Sibirisches Allerlei
12.02.2012 | 22:20 Uhr 2012-02-12T22:20:00+0100
Weeze. Die niederrheinische Tourismus- und Freizeitmesse fand am Wochenende erstmals am Airport statt. Ausstellerzahl blieb stabil. 20000 Besucher wurden erwartet.
Minus 12 Grad. Über solche Temperaturen kann Sergej Tscherkaschenin nur müde lächeln. Der Russe mit Wohnsitz in Goch organisiert nämlich Touren in seine sibirische Heimat. Unter anderem an den Baikalsee. „Da ist es jetzt so ungefähr minus 30 Grad kalt“, schmunzelt der Geschäftsführer des Reiseveranstalters Baikaltours.
Die Organisatoren der Niederrheinischen Tourismus- und Freizeitmesse am Wochenende am Flughafen Weeze hatten dagegen mit den sibirische Temperaturen erhebliche Probleme. „Es gab zahlreiche Elektronikausfälle, jetzt ist auch noch das Wasser im Toilettenwagen eingefroren“, stöhnt Organisator Günther Zaluskowski kurz nach dem Start der zweitägigen Veranstaltung, die jahrelang in Theinberg beheimatet war und jetzt erstmals auf dem Gelände des Airports stattfand.
Offensichtlich hat der neue Ort der Messe aber nicht geschadet. Schon am Samstagvormittag waren die Parkplätze gut belegt. Fast alle Aussteller hatten den Wechsel in den Hangar mit zwei benachbarten Festzelten mitgemacht. „205 Aussteller sind wieder dabei, 15 weniger als im Vorjahr “, bilanziert Zaluskowski zufrieden.
Unter anderem auch Petra Ulbrich aus Sonsbeck: Sie bietet Segway-Touren an. Die bis zu 20 Stundenkilometer schnellen Elektro-Roller gehören am Niederrhein zwar längst zum Stadtbild, Überland-Touren bietet aber nur „Fit4Seg“ an. „Wir rollen zum Beispiel in die Sonsbecker Schweiz oder rund um Wesel mit unseren Segways“, erklärt Ulbrich. Für Kinder gibt’s eine Extratour auf Privatwegen im Tüschenwald: „Um das Gerät im Straßenverkehr bedienen zu können, benötigt der Fahrer einen Mofa-Führerschein“.
Mobiler Schönheitssalon
Damit wird der Fahrer des mobilen Spas der „Zwaluhoeve Gruppe“ kaum auskommen. Die Betreiber aus Flevoland haben einen Reisebus in einen fahrenden Schönheitssalon verwandelt und bieten „Beauty by Drive“ für rund 1500 Euro am Tag an. „Das möchten wir jetzt auch auf dem deutschen Markt versuchen“, erklärt Eventmanagerin Sylvia Ekkerman.
Überhaupt war die Beteiligung aus dem Nachbarländern bei der Messe überraschend gut. Klar, dass sich auch die Floriade beteiligte, aber unter anderem auch die Provinz Limburg, Venray, die belgischen Ostkantone und sogar das luxemburgische Bourscheid warben am Niederrhein um Gäste.
Dazu natürlich auch die bekannten grenzüberschreitenden Städte-Kooperationen wie ANKE (Arnheim-Nimwegen-Kleve-Emmerich) oder Uedem, Goch; Weeze und Bergen. „Seit dem Start der Herrensitz-Route machen wir ein gemeinsames Marketing für die Radtour, zu der unter andere, auch Schloss Blijenbeek gehört“, erklärt Khalid Rashid vom Projektträger. Im Rahmen der Neubeschilderung sind die 16 Rundkurse auch mit dem Knotenpunktsystem ausgeschildert. Das wird seit vielen Jahren in den benachbarten Niederlanden erfolgreich genutzt.
Boom der Stellplätze
Solche Hinweise haben die „Kreuzfahrt-Kapitäne der Landstraßen“, die Reisemobilisten, nicht nötig. Wer ein eigenes Apartment über die Straßen schuckelt, der hat in der Regel auch noch ein paar Euros für ein Navi über. Damit sind die verschiedenen Stellplätze am Niederrhein gut erreichbar. „Die boomen derzeit“, sagt Theo Dammertz, der selbst drei Plätze am Niederrhein betreibt und sein Konzept in Weeze vorstellte. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl verdoppelt. Allerdings gibt es am Niederrhein immer noch einige Städte und Gemeinden, die kein Angebot vorhalten“, sagt Dammertz. „Ein Fehler, denn der durchschnittliche Wohnmobiltourist gibt pro Tag und pro Person rund 49 Euro am Reiseziel aus.“
Unter anderem für Gastronomie und Lebensmittel: Neben den zahlreichen touristischen Anbietern gab es natürlich auch jede Menge kulinarischer Spezialitäten aus aller Welt zu probieren: Von österreichischem Bergkäse über italienischen Schinken bis zu türkischen Süßigkeiten. Denn schließlich führt die Messe nicht nur Freizeit und Tourismus, sondern neuerdings auch das Wörtchen „Genuss“ im Titel.
0mitdiskutieren