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Saitenwechsel aus Leidenschaft

25.06.2009 | 20:48 Uhr

Der Musiker Tim Isfort hat das Programm für das Traumzeit-Musikfestival konzipiert. Start ist am 3. Juli

Das Traumzeitfestival kennt Tim Isfort schon seit Beginn. Er stand hier als Musiker auf der Bühne, er war Zuschauer, Produktionsleiter oder der Mann für den Ton. „Ich kenne das Festival aus vielen Perspektiven” sagt der 42-jährige Künstler. Jetzt ist noch eine weitere hinzugekommen. Eine, mit der Isfort einen Seitenwechsel vollzogen hat. Seit Januar ist er künstlerischer Leiter der Musikreihe, die seit zwölf Jahren immer Anfang Juli auf dem Gelände des Landschaftsparks Duisburg-Meiderich eine Brücke vom Jazz zur Weltmusik schlägt. „Meine Vision ist, diesen fantastischen Festival-Ort noch weiter zu stärken. Das Festival muss in der Region noch weiter verankert werden”, sagt Isfort, der in Moers aufgewachsen ist und in Duisburg lebt.

Der deutsche Jazz-Bassist Tim Isfort .

Fast 40 Bands und Solisten werden vom 3. bis 5. Juli zwischen Gießhalle, Pumpenhalle und Kraftzentrale wieder die Welt der Musik und die Musik der Welt auf das Industriegelände bringen. Dabei ist das Programm so dicht, dass manches parallel laufen und sich anderes überschneiden wird. „Jeder kann und muss sich dieses Mal seine eigene Traumzeit zusammenzustellen”, sagt Tim Isfort. Dennoch könne jeder Zuschauer bei acht bis zwölf Bands pro Tag sechs Konzerte komplett hören. „Das ist ein Programm, das mit jedem großen großen Festival konkurrieren kann, aber eine ganz spezielle Atmosphäre hat. Wir zeigen hier Sachen, die man so sonst nirgendwo erleben kann. Und wir haben hier eine sehr hohe Qualität, aber verzichten auf die big names. ” Wobei das natürlich ein bisschen Understament ist, denn John Scofield, Calexico oder das Kronos Quartett darf man als gesetzte Größen bezeichnen. Daneben sind aber auch, gerade am Samstag und Sonntag, echte Entdeckungen zu machen, so wie die nordspanische Formation „o.m.e.g.a”, die hier ihr einziges Konzert in Mitteleuropa gibt und die Isfort genauso wie den Ausnahmepianisten Eric Lewis, der schon bei Wynton Marsalis spielte, im Internet entdeckte. „Gigantisch” nennt Isfort deren Performance. Und Paola Turci, die gemeinsam mit Paolo Fresu die Auftragskomposition vorträgt, sei in Italien ein Megastar. Erweitert wurde das Programm noch um eine, wie Isfort sagt, „sehr hippe” Party mit „Beatplantation”. Und die „Music for silent moves” wird sehr stimmungsvoll unter freiem Himmel zu erleben sein.

Für mehrere Reihen hat der künstlerische Leiter Gastkuratoren verpflichtet und im Hinblick auf das Jahr 2010, in dem nicht nur das Ruhrgebiet, sondern auch Istanbul Kulturhauptstadt ist, gibt es unter dem Titel „Crossing the bridge” ein grenzüberschreitendes „Special” mit Musikern aus Istanbul und anderen Nationen.

Klar, dass Isfort als Musiker mit einem exzellenten Netzwerk auch viel auf persönliche Kontakte und vor allem auf Kommunikation gesetzt hat. „Ich habe die Musiker gefragt, was sie bereit sind zu tun, um das Festival zu pushen.”

Von Helden und

Kooperationen

Und so wird vieles an diesem langen Wochenende einzigartig sein: Das Kronos Quartett beispielsweise hat eigens für den Auftrittsort ein besonderes Konzertprogramm zusammengestellt und der Trompeter Tom Harrell – der, so Isfort, „einer meiner ganz großen Helden ist” – wird gemeinsam mit seinem Quintett und den Duisburger Philharmonikern dem Publikum „music from paradise and wise children” nahebringen. Dass eine Menge Arbeit hinter diesem gigantischen Programm steckt, lässt sich erahnen, Tim Isfort ist aber etwas anderes wichtiger, das er in das Konzept investiert hat: „Viel Leidenschaft.”

Jaqueline SIEPMANN

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