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Parkinson-Erkrankter aus Rheinberg hilft anderen

18.01.2012 | 06:00 Uhr
Parkinson-Erkrankter aus Rheinberg hilft anderen
Foto: Reiner Kruse

Rheinberg.   Detlev Friedriszik ist an Parkinson erkrankt. Für eine DVD, die Betroffenen Mut machen soll, konnte er einige Sponsoren gewinnen - und ausgerechnet viele Krankenkassen gaben keinen müden Cent.

Der Graf hat sofort „Ja“ gesagt. „Geboren, um zu leben“ - der Titel passte einfach. Detlev Friedriszik hat ihn oft gehört und Mut raus gezogen, als ihm seine Parkinson-Erkrankung wieder einen schlechten Tag bescherte. Aber der Rheinberger gibt nicht auf. Und er will anderen Pakinson-Erkrankten Mut machen - mit einer Vortrags-und Bilder-DVD - unterlegt mit Liedern der Band Unheilig, Xavier Naidoo, Frank Schöbel und Bernd Meinunger.

Die Diagnose kam kurz vor dem 50. Geburtstag. Das Kreuz. Diese verdammten Schmerzen. Detlev Friedriszik konnte sie sich nicht erklären. Und auch nicht, warum er plötzlich im Flugzeug diese Schwitzanfälle bekam: „Ich hatte doch nie Flugangst.“ Der heute 56-Jährige war als IT-Manager für Siemens viel unterwegs - bis ihn drei Worte seines Arztes ausbremsten: „Sie haben Parkinson.“

Das ist sechs Jahre her. Detlev Friedriszik hat seitdem viele Aufs und Ab erlebt. „Nach der Diagnose versank ich in eine tiefe Depriphase“, sagt er. Die Feier zum 50.: Abgesagt! „Ich habe mit meiner Frau eine Kreuzfahrt gemacht.“ Erst mal abschalten, mit der Diagnose klar kommen. Und im Kopf immer wieder die Fragen: Was nun? Wie geht es weiter? Warum ich?

Angst vor den Reaktionen

Fragen, die sich bundesweit 350 000 Menschen stellen können, die an der „Schüttellähmung“ erkrankt sind. Für sie hat Detlev Friedriszik die DVD erstellt, die Ende Januar in einer Auflage von 3000 Exemplaren erscheinen soll. „Parkinson hat keine richtige Lobby. Viele halten sie für eine Erkrankung von alten Leuten und schweigen sie tot. Es trifft aber immer mehr jüngere Menschen, was auch finanziell ein Debakel ist“, sagt Detlev Friedriszik. Viele Betroffene wüssten nicht, wie sie es ihrem Arbeitgeber, ihren Kollegen sagen sollen. Aus Angst vor den Reaktionen, versuchten sie die Krankheit zu vertuschen. Das führe zu Gerüchten, wenn das Zittern stärker wird. Dann heißt es: „Guck mal, der trinkt“.

Ein halbes Jahr, nachdem er die Diagnose bekommen hat, schloss sich Detlev Friedriszik der Parkinson-Selbsthilfegruppe Moers an. Nach einigem Zögern. „Man sieht ja, wohin die Krankheit führen kann. Aber man kriegt auch viel Unterstützung“, wägt Detlev Friedriszik ab. Er fand Halt in seinem Glauben an Gott und wurde von seiner Familie und seinen Freunden aufgefangen. „Die halten zu mir,“ wenn er an manchen Tagen langsamer unterwegs ist, die Hände stärker zittern, die Motorik nachlässt und das Laufen schwieriger wird. „Letztens habe ich ein kleines Schränkchen aufbauen wollen, normalerweise hätte ich das in zwei Stunden erledigt. Aber die Schrauben wollten nicht. Vier Stunden habe ich gebraucht, ich wurde wütend. Auf mich selbst“, erzählt Detlev Friedriszik.

Eigentlich „wollte ich mich nicht outen. Aber immer wieder fragte mich die Leiterin der Selbsthilfegruppe: Kannst Du nicht mal was über Parkinson zusammen schreiben?“ Konnte er. Nur: „Wenn ich was mache, dann richtig.“ Und alles nur für einen Vortrag zusammenfassen? „Das wollte ich nicht. Ich weiß ja auch nicht, wie die Tage sind, mal ist es gut, mal nicht“, sagt Detlev Friedriszik. Die Finanzierung der DVD hat er zunächst alleine getragen. Gema-Gebühren und eine Lizenzgebühr für die für Bilder und Lieder der DVD inbegriffen.

Die Schildkröte „Gina“ ist das Symbol der Parkinson-Selbsthilfegruppe Moers.

Für die Erstauflage von 3000 Stück suchte er Sponsoren. „Viele Krankenkassen haben abgelehnt“, musste Detlev Friedriszik die Erfahrung machen. Mit oft fadenscheinigen Begründungen. Mal hieß es, „wir fördern nur einmalige Projekte“, mal „wir fördern nur regionale Projekte und Ihres ist ein bundesweites“. Letztlich fand Detlev Friedriszik in der Siemens-Betriebskrankenkasse und auch der BKK ARGE NRW (BAN) zwei Hauptsponsoren. Die Produktionskosten sind gesichert - auch dank vieler Spenden von Privatleuten und kleineren Unternehmen.

Detlev Friedriszik stellt auf der DVD viele Fragen und gibt Anworten, die ihn selbst beschäftigt haben. Was ist eine Tiefenstirnstimulation? Verschweige ich die Krankheit, ist es das Tor zur Spekulation? Wann stelle ich einen Rentenantrag? Es ist aber keine DVD, die zu bedrückend daher kommt. Sonnenuntergänge, Sonnenblumen, Urlaubsbilder und Landschaftsaufnahmen stimmen im Zusammenspiel mit Liedern wie „An deiner Seite“, „Geboren, um zu Leben“, Steh auf und leb Dein Leben“ und „Dieser Weg“ nachdenklich, ohne zu sentimental zu sein. Und mitten drin taucht immer wieder „Gina“ auf. Die Schildkröte. Das Maskottchen der Selbsthilfegruppe. Denn Gina steht nicht nur für: Gib niemals auf. Und Gina hat noch eine Gemeinsamkeit mit Parkinson-Erkrankten: Sie geht ihren Weg - langsam aber stetig.

Selbsthilfe-Gruppe organisiert Urlaube

Die Selbsthilfe-Gruppe Moers will künftig auch Urlaube für Parkinson-Erkrankte organisieren. Detlev Friedriszik weiß, dass es mitunter für Betroffene schwierig ist, als Parkinson-Erkrankter zu verreisen. Ist eine ärztliche Betreuung gewährleistet? Kann ich die Wege zurücklegen? Gibt es abends ein Buffet oder wird an den Tisch serviert? „Kreuzfahrten sind eine gute Alternative, aber nicht alle Anbieter nehmen einen gerne mit“, weiß Friedriszik aus Erfahrung. Er plant zwei Kreuzfahrten mit dem Moerser Depart Niag Reisebüro und Ambiente Kreuzfahrten: „Faszinierende Fjorde und Trolle“ (18. August, ab Bremerhaven) und „Mallorca bis Istanbul“ (26. September). Infos: Tel. 02841-137624.

Zwei Vorträge zu Erfahrungen, Rehasport und Theater

Die Deutsche Parkinson Vereinigung, Selbsthilfegruppe Moers, lädt zu zwei Vorträgen über „Parkinson“ ins St. Josef Krankenhaus Moers, Asberger Straße 4, ein: Am Samstag, 28. Januar, von 16 bis 18 Uhr, und am Donnerstag, 2. Februar, von 18 bis 20 Uhr, schildert Detlev Friedriszik seinen Weg mit der Krankheit umzugehen. Es gibt zudem Infos über den Reha-Sport, der die Mobilität erhalten soll, die Parkinsongruppe führt ein Theaterstück zum Thema auf und ein Betroffener erzählt, was ihm eine Tiefenhirnstimmulation gebracht hat. Bei einer Tiefenhirnstimulation werden dem Patienten eine oder zwei dünne Elektroden implantiert, man spricht auch von einem Hirnschrittmacher, der Krankheitssymptome wie das Zittern und Bewegungsarmut verbessern soll. Die Vorträge sind kostenlos. Um eine Anmeldung wird gebeten: Tel. 02841 / 655218 (Selbsthilfegruppe Moers) oder per mail: info@freemade.de

Die DVD kann ab Februar über die Parkinson Selbsthilfegruppe Moers, Tel. 02841 / 655218, oder bei Detlev Friedriszik unter www.freemade.de bestellt werden - für 9,80 Euro.

Rosali Kurtzbach

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Parkinson-Erkrankter aus Rheinberg hilft anderen
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2012-01-18 06:00
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