Simon Vos kauft Hohe Rheinstraße 9

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Rees..  Das denkmalgeschützte Haus an der Hohen Rheinstraße ist zu einer traurigen Berühmtheit geworden. Denn es gilt als Schandfleck in der sonst so schmucken Altstadtgasse. Selbst Fernsehsender haben sich auf Grund der Intervention der Nachbarfamilie Meyer hier umgesehen. Denn das Meyersche Haus grenzt an das leerstehende Gebäude und weist inzwischen derart große Feuchtigkeitsschäden auf, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Gerhard Terweide hatte das Haus der Witwe Born vor zehn Jahren erworben und große Pläne. Doch die Auflagen des Denkmalschutzes und die Zusammenarbeit mit den Behörden stellten schließlich eine zu hohe Belastung dar. Das schilderte er Simon Vos, der in der Hohen Rheinstraße ein Haus mit Ferienwohnungen besitzt und die Pension Logierhaus Rheintor-Eins betreibt. Vos wird regelmäßig von Gästen auf das baufällige Haus angesprochen, das sich so gar nicht in die Straße einfügen mag. Besitzer Terweide wiederum war so weit, dass er einen Aushang fertigte: „Tausche Oldtimer gegen Haus“. Dazu kam es allerdings nicht. Simon Vos entschloss sich nach langer Überlegung, das Haus selbst zu erwerben, nicht ohne Pläne im Hinterkopf zu haben. „Der Kaufvertrag wurde ganz normal über einen Notar abgewickelt. Allerdings habe ich ein Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag bis Ende August.“ Denn: Was an Bausub-stanz lässt sich überhaupt sanieren? Erste Begehungen mit Experten haben bereits gezeigt, dass es sich bei den Steinen keineswegs um robuste Feldbrandsteine, sondern um weiche Steine handelt, die bei leichter Reibung bröseln. „Zudem soll der Bock im Dachgebälk sein“, hat ein Zimmermann Simon Vos schonend beigebracht. „Jetzt werde ich Gutachter beauftragen, damit ich genau weiß, was für eine Bausubstanz ich vorfinde.“ Natürlich war der zuständige Denkmalschützer Dr. Andreas Stürmer vom Eichendachstuhl begeistert, aber inwieweit er zu erhalten ist, muss geklärt werden.

Das Grundstück ist nur 63 Quadratmeter groß, es gibt keinen Garten, keine Terrasse und auch keine Möglichkeit, einen Balkon anzubauen. Welche Folgenutzung bietet sich also an? „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir die Rezeption für unser Logierhaus hierhin verlegen. Man könnte oben im Dachgeschoss zwei Logierhauszimmer einrichten und unten einen Gesellschaftsraum, etwa für Gruppenreisen, der nämlich fehlt uns“, erläutert Vos, der noch eine weitere Idee im Köcher hat: „In Dinxperlo gab es das Wohncafé Sas und ZO, ein Café inmitten eines Geschäftes, in dem Wohnaccessoires verkauft wurden. So etwas könnte ich mir auch hier vorstellen, um den historischen Stadtkern zu beleben“, schlägt Simon Vos vor

Und zeigt auf die historische Aufnahme von einem Fest der Pumpengemeinschaft, auf der noch gut das Geschäftsschild von Born in der Hohen Rheinstraße 9 zu erkennen ist. Denn ein solches war hier auch einmal ansässig. Dennoch bleibt die Ungewissheit: Rechnet sich eine Sanierung? Nicht nur die Nachbarschaft, insbesondere Familie Meyer, wünscht sich für das Haus eine ansehnliche Zukunft.