RVR zeigt in Wesel Flagge

Kreis Wesel..  So ganz unpikant ist es nicht, dass der Regionalverband Ruhr (RVR) für zwei Tage seine Zelte in Wesel aufgeschlagen hat. Quasi einen Steinwurf entfernt von der Stelle, wo der Kreistag gerade mehrheitlich die Absicht bekundet hat, ihm den Rücken zu kehren, was Wellen schlug. Das Zusammentreffen ist ein zufälliges, weil es sich um die regelmäßige Klausurtagung der Verbandsleitung handelt, die mal hier, mal dort im RVR-Gebiet stattfindet und seit geraumer Zeit schon für Wesel geplant war. Gleichwohl wird der aktuelle Anlass genutzt, Flagge zu zeigen. Heute werden die Teilnehmer darüber beraten, wie der Regionalverband sich und sein Wirken in Zukunft besser öffentlich darstellen kann.

Es sei Usus, im RVR-Gebiet auch „an den so genannten Rändern Präsenz zu zeigen“, sagte Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel. Seite an Seite mit Landrat Dr. Ansgar Müller und Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp unterstrich sie die intensive Zusammenarbeit mit Kreis und Kommunen. Die meisten Änderungsverfahren für den neuen Regionalplan würden mit viel Arbeitsaufwand für den Kreis Wesel vorgenommen, „um dort die wirtschaftliche Entwicklung nicht zu behindern“.

Dr. Müller: „Tolle Unterstützung“

„Die Gemeinden fühlen sich gut aufgehoben“, sagte der Landrat dazu. Man müsse sich klar machen, dass der RVR die Aufgabe habe, staatliche Aufgaben im Auftrag der Landesregierung wahrzunehmen. In der Konstellation mit kommunalen Wünschen sei da „von vornherein Dampf auf dem Kessel“. Als Beispiel lösungsorientierten gemeinsamen Vorgehens nannte er die geplante Erweiterung des Hafens Emmelsum, die aufgrund von Naturschutz-Belangen zu einem langwierigen Problem hätte werden können. Mit „toller Unterstützung“ des RVR sei das vermieden worden.

Es sei „aus Sicht der Stadt Wesel gut, mit dem RVR zusammenzuarbeiten“, sagte Ulrike Westkamp. Sie warb dafür, den Häfen-Verbund Deltaport zwischen Wesel und Voerde im neuen Regionalplan als Sondergebiet zu betrachten, um das für Wesel anzurechnende Flächen-Volumen nicht zu schmälern, das für Gewerbe und Wohnraum nötig sei.

Ansatzweise wurde deutlich, welche vielfältige Aufgaben der RVR im Kreis Wesel wahrnimmt, wo er „größter Grundbesitzer“ (Dr. Müller) ist. Neben Naturführungen auf der Bislicher Insel zählt die Wirtschaftsförderung ebenso dazu wie die Förderung der Mobilität in der Region, die im neuen RVR-Gesetz verankert werden soll. Da geht es um Radwege ebenso wie um Straße und Schiene und etwa die Tatsache, dass Kamp-Lintfort als Hochschul-Standort keinen Bahnanschluss hat.

Entscheidung im März

Nach dem Kreistagsbeschluss verhandelt der Landrat mit dem RVR in Sachen Austritt. Sie habe noch kein Mandat für Verhandlungen, so Karola Geiß-Netthöfel. Im März werde die Verbandsversammlung darüber entscheiden. Die Kooperation mit dem Kreis Wesel werde dadurch nicht beeinflusst. „Wir haben einfach nicht die Zeit, uns von sowas bei den wichtigen Vorhaben abhalten zu lassen“, sagte der Landrat und fügte hinzu: „Auf weiterhin gute Zusammenarbeit.“