Ratsmehrheit für Klinikumverkauf

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Duisburg..  „Eine gute Entwicklung für die Stadt, für das Klinikum und für die Beschäftigten“: So sieht Oberbürgermeister Sören Link den geplanten Verkauf der Klinikums-Mehrheit an den Klinikbetreiber Sana. Von „sehr viel Angst in der Belegschaft“ berichtet dagegen Betriebsratsvorsitzender Helmut Böckeler. Vor allem wegen des geplanten Abbaus von „patientenfernen“ Arbeitsplätzen.

Das könnten bis zu 800 der jetzt 2135 Stellen am Wedau-Klinikum sein, befürchtet der Betriebsrat. Sana-Vorstand Thomas Lemke konnte gestern noch keine konkreten Zahlen nennen, geht aber von einer dreistelligen aus.

Dennoch rechnet Link damit, dass man mit Sana einen „weitestgehenden Schutz der Arbeitnehmerrechte“ vereinbart habe – und zwar für aktuelle wie künftige Beschäftigte. Auch die Aus- und Weiterbildungskapazitäten würden erhalten und ausgebaut. Erreicht worden sei „unterm Strich eine Lösung, die den Standort sichert“.

Es gehe bei der Vereinbarung mit Sana, die mit Investitionen in den Standort Wedau von mindestens 100 Mio Euro verbunden ist (die WAZ berichtete), darum, die Attraktivität des Klinikums zu steigern und Spitzenmediziner ans Haus zu binden, sagte Kämmerer Dr. Peter Langner. Auch würden nicht nur 2000 Arbeitsplätze beim Klinikum, sondern auch weitere 640 bei der nahen Unfallklinik BGU gesichert.

„Da kann Großes entstehen“, schätzt Lemke die Zusammenarbeit mit der BGU ein. Das Klinikum werde zunächst durch einen komplett neuen „Funktionstrakt“ für Operationssäle und Notaufnahme fit für Zukunft gemacht. Die Modernisierung der Bettenhäuser sei der nächste Schritt.

Attraktivität sei das Ziel, sagte Lemke und verwies auf den demografischen Wandel. Patienten, Ärzte und andere Mitarbeiter würden wählerischer, ein ansprechender Neubau also erforderlich. „Es geht uns darum, ein attraktives Klinikum zu schaffen“, erklärte Link.

Der Betriebsrat hat indes einen Brief an alle Ratsmitglieder geschickt mit dem Appell, beim Verkauf der städtischen Anteile am Klinikum darauf zu achten, dass „die Konditionen und Rechte der Mitarbeiter eindeutig beschrieben und festgelegt werden“.

„Die Standort- und Arbeitsplatzsicherung ist für uns ein wichtiger Grund für die Zustimmung“, kündigte SPD-Fraktionsvorsitzender Herbert Mettler an. Durch die Sana-Investition können der Sanierungsstau beendet werden. Auch die CDU wird den Verkauf mittragen, kritisiert aber, dass er zu spät erfolgt. Ende 2012 hätte die Stadt 15 Millionen Euro mehr einnehmen können. So sei der Verkauf „spät, aber nicht zu spät“, sagt Fraktionsvorsitzender Rainer Enzweiler. Die Linke will es bei der städtischen Mehrheit belassen. „Auf keinen Fall“, so Fraktionschefin Martina Ammann-Hilberath, werde man dem Verkauf an Sana zustimmen.