Niederlande zum Nachlesen

Den Haag..  Bücher aus dem Michael Müller Verlag sind quasi die S-Klasse der Reiseliteratur. Sie richten sich an anspruchsvolle Individualisten mit hohem Informationsbedarf. Mittlerweile in 9. Auflage ist das Werk „Niederlande“ von Dirk Sievers erschienen. Es wurde komplett überarbeitet und glänzt auf pickepackevollen 732 Seiten mit ungeahnter Detailfülle. Sehr viel Informationen für vergleichsweise wenig Geld. Jeder niederländischen Provinz ist ein eigenes Kapitel gewidmet, zusätzlich ein Teil für die Westfriesischen Inseln.

Schön auch, dass das andere Holland berücksichtigt wird und auch Interessantes abseits von Amsterdam und Rotterdam ausführlich vorgestellt werden. Wer wusste zum Beispiel, dass die legendäre Spionin Mata Hari eigentlich Margreet Zelles hieß und als Tochter eines Huthändlers 1876 im friesischen Leeuwarden geboren wurde? Sievers widmet der vermeintlichen Doppelagentin eine ganze Seite.

Humorvoll wird der Autor am Schluss, wenn er in einem kleinen Wörterbuch mit einem Augenzwinkern niederländische Begriffe erklärt. Zu Königin Máxima fällt ihm zum Beispiel ein: „Reinkarnation von Frau Antje mit putzig spanischem Akzent, vermählt mit dem König Willem Alexander.“ Unser Fazit: Für einen kurzen Wochenendtrip ist das Buch wohl eher überdimensioniert, aber für den überzeugten Holland-Wiederholungstäter einfach unverzichtbar.

100 % ?Der Titel erinnert an einen Waschhinweis. Einlaufen wäre ein passendes Stichwort. „Nur zu Fuß lernt man eine Stadt richtig kennen!“ erläutert René Bego, Erfinder der Cityguides. Jetzt stellt er das jüngste Kind aus der Reiseführer-Reihe vor: Rotterdam. Der Holländer, der in Berlin lebt, ging von seinen Bedürfnissen aus, als er die Cityguides vor fünfzehn Jahren erfand: wenn jemand eine Städtereise macht, hat er nur wenig Zeit, will möglichst viel sehen, aber sich nicht als Tourist fühlen. Man möchte da essen, wo die Einheimischen essen. Wissen, welches Viertel angesagt ist, wo man Party macht. Nicht unbedingt in einem Hotel übernachten, sondern im „Bed & Breakfast“. Ein langer Code auf der Innenseite des Umschlags ist der Weg zum kostenlosen Download – damit ist der komplette Reiseführer auch auf dem Smartphone. Praktisch: die Stadtpläne funktionieren ohne Internet, können auch ohne teure Roaming-Gebühren genutzt werden.

Amsterdam für die Jackentasche bereitet der Kölner Journalist und Reiseblogger Ralf Johnen (Boardingcompleted) auf. Das 128seitige Buch aus der Reihe „Merian live“ bietet zahlreiche Tipps - auch abseits der ausgetrampelten Touristenfade im eher musealen Grachtengürtel. So führt der Autor in die Nebenstraßen mit originellen Geschäften, ins ehemalige Arbeiterviertel Jordaan mit dem schönen Café Papeneiland, aber auch ins andere Amsterdam, auf das Gelände der ehemaligen NDSM-Werft und ins östliche Hafengebiet, eine Spielwiese für experimentierfreudige Architektur, die Touristen sonst kaum zu sehen bekommen. Auch auf den quicklebendigen Albert Cuypmarkt, verbunden mit der Warnung vor den domestizierten Fischreihern, die den Käufern die Beute zuweilen vor der Nase wegschnappen. Wirklich gewagt ist es allerdings, als Ausflug ins Umland einen Trip nach Rotterdam zu empfehlen. Das wäre ungefähr so als ob man in einem Köln-Reiseführer einen Bummel über die Düsseldorfer Kö vorschlägt. Dennoch ist das Buch ein perfekter Begleiter für den kurzen Wochenendtrip an die Amstel, inklusive Stadtplan und Metronetz. Sogar an Familien mit Kindern wird gedacht, für Amsterdam nicht die allererste Zielgruppe.