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Post aus Ballygally und dem Rest der Welt

11.09.2012 | 19:10 Uhr
Post aus Ballygally und dem Rest der Welt
Neuerdings skypt Ursula Redder auch mit einer Brieffreundin: mit Desi in Tristan da Cunha.Foto: Udo Milbret

Duisburg.  Leserin Ursula Redder schreibt seit mehr als 20 Jahren Briefe an Menschen rund um den Globus. Weil sie wissen will, wie’s anderswo so ist

Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch – kennen Sie sicher, oder? Nein? Denken Sie jetzt bitte nicht, dass diese unaussprechliche Buchstabenreihung das Ergebnis eines unkontrollierten Tastaturgehämmers ist. Ehrlich, diese 58 Buchstaben ergeben tatsächlich einen Sinn: es ist der Name eines Ortes in Wales, Großbritannien. „Aber denen ist das selbst zu lang“, weiß Ursula Redder. „Die kürzen ihn auch ab, sehen Sie?“. Die 71-jährige Duisburgerin zeigt auf den Absender eines blauen Luftpost-Briefumschlages. Der Ortsname wurde auf dem Absender mindestens um die Hälfte gekürzt. Von einer Einheimischen, einer Brieffreundin von Ursula Redder.

1989 fing alles an

„Es waren mal rund 80 in allen Winkeln der Erde“, sagt die Duisburgerin. „Mit zehn Brieffreunden schreibe ich im Moment noch regelmäßig.“ Karten und Briefe aus Orten mit so ungewöhnlich klingenden Namen wie Walla Walla, Yellowknife, Christchurch, Nawiliwili, Ballygally oder Ullapool stapeln sich auf dem Arbeitszimmerschreibtisch in ihrem Haus in Beeckerwerth. Aus den USA (mit Hawaii und Alaska), Kanada, Neuseeland, Nordirland, Großbritannien und dem südlichen Atlantik schreiben die Menschen an Ursula Redder. Brieffreundschaften in der ganzen Welt zu pflegen, das ist ihr Hobby.

„Irgendwann habe ich mir gedacht: Überall auf der Welt leben Menschen und ich möchte mal wissen, wie sie leben“, sagt die Duisburgerin. 1989 fing das an: Ursula Redder schnappt sich einen Atlas und sucht ein paar Orte auf der Weltkarte heraus. „Ich habe mir ungewöhnliche, lustige oder hübsch klingende Namen ausgeguckt. Und dann habe ich dorthin geschrieben.“ Handschriftliche Briefe – „einen Computer hatte ich damals nicht.“ Und alles auf Englisch. „Die Sprache lerne ich seit 1982 an der Volkshochschule“, erzählt die 71-Jährige.

Und an wen hat sie dort geschrieben, so ganz ohne Namen und Anschriften? „Na ja“, sagt Ursula Redder und schmunzelt, „in jeder noch so kleinen Stadt gibt es doch irgendeine lokale Tageszeitung.“ Also adressiert sie die Briefe an beispielsweise: Lokal Newspaper, Christchurch, Neuseeland. „Ist doch auch schon mal eine Adresse.“ Und siehe da, ihre Post kommt an (siehe Box).

„Ach hatte ich einen Spaß, als nach wenigen Tagen die erste Antwort kam.“ David Underwood, ein Lehrer aus Alaska, schreibt ihr. Und legt seinem Brief gleich ein kleines Geschenk bei: ein Lesezeichen mit einem roten Bändchen daran, das er aus einem Zeitungsartikel gebastelt hat. „Es war mein abgedruckter Brief, den die Tageszeitung in Alaska veröffentlicht hatte – direkt mit meiner Anschrift.“ Ursula Redder hält es in Ehren. Genau wie die vielen anderen Geschenke und Fotos, die sie im Laufe der Jahre von ihren Brieffreunden rund um den Globus bekommt.

Heute skypt die 71-Jährige auch

„Sie glauben gar nicht, wie nett die Leute sind“, meint Ursula Redder. Von Anfang an sucht sich die Duisburgerin Kontakte zu Menschen heraus, die in ihrem Alter sind. „Und immer nur eine Person pro Stadt“, sagt sie. Die Brieffreunde tauschen sich über das Leben, die Familie, den Wohnort, die Arbeit aus. Der Schriftverkehr wird geordnet: „Jeder bekommt eine Nummer. Ich notiere Name, Ort, Land und Datum in einer Tabelle, führe eine Liste, wann ich den Brief beantwortet habe und mache mir auch Notizen über die Familie, Hobbys oder den Beruf, damit ich den Überblick behalte.“ Natürlich alles handschriftlich.

Nur die Briefe, die tippt Ursula Redder mittlerweile. „Mein Sohn hat mir vor einigen Jahren einen Computer besorgt und Internet habe ich jetzt auch“, sagt die 71-Jährige. Geschickt wird der Schriftwechsel aber mit der Post, nicht per Mail. Das Internet nutzt sie meist nur, um die aktuelle Wetterlage und die Ortszeit bei ihren Brieffreunden im Blick zu haben. Und um die vielen Uhren in ihrem Arbeitszimmer einzustellen (New Yorker-, L.A.- oder auch Tristan-da-Cunha-Zeit). Und, „um zu skypen.“

Denn seit dem Frühjahr hat Ursula Redder eine neue Brieffreundin: in Tristan da Cunha, einer Insel im südlichen Atlantik. „Aber Desi schreibt nicht so gerne und deshalb tauschen wir uns per Videotelefonie über das Internet aus“, erzählt die Duisburgerin. Über die kleine Insel hat Ursula Redder jetzt schon einiges gehört: „Rund 260 Menschen leben auf der Vulkaninsel, es gibt nur sieben Nachnamen dort und bis Kapstadt in Südafrika dauert die Reise vier Tage lang mit dem Schiff.“

Dass es die Insel gibt, weiß sie übrigens ausnahmsweise nicht aus dem Atlas. „Das stand in meinem Englischbuch“, sagt Ursula Redder. Auch von Llanfair... – na, Sie wissen schon, diesem Ort mit 58 Buchstaben in Wales – hat si so erfahren. Wozu so ein Englischkurs alles taugt...

Elke Wiegmann

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