschaftsreise nach Asien mit an den Rhein gebracht. Junge Unternehmerinnen bringen ihre Geschäftsidee und ihre Fragen dazu in einer Minute auf den Punkt und ein Expertenteam aus dem „unternehmerinnen forum niederrhein“ gibt dann 5 Minuten alles, um diese Fragen zu beantworten.

Warum immer lange drum rumreden? Manchmal müssen wir uns kurz fassen, um auf den Kern einer Frage zu kommen. Der PowerSlam ist eine herrliche Idee dazu..

Was Sie schon immer über die „Frauenquote“ sagen wollten...

Unternehmen, deren Führungsriege aus gemischten Teams im Sinne von Diversity besteht, erzielen deutlich bessere Bilanzergebnisse als Unternehmen, die ausschließlich von Männern geführt werden.

Aktuelle Studien (z.B. die internationalen Studie „Mixed Leadership“ von Ernst & Young) belegen dies. Dennoch sind zu wenige Frauen in Führungsposition. Und diese Positionen werden auf Dauer auch nicht mehr, weil sich die Führungsstrukturen in den Unternehmen zunehmend flacher gestalten und die Hierarchieebenen wegbrechen. Der Trend geht zu mehr Projekt- und Expertenkarrieren. Damit wird der Kampf um die weniger werdenden Führungspositionen nicht abnehmen. Männer müssen zukünftig mehr mit bestens ausgebildeten Frauen um weniger Führungspositionen konkurrieren.

Eine breit gefächerte Quote ist ein Mittel, Veränderung schneller zu bewirken und mehr Weiblichkeit in die Wirtschaft zu bringen. Wie die Studien belegen, kann dies nur von Vorteil für die Wirtschaft sein.

Was ich derzeit ganz konkret tue, um mehr Frauen in Karriere zu bringen: Ich biete Führungsseminare speziell für Frauen an, die in Führung gehen möchten und arbeite mit Ihnen an Ihren Stärken, ihrer Karriereplanung und ihrem Kommunikationsstil. Dies ist ein Weg, den Frauen für sich gehen, aber auch erste Unternehmen und Institutionen wie Sparkassenverbände und die Deutsche Telekom gehen, um systematisch mehr Mitarbeiterinnen für Führungsverantwortung zu gewinnen.

Deutschlands größter Messe-Kongress für Frauen, die „women&work“, öffnet am 25. April, im World Conference Center in Bonn ihre Pforten. Neben den knapp 100 Arbeitgebern, die den Messe-Besucherinnen Rede und Antwort stehen, gibt es Vorträge und Veranstaltungen für karriereinteressierte Frauen. Barbara Baratie gehört zu den Referentinnen. Infos: www.womenandwork.de