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Römerfest in Xanten wegen Unwetterwarnung abgebrochen

25.06.2012 | 11:01 Uhr
Beim Roemerfest in Xanten gingen die Veranstalter diesmal auf Nummer sicher. Foto: Johannes Kruck / WAZ FotoPool

Xanten.   Zum zweiten Mal hintereinander musste das Römerfest im Archäologischen Park Xanten vorzeitig abgebrochen werden. Am Sonntag um 13 Uhr wurden die Besucher wegen einer Unwetterwarnung gebeten, das Gelände zu verlassen. Die Gäste zeigten allerdings Verständnis: 2009 verletzte nämlich ein Blitzeinschlag dreizehn Menschen zum Teil schwer.

Schon der alte römische Geschichtsschreiber Tacitus konnte über das niederrheinische Wetter nichts Gutes berichten: „Das Wetter Germaniens ist grimmiger ist als anderwärts“, notierte er in seiner Schrift Germania. Umso bedauerlicher, dass zum zweiten Mal hintereinander das größte Römerfest Europas im Archäologischen Park Xanten vorzeitig abgebrochen werden musste.

„Sicherheit geht vor“, betonte Organisationsleiter Ingo Martell. Am Sonntag um 13 Uhr wurden die Besucher aufgrund einer Unwetterwarnung gebeten, das Gelände zu verlassen. Natürlich habe man, so der Veranstalter, die Ereignisse von 2009 im Hinterkopf, als ein Blitzeinschlag dreizehn Menschen zum Teil schwer verletzte . Ein Video erinnert bis heute an die Wucht des Blitzeinschlags . Die Gäste zeigten Verständnis. Vor allem der Rekordbesuch am Samstag mit rund 13 000 verkauften Tickets stimmte den Veranstalter zufrieden.

„Ich werde später Gladiator, das ist voll geil“

Zuschauermagnet bei den Kleinen war die Gladiatorenschule der Gruppe „Amor Mortis“ („Die Todesliebenden“) im Schatten des Amphitheaters. Neben dem gekonnten Umgang mit Schwert und Schild wurde dem Nachwuchs auch allerlei Wissenswertes vermittelt. „Gladiatoren waren ausgebildete Profikampfsportler, die sehr viel Geld verdient haben. Es gab richtige Manager, so genannte Lanister, die Talente eingekauft und ausgebildet haben“, berichtet Mark Schrader, ein Trainer der Nachwuchsschmiede.

Klar, dass sich unter diesen Umständen völlig neue Perspektiven eröffneten, zumindest für den fünfjährigen Nils aus Dortmund: „Ich werde später Gladiator, das ist voll geil.“ Wie es aussieht, wenn die Profis in einer mit 3 000 Besuchern besetzten Arena kämpfen, konnte er mehrmals an diesem Wochenende erleben. Gemeinsam mit der römischen Kavallerie „Timetrotter“ bot die Gladiatorenschule „Familia Gladiatoria Pulli Cornicinis“ des Historikers und Sachbuchautoren Marcus Junkelmann realitätsnahe Aufführungen.

Römerfest in Xanten

Mit der Vorstellung der Gladiatoren sprang der Funke auf das Publikum über und sorgte für Stadionatmosphäre. Hector, Hector schallte es von der einen Seite der Arena; Castor, Castor von der anderen. „Gladiatoren waren schon in der Antike die Superstars“, schmunzelte Junkelmann

Einblicke in römische Bau- und Ingenieurskunst

Neben den militärischen Darstellungen war es vor allem die Vielfalt der Aktionen, die das Leben in der Antike abbildeten. Ob römische Mode, Kräuterkunde, Musik von der Wasserorgel oder Einblicke in römische Bau- und Ingenieurskunst, es handelte sich um einen einzigartigen Querschnitt aus einer längst vergangenen Epoche.

Fast immer steckten interessante Geschichten dahinter, zum Beispiel im Librarium, der römischen Schreibstube von Boris Burandt. „Der größte Teil der römischen Bevölkerung konnte lesen und schreiben. Sie schrieben auf Wachstafeln, Papyrus oder hier in Germanien auf Holzbrettchen, die dann durch das römische Reich geschickt wurden“, erläutert der Archäologe. Vor allem die Laufzeiten erstaunen dabei: Ein Brief („Epistalae“) von Rom an den Niederrhein war damals maximal vier Tage unterwegs.

Schon die Römer mochten den Regen nicht

Einem außergewöhnlichen römischen Handwerk widmet sich Astrid Dingeldey. Die Drechslermeisterin aus dem Odenwald bringt Kindern die antike Kunst bei, aus Rinderknochen Haarnadeln zu schnitzen und nutzt diese zum Halt einer „römischen Frisur“.

Das Ausgangsmaterial bekommt sie von ihrem Opa, der für sie die Beinscheiben aus der Suppe aufhebt. Wie alle Akteure ist sie von dem Fest begeistert: „Die Stimmung war super, für den Abbruch haben alle Verständnis.“ Schwacher Trost: Schon die Römer mochten den Regen nicht. „Das Wetter war ein Grund, auf die Eroberung Restgermaniens verzichteten“, weiß Marcus Junkelmann.

Video
WAZ-Mitarbeiter Christian Groß hat den Blitzeinschlag auf dem Römerfest in Xanten mit seinem Video-Handy festgehalten.

Erwin Kohl



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