Schwein gehabt
08.12.2009 | 19:34 Uhr 2009-12-08T19:34:00+0100Kleve. Ein Spaß ist das hier nicht: Es regnet und regnet und regnet. Die verfluchten Brombeersträucher mit ihren widerspenstigen Dornen ziehen sich wie Stacheldraht durch den dichten Wald und wollen einfach kein Ende nehmen. Es piekst und hakt an Oberschenkel und Unterarm, man kommt kaum voran.
Die unzähligen Farne haben schon längst unsere Hosen und Jacken durchfeuchtet - und es prasselt weiter ohne Unterlass. Ganz langsam schreiten wir zu fünft durch den Klever Reichswald - von der Grunewaldstraße Richtung Geldenberg, um Wildschweine aufzuscheuchen. Für eine Jagd könnte man sich schönere Umstände denken. Aber was ein richtiger Jäger ist, der lässt sich nicht vom Wetter abhalten.
Jacques und Donka haben auf jeden Fall Lust. Die beiden Jagdhunde von Andreas Eckermann sollen uns helfen, die Schwarzkittel aus ihren Schlupflöchern zu locken. Die Wildschweine konnten sich am Niederrhein in diesem Jahr besonders gut ernähren. Fast alle Buchen und Eichen haben viele Früchte abgeworfen, es war ein so genanntes Mastjahr. Die Jäger erwarten heute eine gute Jagd. Und Förster Hanns-Karl Ganser würde es freuen: „In guten Jahren können die Bachen vier bis acht Frischlinge zur Welt bringen.”
In einem Abstand von knapp 50 Metern postieren wir uns an der Grunewaldstraße und schreiten langsam in den Wald. Andreas Eckermann und Jagdkollege Michael Hermsen wissen, was zu tun ist: Die beiden erfahrenen Jäger führen die Treiberkolonne durch den Wald, ausgerüstet mit orangefarbener Warnweste und einem Gewehr - bei Gelegenheit oder Gefahr dürfen auch sie schießen.
Es ist gleich halb elf und in der Ferne hört man die ersten Schüsse. Michael Hermsen ruft jetzt in regelmäßigen Abständen laut „Hopp, Hopp”, um mögliche Tiere aufzuscheuchen und sich selbst zu schützen: Denn irgendwo im Wald, da sind die Jäger. Sie sitzen auf einem kleinen Hochsitz und warten darauf, dass wir ihnen das Wild vor den Gewehrlauf treiben. Gut drei Stunden müssen sie auf ihrem Sitz ausharren, die Augen aufhalten und sich für den richtigen Moment entscheiden: Denn für den Abschuss der Tiere gibt es klare Regeln, die Hanns-Karl Ganser vor Beginn der Jagd erläutert hat: keine Bachen, keine Hirsche, keine Spießer und keine 8er. Erlaubt sind Frischlinge, Überläufer, Gabler 6er und Keiler.
Was sich für den Laien kompliziert anhört, ist auch für den richtigen Jäger nicht immer zielgenau auseinander zu halten. Michael Hermsen, der seit 18 Jahren zur Jagd geht, kann zwar sehr gut das Alter der Tiere einschätzen, aber im Zweifelsfall ist ein Wildschwein vielleicht doch ein Jahr älter als ursprünglich gedacht.
Viel tut sich noch nicht auf unserem Abschnitt. Seit einer Stunde sind wir im Reichswald unterwegs. Zwei Spießer haben wir gesehen, die in der Ferne davon gelaufen sind. Mit unseren „Hopp, Hopp”-Rufen machen wir weiter auf uns aufmerksam, aber von Wildschweinen ist nichts zu sehen. Offensichtlich ist es denen auch zu nass und ungemütlich – und sie bleiben im Dickicht. „Recht haben sie”, sagt einer der Jäger ironisch.
Michael Hermsen kennt das Spielchen mit den Schweinen. Der 55-Jährige hat eine eigene Jagd und viel Erfahrung: „Bei so einem Wetter bringt das wenig. Die Tiere verstecken sich. Da muss man schon drauftreten, bis sie sich bewegen.”
Wir stecken mitten im Brombeerwald. Überall greifen die langen Zweige um sich. Wenn man Glück hat, entdeckt man einen Wildschweinpfad, einen so genannten Wechsel, auf dem man gut vorankommt. Nach gut einer Stunde scheinen wir doch noch Erfolg zu haben:
Jacques hat etwas gerochen, ganz klar. Der Jagdhund kläfft und rennt um einen Strauch herum. Da muss etwas sein. Der 4-jährige Hund der Rasse Laika hat ein gutes Näschen, das weiß auch Herrchen Andreas Eckermann. Mit gelade-ner Flinte nähert er sich dem Strauch und guckt, die anderen bleiben mit einem Sicherheitsabstand dahinter. Plötzlich rennen zwei Frischlinge heraus und ein Überläufer, ein einjähriges Wildschwein, macht sich davon. Andreas Eckermann setzt sein Gewehr an, schießt einmal, schießt zweimal. Aber getroffen hat er das Tier offenbar nicht.
Der Regen will einfach nicht aufhören. Der Jäger auf dem Hochsitz hat seinen Regenschirm aufgespannt, den schnell zusammenklappt, nachdem er gesehen hat, dass die Treibergruppe kommt: Regenschirme sind für Jäger verpönt... Der Schütze ist bislang zufrieden. Ein Rehwild hat er geschossen. Der Vormittag hat sich für ihn gelohnt.
Es ist kurz nach eins. Andreas Eckermann und Michael Hermsen stellen die Jagd ein - wie verabredet. In nasser Hose und durchtränktem Mantel geht es zum Schießstand. Hier treffen sich die 70 Jäger und 40 Treiber zum Abschluss. Für ihre Strecke haben sie 25 Tiere erlegt: 5 Rotwild, 8 Rehwild, 11 Wildschweine und ein Fuchs. Nicht viel, aber immerhin. Die Jäger sind zufrieden und freuen sich auf das leckere Essen: Grünkohl, mit Mettwürstchen und Kassler - vom Hausschwein.
21:16
Ziemlich dummes Zeugs was uns da als Jagdlegitimation aufgetischt wird! Neuste Erkenntnisse belegen das die aufgeführten Gründe absoluter Quatsch sind und von einer jagdgeilen Elite dem, aus ihrer Sicht verblödetem Volk verkauft werden soll. Auch bei diesem Thema werden die Wähler immer aufgeklärter und werden den Volksverblödern die Rote Karte zeigen!
13:43
Oh man! 110 Menschen mit ihren Hunden trampeln bewaffnet durch den Wald rufen Hopp Hopp und ballern auf Frischlinge, die sie nicht treffen und das soll Tier- und Naturschutz sein? Gibt man beim Erhalt des Jagdscheins seine Fähigkeit des logischen Denkens automatisch ab?
10:56
Der entscheidene Satz in dem Bericht ist:
bei Gelegenheit oder Gefahr dürfen auch sie schießen.
Richtig! Sie dürfen schießen, weil sie Spaß daran haben und es ihr Hobby ist auf chancenlose Opfer wie die Rehe z.B. zu schießen. Niemand muss das machen. Es ist ein reiner Zeitvertreib, der unter dem Deckmanten der Hege und Pflege als angeblicher Naturschutz betrieben wird.
Das bei der Jagd hochgiftige Bleimunition eingesetzt wird, steht nicht in dem Bericht. Das viele Hobbyjäger nicht richtig treffen und die Tiere oft schwerst verletzt irgendwo elendig verrecken auch nicht. Das die Jäger aus dem Bericht aktiv Jagd auf Haustiere wie Katzen machen steht dort auch nicht.
Die Hobbyjagd ist nicht mehr zeitgemäß und sollte dringend abgeschafft werden!
07:40
Die Jagd verfolgt heutzutage primär verschiedene Ziele, z.B. Fütterung und Medikamentenzugabe mit dem Ziel, große Trophäen und viel Wildfleisch zu erhalten.
Im Jagdjahr 2002/03 wurden in Deutschland
z.B. 57.593 Rothirsche, 48.951 Damrehe, 531.887 Wildschweine, 1.060.272 Rehe, 466.350 Feldhasen, 318.821 Fasane und 642.892 Füchse erschossen.