Sie wollen doch nur spielen
20.10.2009 | 18:06 Uhr 2009-10-20T18:06:00+0200Kreis Kleve. In ihrem Proberaum werden tagsüber Särge hergestellt. „Das sagt aber nichts über unsere Musikrichtung aus”, betont Flo Hermsen. Seine Band Back to California steht nicht für düstere Klänge.
Sie versucht, Songs von Deep Purple oder Led Zeppelin ins 21. Jahrhundert zu transportieren. Mit diesem Konzept treten die Kevelaerer zum Nachwuchsband-Wettbewerb „förderBand” an.
Zwölf niederrheinische Formationen gehen dabei ins Rennen. „Wir hatten wesentlich mehr Anfragen, mussten aber einigen Gruppen absagen”, sagt Rainer Heuser, der die Nachfolge-Veranstaltung vom GO'emRad mit organisiert. Im November stehen drei Vorentscheidungen auf dem Programm, im kommenden Jahr steigt das große Finale. „In der Vorrunde entscheidet alleine das Publikum über den Gewinner, in dem es nach den Auftritten Stimmzettel ausfüllen”, erklärt Daniel Goncalves vom Jugendheim St. Georg in Haldern.
Die ruhigere Fraktion spielt in Haldern
In dieser Einrichtung gibt's am 6. November gewaltig was auf die Ohren. „Wobei wir bei uns die etwas ruhigere Fraktion erleben werden”, betont Goncalves. In Haldern steigt beispielsweise die Emmericher Band Lucky Bamboo auf die Bühne. Sie ordnen sich eher dem Independent-Lager zu. Dollars'n'Dimes legen sich in ihrem Stil nicht fest. „Wir haben uns ehrlich gesagt keine Gedanken darüber gemacht, wie man unsere Musik beschreibt”, erklären die Ripkens-Brüder Levin und Simon. Die Jungs aus Kevelaer nehmen Anleihen bei Jimi Hendrix und The Offspring, doch in Haldern sind eigene Stücke gefragt.
„Keine Coverversionen, live und handgemachte Rock- oder Popmusik”, steht in den Teilnahmebedingungen. Auch die vier Bands, die am 20. November im Astra auftreten, müssen die Kriterien erfüllen. Im Gocher Jugendzentrum kommen Freunde der härteren Gangart auf ihre Kosten. Den Frisur-Typ „Schwiegermutters Liebling” sucht man in der Weberstadt wohl vergeblich. So setzen die Bocholter von halTbar auf die Punkschiene, der Haarschnitt verrät sie sofort. Doch die Jungs sind eigentlich handzahm – sie wollen nur spielen.
Bei aller Konkurrenz sollen die Nachwuchsmusiker aber auch kooperieren. „Beim Equipment können sich die Bands ja austauschen. Wer ein Drum-Set besitzt, kann es mitbringen. Wer eine Double-Bass-Pedale hat, kann sie ja auch verleihen”, sagt Goncalves. Bei diesen Ausdrücken zuckt der Laie mit den Schultern, der Fachmann schnalzt hingegen mit der Zunge.
Auch im Jugendcafe´ am Brink wird der Lautstärkeregler Richtung Anschlag gedreht. In Emmerich wird am 27. November ein Finalteilnehmer gesucht. Zu dem Bewerbern gehört die Gocher Combo Escoria, die ebenfalls auf Punk setzt. Die jungen Musiker haben schon einen Reifeprozess durchgemacht. „Als wir uns vor drei Jahren gegründet haben, hießen wir noch Abschaum. Doch dann haben wir uns weitergebildet und einen neuen Namen verpasst”, erklärt Conner Kropmanns. Escoria ist spanisch und heißt übersetzt: Abschaum.
Ob sie es mit ihrer Musik ins Finale schaffen werden, wird sich im November zeigen. In der Endrunde müssen die Teilnehmer dann vor einer fachkundigen Jury spielen. Ein Auftritt beim Weseler „Eselrock”-Festival sowie professionelle Aufnahmen im Tonstudio winken als Gewinn. „Wo das Finale stattfindet, entscheiden wir nach der Vorausscheidung”, sagt Heuser.
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