Schüpplein, Schüpplein in der Hand, wo ist denn wohl der schönste Garten im Land?

Die blauen Schafe von Rainer Bonk.
Die blauen Schafe von Rainer Bonk.
Foto: Straße der Gartenkunst
Was wir bereits wissen
Wir lustwandeln mit Ute Schulze-Heiming mal ein wenig auf der Straße der Gartenkunst - virtuell erstmal. Und fragen uns: Warum ist es in den Parks und Grünanlagen an Rhein und Maas so schön?

Am Niederrhein..  Als erstes hat Gott der Allmächtige einen Garten angelegt - damit wird der englische Philosph Sir Francis Bacon (1561-1626) gern zitiert. Nun, am Niederrhein hat der liebe Gott dann doch recht fruchtbar gewirkt – da gibt es zum Beispiel diese Straße der Gartenkunst. Ute Schulze-Heiming, u.a. Geschäftsführerin vom Kleve Marketing, kümmert sich drum.

Tach Frau Schulze-Heiming. Sie habe ja gar keine Erde unter den Fingernägeln…

Ach, wenn ich Termine mit Journalistinnen habe, bereite ich mich doch vor! Sonst könnte das schon passieren – ich bin nicht so der Handschuhtyp.

Ist ja auch Winter. Und viel zu kalt für Schüppchen und Co….

Schüppchen sind vielleicht nicht so angesagt, aber mal mit der Schere durch den Garten streifen und vom Frühling träumen geht schon. Hier in den großen städtischen Anlagen ist das natürlich etwas anderes, da wandelt der Gartenmeister ja nicht Lust!

Sind Sie denn persönlich eher der Buchsbaumfreak, der Kiesharkertyp oder der „alles nach seiner Fasson“-Freund?

Ich bin eher der „lass mal laufen“ und „ach guck, was wächst denn da jetzt“ Typ. Im Herbst stand einer meiner Gartenkollegen vor meinem Apfelbaum und meinte streng: „Der braucht einen Erziehungsschnitt!“

Außer Gucken kann man im Winter ja eh nicht viel machen.

Aber auch Gucken ist doch schön! Ein vereister Garten im Sonnenschein hebt das Gemüt auf das vortrefflichste. Und wenn Schnee liegt haben die Hügel hier rund um die Minerva noch einen praktischen Nutzen, als Rodelbahn. Für einen erquicklichen Spaziergang an frischer Luft sind Gärten und Parks immer der beste Ort.

Wenn ich jetzt märchenhaft fragen würde: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der schönste Garten im ganzen Land – was täten Sie da wohl antworten?

Ihr – die wunderbaren, von Prinz Johann schon vor Jahrhunderten angelegten, Gärten seid die Schönsten – hier! Aber hinter den sieben Hügeln der Klever Endmoräne, da reiht sich Schönheit an Schönheit eine ganze Straße lang.

Das klingt ja zauberhaft.

Alles die reine Wahrheit. Zudem liegt ja Schönheit auch immer im Auge des Betrachters!

Sie haben einen offiziellen Auftrag. Sie sind Vorsitzende des Beirates der Straße der Gartenkunst.

Klingt kompliziert ist aber nur ein seit über zehn Jahren währendes Engagement in Sachen Gartenkunst in den Niederrheinlanden. Vertreter von öffentlichen und privaten Gärten, die in einem Verein zusammenarbeiten.

Was ist da Ihr Job?

Ich leite den Beirat, der dem Vorstand zuarbeitet – zum Beispiel bei der Frage der Aufnahme neuer Gärten. In der Funktion bin ich dann Mitglied des Vorstandes, dessen Mitglieder allesamt beruflich mit dem Thema Garten zu tun haben. Unser Vorsitzender Michael Frinke ist bei der Bayertochter Currenta zuständig für den Japanischen Garten,oder den Carl-Duisberg-Park in Leverkusen.

Welche Idee verbirgt sich hinter dieser Garten-Straße?

Genauer „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas e.V“. Diese ist hervorgegangen aus der Euroga 2002plus. In der Gründungspräambel heißt es „Ein Netzwerk zur Wiederentdeckung des gartenkulturellen Erbes im Rheinland und in Limburg.“ Mittlerweile sind wir im Gelderland angekommen, denn auch in Nijmegen zählt zu unseren Mitgliedern.

Die Garden-Route in Südafrika ist ein absolutes touristisches Muss. Da kann man Ausflüge machen in die Tsitsikamma-Berge, Bungee Jumpen, Wein verkosten…

Auch auf der Straße der Gartenkunst liegen die touristischen „must“ der Region. Häufig wurden ja Gärten in Verbindung mit Schlössern oder Herrschaftlichen Gebäuden angelegt. Weinverkostungen, kulinarische Events, Lichtspektakel wie die Illumina oder Kunstausstellungen wie die Art of Eden in Krefeld, ganz zu schweigen von Gartenfesten oder Weihnachtsmärkten – in unseren Gärten ist das ganze Jahr über was los. Im Internet haben wir Tourentipps zusammengestellt, um es den Besuchern leichter zu machen, ihre Ausflüge zu planen.

Wer macht denn da alles mit?

Wir haben derzeit 36 Mitglieder mit 57 Anlagen. Dazu gehören viele Schlossparks wie Augustusburg, Benrath, Paffendorf oder unser Vereinssitz Schloß Dyck. Natürlich die Klever Gärten als europäisches Gartendenkmal, aber auch moderne Anlagen wie der Brückenkopfpark in Jülich oder der CarlAlexanderpark in Baesweiler. Auch kleinere Private Gärten sind bei uns Mitglied. Grundsätzlich wollen wir das Thema Garten und Gartenhistorie lebendig halten und dafür Werbung machen. Dabei haben uns in den vergangenen Jahren die verschiedensten Landesministerien unterstützt. Leider derzeit nicht mehr, was unsere finanzielle Situation etwas angespannt werden lässt.

Gibt es so eine Art Eintrittskarte, mit der man in alle dem Verbund angeschlossenen Gärten hineinkommt?

Nein. Wir haben eine so große Bandbreite an Anlagen, die freizugänglich oder aber in Verbindung mit einem Museum betreten werden können, dass eine einheitliche Preisgestaltung schwierig ist. Aber es gibt einen Führer über alle Anlagen – mittlerweile die dritte Auflage. Er erscheint im Mercator Verlag und ist ein wunderbarer Begleiter auf der Straße der Gartenkunst.

Gemeinsame Aktionen?

Die gibt es selbstverständlich. Wir bemühen uns immer wieder neue Dinge auszudenken. Vor Jahren haben wir mit dem Blauschäfer eine tolle Aktion in den Gärten gestartet. Er trieb seine Herde blauer Schafe von Park zu Park. Die Besucher waren so angetan von der besonderen Herde, dass nun in so manchen Privatgärten blaue Schafe stehen. Jaques Tilly, der bekannte Düsseldorfer Karnevalswagenbauer, hat uns wunderbare Riesenblumen gemacht, die in jedem Sommer durch die Gärten ziehen. Wir haben in den Jahren viele Werbemaßnahmen ergriffen. Ein Flyer aller Gärten liegt ebenso vor, wie Tourentips in deutscher englischer Sprache. Postkarten, Give aways, das volle Programm! Unser Gartenführer war dann die erste große Publikation. In Kooperation mit dem Mercatorverlag ist zusammen mit der Uni Düsseldorf ein wunderbares Buch für Gartenliebhaber entstanden. „Gartenkünstler, Gartenbilder“ über die Gartenarchitekten des Rheinlandes – sehr empfehlenswert.

Messeauftritte?

Wir sind bei der Niederrheinischen Touristik und Freizeitmesse in Kalkar vertreten und auch in den Niederlanden haben wir Werbung für die Gärten gemacht. Als Verein müssen wir mit unseren Mitteln haushalten und sind natürlich auch darauf angewiesen, das die Marketingfachleute und die Touristiker aus unsern Mitgliedsstätte das Thema in ihrer Vermarktung einbauen.

Kamp-Lintfort hätte gern den Zuschlag für die Landesgartenschau 2020. Kleve wird sich nicht bewerben.

Ja, ich habe es gelesen. So eine Landesgartenschau macht man ja nicht mal eben so. Das will wirklich gut durchdacht werden. Ideen hätten wir sicher zur Genüge, vielleicht auch um euregional zu denken. Man wird sehen.

Wenn Sie lustwandeln wollten – Ihr Geheim-Tipp:

Ach, das kommt auf die Stimmung an. Mal will ich Ruhe und Einkehr, dann bieten sich die Friedhöfe an – nein, wirklich! Zum Beispiel der in Krefeld oder der Alte Friedhof in Bonn. Ich stöbere natürlich auch unglaublich gerne in Dekozeugs. Da kann ich Gartenfeste auf Schloß Dyck nur empfehlen.

Und wenns künstlerisch sein soll. Ihre Leser kennen das Museum Kurhaus Kleve und Schloß Moyland sicher, aber eines unserer jüngeren Mitglieder ist der Skulpturenpark Waldfrieden von Toni Cragg. In Wuppertal. Eine tolle Anlage immer mit aktuellen Ausstellungen und mit der Villa Waldfrieden von 1948. Ein Bau nach anthroposophischen Vorgaben – einfach umwerfend!