Sarrazin blieb in Duisburg auf Stammtisch-Niveau
29.11.2010 | 22:20 Uhr 2010-11-29T22:20:00+0100
Duisburg. Der ehemalige Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin diskutierte am Montagabend in Duisbuger Lehmbruck-Museum mit Kritikern und Anhängern. Draußen demonstrierten etwa 120 Personen gegen seine umstrittenen Thesen.
19.17 Uhr: Von den rund 120 Demonstranten, die gestern Abend vor den Toren des Lehmbruck-Museums in Duisburg gegen „antimuslimische Hetze“ protestieren, bekommt Thilo Sarrazin nichts mit. Der ehemalige Berliner Finanzsenator nimmt in weiser Voraussicht den Hintereingang. Schließlich werden seine öffentlichen Auftritte spätestens seit dem Erscheinen des Buchs „Deutschland schafft sich ab“ im September von massiven Protesten begleitet.
19.32 Uhr: Von draußen hallen Parolen herein, drinnen wird Thilo Sarrazin von freundlichem Applaus empfangen. Raimund Stecker, Direktor des Lehmbruck-Museums, hält die Einführungsansprache: „Ich würde mir wünschen, dass die Demonstranten mitdiskutieren“, betont Stecker mit Blick auf die Protestierenden vor der Tür, fordert zum Zuhören und Mitdenken auf, zitiert aber auch den großen Joseph Beuys: „Wer nicht denken will, fliegt raus.“
19.45 Uhr: Sarrazin selbst räumt zunächst mit einem Vorurteil auf: „Ich wollte eigentlich ein Buch über die Probleme des Sozialstaats schreiben.“ Erst als er gemerkt habe, wie stark das Thema Integration in diese Frage hineinspielt, habe er sich mit diesem Thema näher beschäftigt.
Endlose Zahlenkolonnen
2 0.06 Uhr: Nach endlosen Zahlenkolonnen, wer nun als muslimischer Migrant zählt oder nicht, kommt Sarrazin zum ersten Mal auf den Punkt und erklärt überraschend den Mischungsfaktor zum alleinigen Integrationsindikator. Alle anderen Migranten vermischten sich ab der zweiten und dritten Generation mit der Ursprungsbevölkerung, Muslime nicht. „97 Prozent der türkischen Migranten heiraten innerhalb dieser Gruppe, 60 Prozent der Partner werden sogar extra aus der Heimat zu diesem Zweck hergeholt. So beginnt in jeder Generation der Kreislauf des Spracherwerbs von vorne.“
20.19 Uhr: Sarrazin räumt mit einer Fehlinterpretation auf: „Ich habe nie gesagt, dass die Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen genetisch bedingt sind. Ich rede von kulturellen Faktoren.“ In allen Ländern Europas hätten die muslimischen Migranten schlechtere Integrationsergebnisse als andere Gruppen. Dass dieses nicht genetisch bedingt sein könne, zeige das Beispiel Großbritannien. Dort hätten Migranten indischer Herkunft bessere Integrationsergebnisse als die Pakistanis.
20.27 Uhr: Der ehemalige Bundesbanker nimmt aber auch Hartz IV-Empfänger in den Fokus: „Wir müssen den Druck auf die nicht-integrierten Migranten deutlich verstärken. Ich sehe keinen Grund, Hartz IV-Empfängern 322 Euro für jedes Kind zu geben. Staatliche Gelder müssen wir in das Bildungssystem geben.“ Bildung als Schlüssel, beim Lösungsansatz unterscheidet sich Sarrazin kaum von seinen Kritikern.
Platt wie
eine Pizza
20.45 Uhr: Sarrazin hat seinen Vortrag beendet. So unspektakulär der Vortrag war, so platt wird zwischenzeitlich die Diskussion. Ihren Höhepunkt erreicht sie, als der Ex-Bundesbanker unter dem tosenden Applaus des Publikums in einem Zwischenruf die 100 000 türkische Migranten in Duisburg für die miserable finanzielle Situation der Stadt verantwortlich macht. „Das ist populistischer Blödsinn, den sie hier erzählen“, grätscht Duisburgs Kulturdezernent Karl Janssen dazwischen. Doch das geht im allgemeinen Gejohle des Publikums unter.
21.07 Uhr: Sarrazin setzt, angefacht vom Applaus, noch einen drauf, bietet Lösungsansätze an, die platter als jede Pizza sind: „Jedes Land muss sich zunächst um sich selbst kümmern.“ Doch davon bekommen die Demonstranten draußen nichts mehr mit. Die sind längst ins Warme geflüchtet.
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07:38
Hätte der Artikelschreiber nur einen Bruchteil an Grips eines Sarrazin, hätte er nicht so einen billigen, populistischen und einseitigen Artikel geschrieben. Aber wahrscheinlich ist er noch jung und hat Angst sich seine Karriere zu verbauen. Bei der Leserschaft kann er mit solch einem Artikel nicht überzeugen.
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07:30
Was heißt denn hier Stammtischneveau?? Da wird wenigstens mal Klartext geredet. Es ist gut, dass auch Sarrazin mal Klartext redet. Besser als dieses rumgeeiere unserer Politiker. Und es ist ja schon interessant, dass so langsam der eine oder andere Politiker sich aus der Ecke der ewig gestrigen wagt und sich hinter Sarrazin stellt. Denn das er recht hat, ist den meisten schon klar. Sie trauen sich einfach nicht mal die Wahrheit zu sagen, weil sie Angst haben, anschließend von den eigenen Parteifreunden gemobbt zu werden.
07:21
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