Nimm ein paar Zweige...
28.08.2008 | 18:10 Uhr 2008-08-28T18:10:25+0200AUSSTELLUNG. Im ArToll ist alles anders. Das Machen, das Sehen, das Werden. So ist das, wenn man "dazwischen" guckt.
BEDBURG-HAU. Warum nicht? "Nimm ein paar Zweige, die auf dem Tisch liegen oder sammele selbst etwas. Stecke die Zweige in den Sand der Schubkarre. Wenn sich darin schon etwas befindet, entferne es einfach." Vincent van Delft hat es ja schon vorgemacht. "Schatten-Zeichnung" nennt er dann das, was mit Hilfe von Licht und Dunkel, Sonne und Zweigen, elektrischem und echtem Licht da passiert. Linien entstehen, Zeichnungen, die sich verlieren, wenn die Sonne wandert.
Das ist nicht neu, aber wenn man so aufmerksam gemacht hinguckt, bekommt alles eine andere Bedeutung. Die hingestakten meterhohen blattlosen Gestänge draußen, auch eine Schattenzeichnung. Die an eine Sonnenuhr erinnernden Stäbchen ein paar Meter weiter, die seltsam anmutenden Minigehölze, streng gruppiert und nummeriert - 14 Werke hat der Niederländer rumd um Haus Nummer 6 installiert.
Es ist wieder Laborzeit im ArToll. Kunst entsteht beim Hingucken, wie das Licht das Werk verändert, verändert das Wahrnehmen das Empfinden.
Soviel Philosophie muss nicht sein - macht aber Spaß. 14 Künstler aus nah und fern haben sich wieder einmal in Haus Nummer 6 der Rheinischen Landeskliniken eingefunden, haben gemeinsam Ideen erarbeitet und Räume mit Kunst gefüllt. Die anders ist. Nicht zum an die Wand hängen, nicht zum Schmücken. Eher etwas für die, nun, für die innere Ewigkeit. Für Gefühle, Empfindungen, Gedanken.
Blätter in der Bettenpflege
Und die dürfen ganz anders sein, als die, die den Künstler inspiriert haben. "between", dazwischen, heißt die Ausstellung ebenda, wo einst psychisch kranke Frauen in der Abteilung "Bettenpflege" leben mussten.
"Bitte setzen Sie sich" fordert in einem abgedunkelten Raum Rachel Kruithof den Mutigen auf. Lichtinstallation mit Bettlaken, Glaskaraffen und -schalen dahinter, einem Projektor davor, aus dem Internet geladene Musik und Bilder - zauberhaft. Nicht mehr, nicht weniger. Schöne Sache, einfach so fürs Gemüt.
Anderes entdecke man in den "Frauen-Zimmern" von Margret Schopka - oder unterm Rock von Birgit Brebeck-Paul...
"...vom Walde komm ich her" hat Chiara Fiorini sich klar gemacht - und Blätter gesammelt und gestopft - Matratzenspiralen damit angefüllt, Möbel beblättert - und gibt den Dingen ihre ursprüngliche Natürlichkeit, ihre Unordnung zurück.
Dini Thomsen, gerade mit dem Bundesverdienstkreuz geadelt, hat alte Karren mit Plörren vollgepackt. Ahnenbilder hängen an der Wand, aus einem Lautsprecher knirschen Füße, die sich durch den Kies treten. "Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück". "Wir sind alle auf dem Weg", sagt die Künstlerin, "wir wissen nicht wohin, aber wir können auch nicht zurück."
between. Noch fr, 17 bis 19 Uhr, sa und so 12 bis 17 Uhr. Finissage dann am Sonntag, 31. August, 18.30 Uhr.
Auf dem Gelände der Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau, Haus 6, Bedburg-Hau.
Internet: www.artoll.de
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