Quartiere: drei Städte, drei Ansätze

Am Niederrhein..  Die Bezirksgruppen Moers, Krefeld und RheinRuhr des Bundes Deutscher Baumeister luden zum Thema „Stadtquartiere im Bestand – was macht unsere Städte lebenswert?“ in die Moerser Sozietät ein, und die Planungsexperten dreier Städte kamen: Thorsten Kamp (Moers), Hendrik Trappmann (Duisburg) und Martin Linne (Krefeld) stellten drei unterschiedliche Ansätze vor, mit denen Stadtquartiere verändert sollen.

Den Anfang machte Thorsten Kamp. Die Struktur der Stadt Moers, so führte er aus, habe sich zwischen 1650 und 1930 kaum verändert, blieb im Zweiten Weltkrieg so gut wie unversehrt. Mit den 50er Jahren aber begannen tief greifende Veränderungen: Moers galt als unmodern, man wollte weg von den Strukturen des 17. Jahrhunderts. Verkehrstangenten wie der Neue Wall wurden durch die Stadt getrieben; Moers sei eine Stadt, deren Straßen im Kern breiter seien als ihre Zufahrtsstraßen, so Kamp. Der Abriss und Neubau der Altstadt sei hingegen gelungen.

Man stehe nun vor der Aufgabe, frühere Fehlentwicklungen abzumildern, einst Zerstörtes zu ersetzen. „Ich fände das ,Bügeleisen’ ganz charmant“, so Kamp – dieses einst den Kastellplatz zur Haagstraße hin abschließende Gebäude wurde Anfang der 70er abgerissen.

Fazit für Moers: Es ist eine eher sanfte Quartiersentwicklung notwendig – das genaue Gegenteil von dem, was im benachbarten Homberg-Hochheide, einem Stadtteil von Duisburg, geschehen soll. So genannte „Weiße Riesen“, teilweise leer stehende Hochhäuser und die größten Bausünden der 70er, sind verantwortlich für den Niedergang des ganzen Quartiers. Teile einer alten Zechensiedlung, die den „Weißen Riesen“ zum Opfer fiel, konnten damals gerettet werden – jetzt bleibt den Duisburgern, so Hendrik Trappmann, nur mehr die Stadtentwicklung durch den Abrissbagger. Das Quartier wurde zum Sanierungsgebiet erklärt.

Denn es besteht Handlungsbedarf. Die Ladenstadt leidet unter sinkenden Bevölkerungszahlen; alles ist besser, als die Hochhäuser stehen zu lassen. „Erwerben, abreißen, Grünflächen anlegen“, beschreibt Trappmann die erste Phase des Quartierumbaus, und ergänzt: „Hier ist jetzt mal der radikale Ansatz.“

Stiftungsgelder nach Krefeld

Sanfte Korrektur in Moers, Abrissbagger in Duisburg – in Krefeld verfolgt man einen dritten Ansatz. Martin Linne stellte die Quartiersentwicklung rund um die Alte Samtweberei vor, ermöglicht durch das Engagement der „Montag Stiftung Ur­bane Räume“. Man habe in Krefeld alle Probleme einer Industriestadt im Wandel, so Linne. Das geht bis hin zu „Slumlords“, die abbruchreife Häuser zu horrenden Preisen an Bettsuchende vermieten. „Ohne die Stiftung wäre nichts passiert.“ Es habe die Anschubfinanzierung gebraucht, um bürgerschaftliches und soziales Engagement zu wecken und so das Quartier zu retten. Nun sei neues Leben eingezogen, die Entwicklung dieses Teils der Krefelder Innenstadt nachhaltig.

Das Publikum dieses Abends bestand hauptsächlich aus Architekten, die Zunft der Stadtplaner war lediglich durch Thorsten Kamp vertreten. Der Bund Deutscher Baumeister (BDB) integriert die Vorträge in seine Veranstaltungsreihe „Ortstermine“, in denen er die konkreten Lebensumstände in den Städten beleuchtet.