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Schöne Formen

24.07.2008 | 18:50 Uhr

JUBILÄUM. Das Dinslakener Fantastival wird zehn Jahre alt. Ein Festival zur Spielstätte.

Die große Musicalshow gehört inzwischen fest zum Fantastival-Programm. (Foto: Kunkel)

DINSLAKEN. Mit historischen Mauern ist Dinslaken nicht unbedingt reich gesegnet. Nur wenige Bauten haben Kriegszerstörungen und die so genannte Altstadtsanierung Anfang der achtziger Jahre überlebt. Das Rittertor, Teile der alten Stadtmauer, der Voswinckelshof, heute ein stadthistorisches Museum, die beiden Kirchen und die kümmerlichen Reste der alten Burg, die 1163 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde und heute Teil des Rathauses ist. Die Relikte aus dem Mittelalter sind allerdings auch Kulisse eines weiteren Postkartenmotivs der Stadt: des Burgtheaters. Dort findet seit zehn Jahren das Fantastival statt. Ein Festival mit Kabarett, Comedy und Klassik in einem der schönsten Spielräume am Niederrhein.

1934 wurde die idyllische Anlage nach jahrelanger Planung von Stadtbaurat Heinrich Nottebaum in Angriff genommen. Unter tatkräftiger Mitwirkung des damaligen Reichsarbeitsdienst übrigens. Sonst wäre es auch in der Nazi-Diktatur nicht möglich gewesen, innerhalb weniger Monate eine solche Anlage auszuheben. Schon am 18. August 1934 wurde sie mit Webers Oper "Preciosa" eröffnet.

"Wilhelm Tell" mit 200 Statisten

Zehntausende besuchten die ersten Aufführungen im Burgtheater, das direkt nach dem Krieg von Schülern des benachbarten Theodor-Heuss-Gymnasiums wieder aufgebaut wurde. Schnell gab es hier wieder großes Theater. 1948 ließ der Heimatverein 200 Statisten und echte Pferde zur Aufführung von Schillers "Wilhelm Tell" im Halbrund vor dem Burgturm aufmarschieren. An die großen Tage des Burgtheaters und die Karl-May-Aufführungen vor weit über 1000 Menschen erinnert sich heute noch "Matula"-Darsteller Claus Theo Gärtner, einst im Ensemble des Landestheaters Burghofbühne, gern.

Doch mit den Jahren dümpelte die Spielstätte mangels attraktivem Programm vor sich hin. Mancher wollte die Kultur-Arena schon zuschütten, bis sich 1995 ein Kreis interessierter Bürger mit dem Ziel zusammenfand, die romantische Kulisse neu zu beleben. Aus dieser Initiative entstand die Freilicht AG, eine der ersten Kulturaktiengesellschaften Deutschlands mit 436 Kleinaktionären, die ein Stammkapital von 150 000 Deutsche Mark aufbrachten und damit den Grundstein für das Festival "Fantastival" legten.

Durch das Engagement der Aktionäre konnten bisher 123 Veranstaltungen mit rund 90 000 Besuchern durchgeführt werden. Im Laufe der Zeit ist es gelungen, bekannte Künstler aus den Bereichen Kabarett, Comedy, Klassik, Jazz, Musical sowie Rock und Pop nach Dinslaken zu holen. Jürgen Becker war da, Volker Pispers und Herbert Knebel, oft Götz Alsmann, die Leningrad Cowboys oder Fury In the Slaughterhouse.

Im Gegensatz zu anderen Festivals fehlt es den Dinslakenern an einem Thema, einem individuellen Format. Vom ursprünglichen Gründungsgedanken, der Burghofbühne einen Raum für große Aufführungen zu bieten, hat man sich weitgehend verabschiedet. "Das haben wir in den ersten Jahren probiert, aber dabei die Hälfte des Start-Kapitals verloren", erinnert sich Matthias Höyng, Aufsichtsratsvorsitzender der Fantastival AG. Zwar ist das ortsansässige Landestheater weiter dabei, doch die Säulen des Programms sind mittlerweile andere. Der klassische Konzertabend, die Musicalshow haben sich ebenso etabliert wie Gastspiele aus der ersten Comedy-Liga. Im vergangenen Jahr gab's sogar eine Schlagernacht mit Michael Wendler. Das Fantastival ist ein Kaleidoskop geworden. Das Wort stammt aus dem Griechischen bedeutet "schöne Formen sehen".

Trotz inhaltlicher und finanzieller Probleme - einen Erfolg will sich Matthias Höyng, der seit Beginn an in der Freilicht AG dabei ist, nicht nehmen lassen: "Wir haben mit unserer Initiative erreicht, dass das Burgtheater als solches nicht mehr in Frage gestellt wird." Und das ist doch schon was.

MARKUS PETERS

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