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Schuhausstellung öffnet in Kleve

15.03.2010 | 20:10 Uhr
Schuhausstellung öffnet in Kleve

Kleve.„Ohne Schüsterkes kann Kleef niet leewe“ - dieses Motto der Klever Schuhmacher war und ist immer noch Ausdruck der Verbundenheit zur Vergangenheit. Denn die Schuhindustrie ist Teil der Stadtgeschichte, wie das Schuh Museum zeigt, das am 21. März eröffnet wird.

Frauen, die glauben, dass es für ihre Füße nichts Schlimmeres gibt, als in hochhackigen Stilettos durch die Nacht zu tanzen, werden beim Anblick dieses Exemplares von Plateauschuh nichts mehr sagen: außer - Autsch. Denn die Zentimeter dicken Holzsohlen des Kunstwerks in schmucker rosa Samtoptik von anno dazumal dürfte nichts für zarte Damenfüße sein. Und so ist es gut, dass das Objekt der Begierde nicht in einem Schuhladen, sondern im Klever Schuh Museum steht, das am Wochenende eröffnet wird. So kommt Frau gar nicht erst in Versuchung, das Unikat erwerben zu wollen und tapst - wenn auch schweren Herzens - weiter in ihren Wohlfühltretern durch die Räume der ehemaligen Produktionsstätte der Elefanten-Schuhe.

Füße der Schahtochter
vermessen

Hier an der Siegertstraße, wo bis 2004 in den Gustav-Hoffmann-Werken in Hoch-Zeiten bis zu 20 000 Kinderschuhe täglich produziert wurden, präsentiert der Verein Kleefse Schüsterkes die Historie des Schuhhandwerks und damit ein Stück Klever Industriegeschichte. Bis zu 50 Schuhfabriken und unzählige Schuhmacher gab es Ende des 19. Jahrhunderts in der Schwanenstadt, bis die größeren Betriebe wie Hoffmann, Pannier und Bause ihre Arbeit aufnahmen. Die kleineren Betriebe wurden fortan zu Zulieferern, erzählt der Vereinsvorsitzende Theo Knips.

Zwei Jahre haben er und die 50 Vereinsmitglieder in Archiven die Firmengeschichten ab 1876 erforscht. Sie trugen Fabrikbilder und Schriften zusammen, sammelten alte Schuhe, „die teilweise 50 Jahre und mehr irgendwo gelegen haben“, und schwatzten Handwerksbetrieben alte Näh- Zwick- und Steppmaschinen ab. „Wir haben viel Unterstützung aus der Klever Bevölkerung bekommen“, sagt Knips. Aber auch von außerhalb der Region. Eine Maschine kommt beispielsweise aus dem Odenwald.

Es ist ein kleines, liebevoll eingerichtetes Museum mit vielen roten Elefanten, einem Kinderkarussell, Vermessungsplatten und kleinen, süßen Lackschühchen, wie sie Kinder in den 50er Jahren trugen. Die Kinderschuhproduktion machte einen wesentlichen Bestandteil der Klever Schuhproduktion aus, wie einst eine Briefmarke der Post mit dem Spruch „Kleve - Stadt der guten Kinderschuh“ ausdrückte. In den 70ern reisten Mitarbeiter der Hoffmann Werke sogar nach Persien, um die Füße der Tochter des Schahs zu vermessen. Trotz all dieser Erfolgsgeschichte, zeigt das Museum aber auch die Entwicklung von Schuhen für Erwachsene.

Fußskelette und
präparierte Blutbahnen

Und die unterscheidet sich gar nicht so sehr von den Kinderschuhen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es den Unikat-Schuh für Groß und Klein, der rechts und links passte, weiß Theo Knips: „Das hatte den Vorteil, wenn der rechte Schuh stärker abgelaufen war, konnte man ihn mit dem linken wechseln.“  Gesund war das nicht. Wie Füße durch falsches Schuhwerk verformt werden, ist anschaulich in der Orthopädie-Ecke zu sehen: Deformierte Fußskelette und präparierte Blutbahnen mag sich allerdings nicht jeder anschauen. Gehören aber sicher zur Schuhgeschichte dazu, wie die kleinen chinesischen Frauenschuhe, die japanische Stelzsandale, der bolivische Latschen aus Gummireifen oder der schwarze Damenknopfstiefel aus Ostpreußen anno 1875, der auch heute noch im Schuhladen stehen könnte. Aber nur kurz. Solche Schuhe muss Frau einfach tragen. „Autsch“ hin oder her.

Rosali Kurtzbach

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