Selbst ist der Kunde
11.09.2008 | 19:37 Uhr 2008-09-11T19:37:58+0200TECHNIK. Einkaufen bei Vogelgezwitscher und Meeresrauschen, dann per Fingerabdruck bezahlen - das geht im Future Store.
TÖNISVORST. Sanftes Wellenrauschen plätschert in den Ohren, irgendwo in der Ferne ist leises Möwengekrächze zu hören. Es riecht nach Kräutern und Zitrone. "Limone", verbessert der freundliche Mitarbeiter vor der Fischabteilung des SB-Marktes. Aber der so raffiniert entfachte Appetit auf frisches Tunfisch-Steak hatte sich zuhause noch nicht abzeichnen können. Stattdessen meldet der Mobile Einkaufsassistent (MEA) auf dem Handy-Display, im heimischen Vorratsschrank fehle dringend Tunfisch aus der Dose. Tippt man jetzt den Frischfisch ein oder löscht man die Konserve aus dem elektronischen Gedächtnis? Dr. Gerd Wolfram von der Metro Gruppe wäre von Berufs wegen zweifelsohne für die "Sowohl-Als-Auch-Lösung". Im Juni eröffnete die Metro Group in Tönisvorst den "real,- Future Store" in Tönisvorst. Was vor sechs Jahren als neuartiges Experiment mit dem "Extra Future Store" in Rheinberg begann, wird nun in Tönisvorst weitergeschrieben. Mit der Bilanz nach den ersten hundert Tagen zeigten sich Wolfram, Geschäftsführer der MGI Metro Group Information Technology, und Roland Neuwald, Vertriebsgeschäftsführer der real,-SB-Warenhaus GmbH, jetzt höchst zufrieden.
Umsatzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich, hohe Kundenzufriedenheit - viele der erst in Rheinberg und nun in Tönisvorst getesteten Neuerungen hätten sich bewährt und werden bereits in anderen Märkten eingesetzt, so die Veranwortlichen. "Es geht um Innovation für SB-Märkte", so Wolfram.
Die Waage denkt mit
Anders als in Rheinberg wolle man hier aber die Technologie verstärkt an konkrete Verkaufskonzepte knüpfen. Innovation nicht allein als Selbstzweck, sondern unter marktwirtschaftlichen Aspekten betrachten. Die intelligente Waage, die Obst und Gemüse per Kamera erkennt, die Selbstbedienungskassen, an der die Kunden die Ware selbst einscannen, verpacken und sogar per Fingerabdruck bezahlen können, hätten sich bereits bewährt. Die neueste Entwicklung, die in Tönisvorst intensiv getestet wird, ist der so genannte Mobile Einkaufsassistent - ein Handy mit spezieller Software, das den Kunden vom heimischen Kühlschrank bis zur Bezahlung an der Selbstbedienungskasse begleiten soll. Seit Juni testen hundert Kunden den Einkauf mit dem Handy, die meisten von ihnen sind männlich, zwischen 30 und 40 Jahren, und technikbegeistert.
Vom Meeresrauschen an der Fischtheke über das punktuelle Vogelgezwitscher aus Soundduschen in der Fahrradabteilung bis hin zum Hautberatungsterminal in der Kosmetikabteilung soll der Einkauf für den Kunden immer "erlebnisreicher" werden, so Gerd Wolfram. Selbst ist der Kunde - Personal werde trotz zunehmender Eigenleistung der Einkäufer nicht abgebaut, sondern anders eingesetzt.
Roger, der rollende und sprechende Roboter, auch Innovationslotse genannt, weigert sich derweil standhaft, der Besuchergruppe den Weg zum gläsernen Metzger zu weisen. Noch reagiert er bockig, wenn jemand ihm den Einkaufswagen in die Hacksen schiebt. Aber auch daran wird gearbeitet ...
11:47
...scöne neue Welt- au weia. Was lassen die sich noch alles einfallen um uns das Geld für Blödsinn aus der Tasche zu ziehen?