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Rot, rot, rot...

11.09.2008 | 19:28 Uhr

AUSSTELLUNG. Die SPD im Kreis Kleve ist 100 Jahre alt und hat 17 Künstler ermuntert, das zu verarbeiten. Ist bunt geworden...

KREIS KLEVE. Mit beiden Händen greift der Mann auf dem Bildschirm in die rote Farbe. Langsam schmiert er sie ins Gesicht, in die Haare, auf das weiße Hemd. Solange, bis er ein Roter ist.

Aber dann geschieht etwas Seltsames - das Rot wird blass und blasser, bis die Farbe wieder ganz verschwunden ist. Thorsten Rupp, Geschäftsführer der SPD im Kreis Kleve, mag die Videoinstallation des Gelderner Künstlers Peter Boegel irgendwie. "Rot ist man nicht, rot wird man. Und dann muss man aufpassen, dass es so bleibt", sagt Rupp dazu. 100 Jahre ist die alte Tante SPD im Kreis Kleve geworden. "Rot" heißt die Ausstellung zum Geburtstag der Sozialdemokraten im Kreis. 18 Künstler haben sich Gedanken gemacht - rund um die Farbe Rot. Und sind dabei nicht immer zimperlich mit der Volkspartei umgegangen.

Der rote Faden - sieben Kilo schwer

Da hängt er doch, der rote Faden. "Der reicht fast von Kleve bis nach Geldern", sagt Peter Busch. Der Gelderner Künstler hat ihn aufgerollt, fein säuberlich zu einem 7 Kilo schweren Knäuel.

"Den gab es mal, den roten Faden bei der SPD, den vermisse ich zur Zeit", sagt der Gelderner Künstler. Sein Parteibuch hat er ins Kinderbettchen gelegt, davor ein Schaukelpferdchen mit rotem Schild und Lanze postiert. "Die SPD war für mich immer die Partei der Schwächeren, das hat sie verloren." Und der rote Ritter? "Kommt noch", sagt Busch salomonisch. Oder ist gar Walter Steinmeier der ersehnte Mann in der Rüstung? "Keine Ahnung, dafür kenne ich ihn und sein Programm zu wenig."

Es hatte seitens der Partei keine Vorgaben gegeben - nur den Arbeitstitel "Rot". Jeder habe die Freiheit gehabt, sich so zu äußern, wie er wollte. Dass viele Künstler dabei sehr konkret und politisch geworden sind, findet Busch okay - auch, wenn sich vieles so oder so lesen lässt.

Ortstermin für die SPD-Ortsgruppe Kleve. Die kleine Besuchergruppe fesselt es an das Kunstwerk von Paul Schwers. "Ausgetreten" lautet der Titel. Der ehemalige SPD-Ortsvereinsvorsitzende habe die Gespräche mit den scheidenden Mitgliedern immer als sehr belastend empfunden, erzählt Thorsten Rupp.

Jetzt hat er alle auf einem Bild vereint. Die, die noch drin sind, erkennt, wer sie kennt. Die Ausgetretenen sind Schattenwesen, man erkennt Konturen, nicht aber die Person. Die Ortsgruppe fängt an zu rätseln. 1500 Mitglieder hat die SPD im Kreis Kleve - zum Vergleich: die CDU im Kreis hat dreimal so viel ....

Und auch der böse Wolf ist da

Ihr Vorsitzender Michael Kumbrink hat das Bild der Kranenburger Künstlerin Brigitte Gmachreich-Jünemann zu seinem Favoriten erkoren. Die spielt mit verschiedenen Rottönen und stellt ein Zitat August Bebels dazu: "Es gibt keine Befreiung der Menschen ohne die soziale Unabhängigkeit und Gleichstellung der Geschlechter." "Es gibt eben verschiedene Rots", kommentiert der Genosse das kurz und knapp.

Gleich drei Mal geistert ein Rotkäppchen durch die Ausstellungsräume. Reiner Lichtenscheidt aus Neuss spart auch den bösen Wolf nicht aus.

Isarhopper für fünf Euro

Schwarz und mit gelben Augen hockt er auf dem ersten Bild, auf dem zweiten setzt er zum Sprung an. Auf dem letzten ist er grau geworden und heult den Mond an, das rote Baseballkäppchen sieht ziemlich lädiert aus.

Auch Dini Thomsen, jüngst noch ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz, ist deutlich geworden. "Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging" hat sie ihr Bild überschrieben. Es zeigt eine rote Straße, daneben den Umriss eines Menschen. Peter Strege aus Dortmund hat eine Art Wahlkabine mit Sichtschutz aus roten DDR-Ampelmännchen aufgebaut.

Draußen lehnen die Transparente an der Wand "Lieber rot als tot" steht auf den von Arbeitshandschuhen gehaltenen Bannern. Auf dem Tisch in der Kabine die Tageskarte. "Bei Steinigungen besonders zu empfehlen: Rheinkiesel 1/2 Kilo für 3, 90 Euro, Isarhopper 1/2 Kilo für 5 Euro."

Von Kleve aus wandert die Ausstellung nächste Woche nach Geldern, anschließend nach Emmerich. Und in 2010 möglicherweise noch weiter. Dann soll sie, wenn alles nach Plan geht, in der Hauptstadt im Willy-Brandt-Haus zu sehen sein.

GABI GIES

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