Neun Papageien im Haus - Frau siegt gegen Stadt Geldern

Im Streit um 9 Kakadus in einer Wohnung hat die Stadt Geldern jetzt vor dem OVG Münster verloren.
Im Streit um 9 Kakadus in einer Wohnung hat die Stadt Geldern jetzt vor dem OVG Münster verloren.
Foto: Archiv/Lutz von Staegmann, Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Stadt Geldern kann einer Vogelhalterin nicht verbieten, neun Kakadus in ihrer Wohnung zu halten. Das hat das OVG in Münster jetzt entschieden.

Münster/Geldern.. "Ein Leben mit Tieren gehört zum Wohnen": Nach diesem Grundsatz hat das Oberverwaltungsgericht für NRW (OVG) in Münster am Donnerstag einer Vogelhalterin Recht gegeben. Die Frau hatte neun Kakadus in ihrer Wohnung gehalten. Deren Geräusche beschrieben Nachbarn laut örtlichen Medienberichten als "reinsten Terror". Die Stadt verfügte deshalb vor drei Jahren, dass die Frau nur höchstens zwei Kakadus halten dürfte. Dagegen zog die Papageienfreundin vor Gericht.

Über elf Jahre sorgten die Kakadus bereits für Ärger in der Straße im Geldener Ortsteil Kapellen. Schon im Oktober 2004 hatte die Stadt erste Auflagen zur Haltung der Kakadus gemacht. Die Niederlage vor Gericht kommt für die Stadt Geldern überraschend. Denn nach einer Veränderung von Zuständigkeiten lag der Fall jetzt zum zweiten Mal vor dem OVG. Im Januar 2014 hatte man dort noch der Stadt Geldern Recht zugesprochen.

"Theoretisch kann die Frau jetzt wieder neun Papageien halten"

"Unsere Ordnungsverfügung ist aufgehoben. Theoretisch kann die Frau jetzt wieder sofort neun Papageien in ihrer Wohnung halten", sagte ein Sprecher der Stadt Geldern am Donnerstag auf Anfrage hörbar konsterniert. Die Stadt will sich weitere rechtliche Schritte vorbehalten, weil jetzt ja zwei widersprüchliche Entscheidungen des OVG vorliegen.

Mietrecht Beim Deutschen Tierschutzbund rät man indes generell davon ab, Kakadus und andere Papageien in einer Wohnung zu halten: "Diese Tiere gehören nicht in einen Privathaushalt". Kakadus benötigten viel Platz und ein besonderes Raumklima mit 60 bis 70 Prozent Luftfeuchte. Zum Vergleich: Für Wohnräume werden 40 bis 60 Prozent empfohlen. Zudem sind Kakadus von Natur aus sehr laut. Auf einer Spezialseite im Internet heißt es dazu: "Kakadus haben eine sehr laute Stimme, mit der sie sehr unterschiedliche Geräusche (z. B. Pfeifen, Kreischen und Krächzen) erzeugen können". Marius Tünte, Sprecher vom Deutschen Tierschutzbund, sagt dazu: "Hundegebell ist nichts dagegen". Kakadus seien außerdem "schwer zu bändigen, weil sie nicht auf Menschen als Sozialpartner fixiert sind".

Stundenlanges schrilles Pfeifen

Papageiengeschrei beschäftigt immer wieder auch Gerichte, sagt Aichard Hoffmann, Sprecher des Mietervereins Bochum. So habe etwa das Oberlandesgericht Düsseldorf vor einigen Jahren entschieden, dass Nachbarn stundenlanges schrilles Pfeifen eines Papageis nicht hinnehmen müssen; Dem entsprechenden Vogelhalter wurden damals 500 Euro Geldbuße aufgebrummt. Das Landgericht Zwickau habe 2001 geurteilt, Papageien dürften gar nur eine Stunde am Tag lärmen; das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte dazu 1996 bestimmt, Papageienlärm sei täglich nur von 9 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr zu dulden. Ähnliche Auflagen hatte die Stadt Geldern der Kakadu-Halterin erstmals im Oktober 2004 gemacht.

Tier-Messie Von der Vogelhalterin weiß man indes in Geldern derzeit nicht viel. Zwischenzeitlich soll sie in Issum und dann in Rheinberg gewohnt haben. Seit einiger Zeit sei sie wieder in Geldern in der Doppelhaushälfte im Ortsteil Kapellen gemeldet. "Ob sie dort tatsächlich wohnt, wissen wir nicht", sagt Stadtsprecher Herbert van Stephoudt. Die Rolläden an dem Haus sollen seit Wochen zugezogen sein. Die Papageien, heißt es gerüchteweise, seien in einer Tierpension untergebracht. Sollten sie zurückkehren, hätten Nachbarn laut einem Bericht der örtlichen Zeitung bereits Konsequenzen angekündigt: "Dann ziehen wir aus!"

Informationen zum Halten von Haustieren in Wohnungen hat der Mieterverein Bochum in einem Ratgeber zusammengefasst. Er findet sich hier.