Moerser sind mit 150 Tonnen unterwegs
03.08.2010 | 18:38 Uhr 2010-08-03T18:38:00+0200
Moers/Wuppertal. Es ist 22 Uhr. Die rund 53 Tonnen schwere Ladung ist sicher, das trockene Wetter verspricht eine gute Straßenlage für den Schwertransport. Fahrer, Beifahrer und Begleitfahrzeug sind startklar. Aber wo bleibt die Polizei?
Die Mitarbeiter der Firma Kahl Schwerlast GmbH in Moers-Repelen bleiben gelassen. Denn wer in der Logistikbranche tätig ist, muss nicht nur gut planen können, sondern auch flexibel sein. Auch, wenn ihnen die Zeit im Nacken sitzt. Noch in der Nacht soll die neue Brücke 101 der Wuppertaler Schwebebahn an der Station „Zoo/Stadion“ in Sonnborn abgeliefert werden.
Das Moerser Unternehmen ist Lagerstelle und Transportunternehmen für die alten und neuen Teile des Einschienigen Hängebahn-Systems, wie die um 1900 errichtete Bahn offiziell heißt. „Die Brücken sind mehr als 110 Jahre alt und müssen nun nach und nach ausgetauscht werden“, erklärt Bernhard Auberger, Projektleiter für den Schwebebahn-Transport bei Kahl Schwerlast.
Bis 2013 werden die Streckenabschnitte in der Ferienzeit erneuert. Dazu arbeitet das Moerser Unternehmen mit zahlreichen Firmen zusammen. „Die Brücken werden von Unternehmen in Österreich und in Süddeutschland nach historischem Vorbild gefertigt. Von dort müssen sie zu uns in die Pattbergstraße, wo wir sie zwischenlagern. Montagefirmen vervollständigen die Arbeiten vor Ort. Und wenn alles fertig ist, folgt der Transport nach Wuppertal“, so Auberger.
Mittlerweile ist es 22.45 Uhr. Die Ordnungshüter melden sich. Ihre Kollegen von der Autobahnpolizei seien in der Nacht nur mit zwei Fahrzeugen im Einsatz, heißt es. Die Abfahrt verzögert sich. Fahrer Tim Walden macht es sich nochmal bequem. Seit 10 Uhr ist er auf dem Gelände in Repelen zugange. Die Verladung der Brücke musste vorbereitet, die Achsmodule des hydraulischen Lkw zusammen gestellt werden. Um 18 Uhr kontrollierte die Polizei den Schwerguttransport, der bis zu 150 Tonnen inklusive Fahrzeug wiegt. Fünf Stunden lang dauerte dann die Verladung der 41 Meter langen, sechs Meter breiten und 4,65 Meter hohen Schwebebahn-Brücke am Nachmittag. Ein anspruchsvoller Auftrag.
Über die finanzielle Größe des Transportes gibt es dagegen weder von Kahl Schwerlast noch der Wuppertaler Schwebebahn eine Auskunft. Vor sechs Jahren erhielt das Moerser Logistikunternehmen - vor allem dank seines riesigen Betriebsgeländes - den tonnenschweren Auftrag. Doch der Transport der riesigen Stahlteile sei schwierig, so der Projektleiter. Nicht wegen des Gewichtes, sondern aufgrund der Abmessungen. „Solche Fahrten vorzubereiten, die Genehmigungen einzuholen und den Transport durchzuführen, kosten manchmal Nerven und die Mitarbeiter schlaflose Nächte.“
Heute bestimmt. Es ist mittlerweile 0.30 Uhr, noch immer steht der Lkw samt Brücke in Moers. Dann endlich: Die Autobahnpolizei ist da, es kann los gehen! Fahrer Tim Walden ist hellwach. Über die A 57 und die A 46 bewegt er das Monstrum gemächlich nach Wuppertal-Sonnborn. Am Hildener Kreuz und an der Ausfahrt Sonnborn muss das Begleitfahrzeug der Firma Kahl Autobahnschilder ab- und wieder anmontieren, damit der Schwertransport vorbeikommt. Nun sind es nur noch wenige Meter bis zur Baustelle auf der gesperrten Sonnborner Straße. Tim Walden rangiert das Fahrzeug vor den hydraulischen Kran.
2.15 Uhr ist es geworden. Es wird abgeladen. Die Monteure, die noch in der Nacht die neue Brücke auf die Hilfskonstruktion hieven müssen, warten bereits. Die Haken der Kranseile werden befestigt, das tonnenschwere Stahlteil vorsichtig angehoben. Tim Walden fährt den Lkw weg. Die Brücke schwebt kurz in der Luft, bevor sie auf der Straße abgesetzt wird. Es ist 3 Uhr und es regnet. Feierabendzeit für die Mitarbeiter von Kahl Schwerlast. Bis 5 Uhr muss die Brücke von der Straße sein. Denn dann muss der Verkehr in Sonnborn wieder fließen...
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