Schlechte Noten für Bahnhöfe am Niederrhein
16.11.2008 | 08:25 Uhr 2008-11-16T08:25:00+0100
Niederrhein. Bahnhöfe sind die Visitenkarten einer Stadt. Wenn das wirklich so sein sollte, dann müsste es um die Region aber schlecht bestellt sein. Die NRZ hat zehn Bahnhöfe am Niederrhein unter verschiedenen Aspekten untersucht. Fazit: Nur der neugestaltete Bahnhof in Kevelaer kann glänzen.
Die Kriterien: Parkmöglichkeiten für Auto und Fahrrad, Ticket-Erwerb, Sauberkeit, Service, Verkehrsanbindung, Toiletten, Shops, Gastronomie und Barrierefreiheit.
Die Situation der Bahnhöfe am Niederrhein beschäftigt auch den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR)
Am 14. Januar 2009 lädt der VRR alle beteiligten Kommunen und die Bahntochter "DB Station & Service" zur Bahnhofsmodernisierungsoffensive II" ein.
Es gab jeweils zehn Punkte zu gewinnen, die wir nach Groß-, Mittel- oder Kleinstadtbahnhof gewichtet haben. Insgesamt 100 Punkte konnten erreicht werden. Bei 49 haben wir den Strich zwischen ausreichend und mangelhaft gezogen. Doch sechs der zehn untersuchten Zughaltestellen am Niederrhein erreichten das Klassenziel nicht.
Fazit: Nur der neugestaltete Bahnhof in Kevelaer kann glänzen. Ansonsten herrscht überall mehr oder weniger dringender Sanierungsbedarf. Insbesondere in Duisburg, dem einzigen Fernbahnhof der Region. Umgebaut wird derzeit nur der Weseler Bahnhof. Die zuständige Bahn-Tochter „DB Station und Service” wollte sich zu diesem Test nicht äußern, bezieht aber Anfang Dezember Stellung zur Situation am Niederrhein.
1. Kevelaer (76 Punkte)
Parken Auto: 8
Parken Fahrrad: 10
Fahrkarten: 5
Toilette: 10
Gastronomie: 8
Shops/Kiosk: 5
Sauberkeit: 10
Service (Schalter, Schilder): 5
Verkehrsanbindung: 7
Barrierefreiheit: 8
So kann ein moderner Bahnhof in einer Kleinstadt aussehen: Auch ohne Aufzug. Mit Fahrradabstellräumen samt Werkstatt, einem barrierefreien Gleisübergang statt einer dunklen Tunnellösung, ausreichend Park & Ride-Plätzen und einem ultramodernen WC samt Behindertentoilette. Wäre die neue Wartehalle mit Kiosk, Bistro und Fahrkartenschalter schon eröffnet, hätte der Kevelaerer Bahnhof noch besser abgeschnitten. Prädikat: vorbildlich!
2. Duisburg (74 Punkte)
Parken Auto: 7
Parken Fahrrad: 8
Fahrkarten: 7
Toilette: 5
Gastronomie: 7
Shops/Kiosk: 8
Sauberkeit: 7
Service (Schalter, Schilder): 7
Verkehrsanbindung: 10
Barrierefreiheit: 8
In Sachen Verkehrsanbindung ist der Duisburger Hauptbahnhof unschlagbar: Die Autobahn führt direkt vorbei. Allerdings kommt der Klinkerbau langsam in die Jahre. Die Dächer der Bahnsteige sind undicht, am – optisch arg heruntergekommenen – Osteingang fehlt nicht nur eine Anzeigetafel. Für die langen Distanzen aus der Innenstadt zu den Gleisen wäre ein Laufband (wie Hannover-Messe) hilfreich. Prädikat: noch ausreichend.
3. Dinslaken (52 Punkte)
Parken Auto: 5
Parken Fahrrad: 5
Fahrkarten: 7
Toilette: 1
Gastronomie: 7
Shops/Kiosk: 8
Sauberkeit: 3
Service (Schalter, Schilder): 8
Verkehrsanbindung: 8
Barrierefreiheit: 0
Eine Zierde ist der Dinslakener Bahnhof nicht: kaputte Glastür, hässliche Keramikfliesen. Der Zugang zu den Gleisen ist nicht behindertengerecht. Die Toiletten sind ekelerregend, aber vorhanden. Es fehlen Park- und Ride-Plätze. Punkten kann der Bahnhof mit Service: Kiosk, Bistro, Schalter und Gastronomie. Angesichts der vielen Zweiräder sollte die Stadt über eine Radstation nachdenken. Der Bedarf ist da. Note: noch ausreichend.
4. Xanten (50 Punkte)
Parken Auto: 8
Parken Fahrrad: 6
Fahrkarten:5
Toilette:0
Gastronomie: 5
Shops/Kiosk: 4
Sauberkeit: 5
Service (Schalter, Schilder): 7
Verkehrsanbindung: 5
Barrierefreiheit: 5
Satte 600 Meter muss der Tourist vom Bahnhof in die Xantener Innenstadt zurücklegen. Das ist entschieden zu weit für einen Fußmarsch mit Gepäck. Der Kiosk ist in erster Linie auf Auspendler eingerichtet, schließt wochentags schon um 15 Uhr. Eine Toilette fehlt ganz. Dafür sind die Gleise barrierefrei zu erreichen. Außerdem gibt's noch einen Schalter. Bei kleineren Stationen ist das mittlerweile eine Seltenheit. Bewertung: noch ausreichend
5. Voerde (49 Punkte)
Parken Auto: 9
Parken Fahrrad: 5
Fahrkarten: 5
Toilette: 0
Gastronomie: 5
Shops/Kiosk: 5
Sauberkeit: 5
Service (Schalter, Schilder): 5
Verkehrsanbindung: 5
Barrierefreiheit: 5
Die gute Nachricht: Parkplätze gibt's am Voerder Bahnhof satt und genug. Beide Gleise sind barrierefrei zu erreichen. Ein kleines Reisebüro am Gleis verkauft Fahrkarten, Getränke und Snacks. Ab mittags hat das China-Restaurant im Bahnhofsgebäude geöffnet. Der Anbau strahlt Barackencharme aus, es gibt keine öffentliche Toilette und die nächste Bushaltestelle ist mehr als 250 Meter weit entfernt: krasser Fall von Fehlplanung. Mangelhaft!
6. Wesel (44 Punkte)
Parken Auto: 7
Parken Fahrrad: 5
Fahrkarten: 5
Toilette: 0
Gastronomie: 7
Shops/Kiosk: 5
Sauberkeit: 3
Service (Schalter, Schilder): 5
Verkehrsanbindung: 7
Barrierefreiheit: 0
Wäre der laufende Ausbau des Weseler Bahnhofs abgeschlossen, hätte die Kreisstadt mit Sicherheit weiter vorne gelegen. Barrierefreie Zugänge und ein Aufzug sind in Arbeit, ein weiterer Park- and Ride-Platz kommt hinzu. Was allerdings fehlt, ist eine Toilette: Selbst das angegliederte Fast Food-Restaurant hält kein Gäste-WC vor. Ein unhaltbarer Zustand. Auch die Fahrrad-Stellplätze reichen nicht aus. Deshalb: mangelhaft.
7. Emmerich (39 Punkte)
Parken Auto: 7
Parken Fahrrad: 5
Fahrkarten: 5
Toilette: 0
Gastronomie: 0
Shops/Kiosk: 5
Sauberkeit: 2
Service (Schalter, Schilder): 7
Verkehrsanbindung: 5
Barrierefreiheit: 3
Emmerich ist Sackgasse, Züge fahren nur Richtung Duisburg. Zur Freude der Taxifahrer, die mehrmals täglich ahnungslose Reisende nach Arnheim kutschieren. Ansonsten hat das Haus – trotz eines von Privatleuten initiierten Anstrichs – schon bessere Zeiten gesehen. Der Zoll-Anbau verfällt ungenutzt vor sich hin, Klos und Gastronomie sind nicht vorhanden. Barrierefrei ist nur ein Gleis erreichbar. Ein schmuddeliger Bahnhof: mangelhaft.
8. Kleve (38 Punkte)
Parken Auto: 7
Parken Fahrrad: 5
Fahrkarten: 5
Toilette: 0
Gastronomie: 0
Shops/Kiosk: 3
Sauberkeit: 3
Service (Schalter, Schilder): 7
Verkehrsanbindung: 3
Barrierefreiheit: 5
Das Gebäude selbst könnte eine Zierde sein. Die Bahnhofsgaststätte, die leider ungenutzt vor sich her dümpelt, besitzt noch wunderschöne, bleiverglaste Fensterfronten, hinten an der Gebäudewand prangt die alte Schreibweise „Cleve”. Doch alles, was einen modernen Bahnhof einer Mittelstadt ausmacht, fehlt leider: WC, Aufzüge, Gastronomie und auch eine grenzüberschreitende Zugverbindung gen Nimwegen. Deshalb: mangelhaft.
9. Rheinberg (37 Punkte)
Parken Auto: 8
Parken Fahrrad: 5
Fahrkarten: 2
Toilette: 3
Gastronomie: 5
Shops/Kiosk: 0
Sauberkeit: 5
Service (Schalter, Schilder): 2
Verkehrsanbindung: 2
Barrierefreiheit: 5
Das beste am Rheinberger Bahnhof sind die Parkplätze. Sie sind in ausreichender Zahl vorhanden. Wichtig für einen Bahnhof, der so weit am Stadtrand liegt. An Abstellmöglichkeiten für Zweiräder mangelt's dagegen. Tickets können nur am Automaten gezogen werden. Die Gaststätte hat leider nur an vier Tagen in der Woche geöffnet. Ansonsten muss draußen auf den nahenden „Niederrheiner” gewartet werden. Note: noch mangelhaft.
10. Moers (35 Punkte)
Parken Auto: 7
Parken Fahrrad: 8
Fahrkarten: 1
Toilette: 0
Gastronomie: 7
Shops/Kiosk: 5
Sauberkeit: 2
Service (Schalter, Schilder): 0
Verkehrsanbindung: 5
Barrierefreiheit: 0
Außen hui, innen pfui! Auf den ersten Blick macht das frisch restaurierte Bahnhofsgebäude mit Kneipe und Bäckerei echt was her. Auf den zweiten Blick sind die Mängel eklatant: Es gibt weder Toilette, noch Schalter oder Kiosk und nur einen – meist defekten – Fahrkarten-Automaten. Der Zugang zu den Gleisen ist völlig versifft und nicht barrierefrei. Einziger Trost: die Radstation und die Park & Ride-Plätze. Prädikat: ungenügend.
23:39
#15 von Zandmann bringt es auf den Punkt. Wnn irgendwo neu renoviert wurde, dauert es in der Regel nur ein paar Tage und alles ist wieder versaut. Ein gutes Beispiel dafür ist Emmerich. Hier wird regelmäßig gereinigt, aber jeden Abend wird alles wieder von einigen Schmutzfinken versifft. 2 Papierkörbe stehen neben der Bank, aber der Dreck wird unter die Bank geworfen. Von diesem Pöbel muss man sich auch noch beschimpfen lassen. in den Zügen das Gleiche. Einige meinen sie müssten ihren Dreck überall liegen lassen. Besonders die Toiletten werden als Abfallkorb benutzt. Grafittischmierereien, zerkratzen von Scheiben, alles ist normal. So schnell kann die Bahn gar nicht für Sauberkeit sorgen. In der 1. Klasse muss man sich anpöbeln lassen, weil man ja reich ist. Ich bin sehr viel mit der Bahn gefahren. Jetzt fliege ich wieder oder fahre mit dem Auto. Das ist meine Reaktion auf die mangelnde Sauberkeit und die nicht zu tolerierende Unpünktlichkeit der bahn.
17:26
ich fahre jeden tag von rheinberg nach krefeld zur arbeit.rheinberger bahnhof ist ätzend weil es nur eine überdachte bank gibt, die ständig von einer gruppe bier trinkender männer mit freilaufenden grossen hund besetzt wird.rheinhaussen noch furchtbarer weil abends die gleise fast stockdunkel sind. im wartehaus ist es so dunkel bei einer längeren wartezeit im winter kann man noch nicht mal lesen. krefeld ist soweit ok, nur das man da ständig angebettelt wird. als frau macht es wirklich nicht spass zug zu fahren. der niederrheiner ist oft so voll das man stehen muss, wenn schüler mitfahren. ist auch unverschämt bei den preisen. und wie schon geschrieben sind bsp. fußballfans im zug die laut sind und pöbeln, sieht man nie einen zugbegleiter.mfg
17:16
Was nützt das schönste renovieren wenn danach wieder Pack kommt und es mit Grafitti, Rotze und was weis ich nicht noch allem versaut? Leider ist in der heutigen Gesellschaft öffentliches Eigentum anderen Scheiss egal....leider.
Da verginge mir auch die Lust am renoieren!
21:40
Ich muss wirklich sagen, mir ist es sowas von egal wie ein bahnhof aussieht. gibt schlimmeres. irgendwie hat so nen dreckiger bahnhof auch seinen Reiz ^^
11:43
@Bahnhoftester: Wie beschrieben müssen an einen Großstadtbahnhof andere Ansprüche gestellt werden als an einen Kleinstadtbahnhof . Außerdem wäre die Wertung für den Kevealerer Bahnhof viel besser ausgefallen,wenn die Wartehalle mit Kiosk schon eröffnet wäre. Daher auch die unterschiedliche Benotung.
09:46
Komische Wertung
76 Punkte vorbildlich
74 Punkte noch aussreichend.
Beurteilung der Pruefer setzen 6 Minus Klassenziel nicht erreicht..
00:35
Nicht zu vergessen, die Lebensgefahr. Geht doch mal im Ruhrgebiet in den nächtlichen Stunden auf die Bahnsteige, vor allem an Wochenende. Wenn dann ein Zug kommt sind sie sich nicht sicher wo man ihnen mehr nach dem Leben trachtet. Die besoffenen Drogendealer am Bahnsteig, oder die Volltrunkenen Jugendlichen im Zug. Personal? Ja klar vorn beim Lokführer, der will doch auch gesund bleiben. Ein Skandal ist das, sowas habe ich noch nie erlebt.
23:14
#1 von SpareRib,
daß die Welt auf eine Bereicherung an Sprachgenies in der post HansDieterHüsch
Ära wartet, wurde hier diffizil dargestellt.
Wenn es sprachlich klappt, gerne mal
den Fluß queren(Hilfsmittel nutzen)!
22:49
#7: Leipzig, Berlin und Dresden können aber für einen sachlichen Vergleich mit den Ruhrgebiets-Bahnhöfen nicht herhalten. Nach dem Mauerfall wurden doch so viele Milliarden in den Wiederaufbau reingesteckt, da kann das ja nur hübscher aussehen! Das Geld, das der Westen dort rübergepumpt hat, fehlt hier natürlich eklatanterweise. Wie soll man da was zuwege bringen?
Aber der Moerser Bahnhof ist wirklich der allerletzte Sch***dreck!
20:01
Da kannste mal sehen, wie schlecht die anderen sind.