Noch jede Menge zu klären
07.09.2009 | 19:55 Uhr 2009-09-07T19:55:00+0200
Der Niersverband stellte gestern seinen „Masterplan Niersgebiet” vor. Weitere Renaturierungen sollen helfen, Geld zu sparen
Am Niederrhein. Dietmar Schitthelm muss eigentlich gar keine große Überzeugungsarbeit leisten. Dass der Düsseldorfer Regierungspräsident seine Zustimmung zu dem „Masterplan Niersgebiet” geben wird, ist dem Vorstand des Niersverbandes quasi schon sicher. „Manchmal ist weniger mehr”, sagt Schitthelm und zeigt Jürgen Büssow, dass durch die Renaturierung der Niers jede Menge Geld gespart werden kann: Anstatt 630 Millionen Euro in neue Regenrückhaltebecken zu stecken, um Regenwasser aufzufangen, könne man besser 140 Millionen Euro in den naturnahen Ausbau der Niers investieren. Das Ergebnis sei identisch, denn eine naturnahe Niers könne viel mehr Regenwasser aufnehmen.
Jürgen Büssow hat gestern gut zugehört. Der Regierungspräsident informierte sich beim Niersverband in Geldern über den künftigen Ausbau des Flusses. Seit vielen Jahren unterstützt das Land die naturnahe Umgestaltung des Kanals. Was in den 90er Jahren mit dem „Niersauenkonzept” begonnen hat, soll jetzt mit dem „Masterplan” fortgeführt werden. Denn geht es nach dem Zweckverband, dann werden künftig nicht nur entlang der Niers Renaturierungen durchgeführt, sondern auch an den Nebenflüsschen wie der Nette oder der Fleuth in Geldern, Issum oder Kervenheim.
Wunderbares Wasser
Dank der neuen Kläranlagen in Kerken-Nieukerk hat sich die Wasserqualität der Niers erheblich verbessert. Der Eintrag von chemischen Elementen wurde deutlich reduziert und liegt im grünen Bereich der europäischen Vorgaben. „Für die kommenden Jahre wird unser Hauptaugenmerk nicht mehr auf Kläranlagen liegen, sondern wir werden den ökologischen Zustand der Niers verbessern”, so Schitthelm. Zwar gebe es zwischen Mönchengladbach und Goch-Kessel wieder 25 verschiedene Fischarten, aber die Gewässerstruktur der Niers lasse noch zu wünschen übrig. Gerade mal sieben Kilometer des 104 Kilometer langen Flusses wurden naturnah gestaltet – der Rest ist ein eintöniger Kanal. „Wir werden die Niers sicherlich nicht auf der gesamten Länge renaturieren”, erklärt Projektleiter Bert Lanphen. Künftig wolle man punktuelle Eingriffe wagen – und den Rest der Natur überlassen.
Brennpunkt Grundwasser
Die nächsten Projekte stehen in Goch-Kessel, Kevelaer-Wetten und Mönchengladbach an. Immer wieder kämpft der Verband gegen die Widerstände aus der Landwirtschaft. Viele Bauern befürchten, dass durch einen veränderten Flusslauf auch die Grundwasserstände steigen. Das wiederum bedeutet, dass die Landwirte ihre Felder nur eingeschränkt nutzen können: „Sobald der leiseste Verdacht besteht, dass der Grundwasserspiegel sich erhöht, kann man mit der Landwirtschaft nicht mehr diskutieren”, so Schitthelm.
Eine Renaturierung der Niers und ihrer Nebenflüsse erfordere daher vor allem Überzeugungsarbeit: „Letztendlich können wir es nur gemeinsam lösen”, sagt der Vorstand.
Informationen im Internet: www.niersverband.de
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