Pläne für Erdwärme-Kraftwerk in Krefeld vorgestellt
29.03.2011 | 19:07 Uhr 2011-03-29T19:07:00+0200
Krefeld. Ein Erdwärme-Kraftwerk in Krefeld? Umweltverbände, die lokale Politik sowie Unternehmer Wolfgang Hoever sind dafür. Um die Krefelder Bürger zu informieren, wurde zu einem offenen Bürgerforum geladen.
Wolfgang Hoever will eines auf keinen Fall: ein zweites Stuttgart 21. Der Unternehmer hat die Vision, in Krefeld ein Erdwärme-Kraftwerk errichten zu lassen. Also regenerative Energie für Krefeld zu produzieren, die nicht abhängig von Wind oder Sonne ist. Wolfgang Hoever, ansässige Umweltverbände und auch die lokale Politik sind von dem Projekt unisono überzeugt, aber man will die Bürger von Krefeld nicht vor vollendete Tatsachen bzw. vor ein fertiggestelltes Kraftwerk stellen.
Die Bürger sollen mit ins Boot und im besten Fall überzeugt für das Werk stimmen. Wenn nicht, wird das Projekt gekippt, der Stecker gezogen. „Ich verstehe die Angst der Menschen, denn viele haben nur ein gesundes Halbwissen“, so Hoever. Und das wollte er ändern: Am Montagabend informierte er in Zusammenarbeit mit acht Experten zum Thema die Anwohner in einem offenen Bürgerforum in der Hochschule Niederrhein über das Energieprojekt, das den Namen „salvea - Lust auf Grüne Energie“ trägt.
Erdbeben in Basel
„Erdwärme ist ein Bodenschatz und eine Energieform, die nicht abhängig von Sonne, Wind oder der Tageszeit ist. Die Energiegewinnung erfolgt durch Wärmetausch“, erklärte Hoever das Prinzip des grünen Stroms. Die Resonanz auf diese Form der Energiegewinnung sei eigentlich „durchweg positiv“, aber viele Leute haben auch Bedenken.
Schließlich müssen für ein Erdwärme-Kraftwerk, das mit Tiefenwärme arbeiten soll, erst auf einem Areal von 357 Quadratkilometern zwischen Kempen, Duisburg und Krefeld seismische Bodenuntersuchungen durchgeführt werden - und bei grünem Licht für das Projekt bis zu 5000 Meter tief gebohrt werden.
Wolfgang Hoever ist eigentlich im Gesundheitswesen zu Hause. Er betreibt das „salvea“-Gesundheitszentrum in Krefeld. Auf das Thema Geothermie ist er durch den Erwerb eines denkmalgeschützten Gebäudes gestoßen, für das er wirtschaftliche Energie produzieren wollte.
„Erst wollte ich das Projekt nur im Kleinen für das Gebäude angehen, aber dann hatte ich die Idee, das im großen Stil zu machen“, so der Unternehmer, der allerdings kein Investor im Erdwärme-Projekt sein wird. Falls die Bürger hinter dem Projekt stehen, kann das Werk 2014 als Pilotanlage in NRW ans Netz gehen.
Mehr Informationen über das Projekt sind auch unter www.geothermie-krefeld.de erhältlich.
Vor dem Hintergrund des katastrophalen Erdwärme-Projekts in Basel haben manche Anwohner schlichtweg Angst vor Erdbeben, Gebäuderissen oder Schlimmerem. „Ich bin im Grunde dafür, denn wir brauchen regenerative Energieformen“, lobte Walter Fasbender, einer der Interessierten, die den Audimax der Hochschule füllten. „Aber“, ergänzte seine Frau Angelika „man weiß ja nicht, was die bei den Bohrungen in der Tiefe anrichten.“
Zehn Prozent des Strombedarfs
Eva Jansen hielt das Erdwärme-Projekt für einen ausgemachten Schwindel. „Anders als bei dem Werk in Unterhaching, das die Anwohner mit Wärme und Strom versorgt, haben wir nichts davon. Wir kriegen den Strom nicht billiger und wärmen können wir unser Haus auch nicht damit.“ Wolfgang Hoever sieht das anders: Zehn Prozent des Strombedarfs in Krefeld kann durch das Werk gedeckt werden.
Laut Hoever wären das „grüne“ sechs Megawatt - Energie aus der Tiefe für etwa mehrere hundert vierköpfige Haushalte bei einer Investitionssumme von mehr als 60 Millionen Euro. Scheinbar eine saubere Sache, gerade in Anbetracht der neu entfachten Diskussion um Kernenergie und mögliche Alternativen. Dirk Jung hielt dagegen: „Sie sagen jetzt, es sei sicher. Aber unseren Eltern erzählte man auch, Atomkraft sei sicher. Und wie sicher die ist, sehen wir ja jetzt.“
Wolfgang Hoever und das Expertenteam - unter anderem bestehend aus Geologiefachleuten - versicherten, dass es im allerschlimmsten Fall höchstens zu einem Riss in der Wand kommen könne - was wiederum Sache der Versicherung sei.
Keine durchgängige Begeisterung
Am Ende des Abends waren zwar viele schlauer, aber durchgängige Begeisterung für das Großprojekt konnte trotz allem nicht erreicht werden. „Es ist halt das St. Florians-Prinzip: Eigentlich wollen es alle haben, bloß nicht vor der eigenen Haustür“, fasste Wolfgang Hoever zusammen.
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