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Mit Vollgas in die Sackgasse

27.06.2008 | 18:48 Uhr

VERKEHR. Die NIAG fährt weiter Verluste ein. Bilanzen wurden durch Auflösung von Rückstellungen aufgehübscht. Neue Logistik-Aufträge bleiben aus. Vorstand wurde abgelöst.

MOERS. Die NIAG-Privatisierung ist offensichtlich längst nicht so erfolgreich verlaufen, wie vom Unternehmen jüngst noch öffentlich dargestellt wurde. Die Bilanz tendiere in Richtung einer schwarzen Null, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe AG, Heinz-Dieter Bartels (CDU). Die NIAG gehört zu 51 Prozent der Rhenus Veniro AG und dem Kreis Wesel. "Das ist nur der Auflösung von Rückstellungen zu verdanken. Im operativen Geschäft fährt die Gesellschaft weiter Defizite ein", entgegnete der Landrat des Kreises, Dr. Ansgar Müller, auf NRZ-Anfrage. Zwar hätten sich die roten Zahlen bei der Gesellschaft verringert, doch das sei lediglich auf Restrukturierungsmaßnahmen zurückzuführen, die bereits vor der Privatisierung am 1. Januar 2006 eingeleitet worden waren.

Keine zusätzlichen Aufträge

Auch erhoffte zusätzliche Einnahmen aus dem LogistikGeschäft, die im Rahmen der Privatisierung vor zweieinhalb Jahren in Aussicht gestellt wurden, konnten bisher nicht erzielt werden. "Da ist nichts ins Sicht", betont Landrat Dr. Müller. Insbesondere die Hoffnung auf neue Einnahmequellen hatte für das Zusammengehen der NIAG, die unter anderem auch den Hafen Orsoy betreibt und ein Eisenbahnunternehmen besitzt, mit Rhenus Veniro (damals Rhenus Keolis) gesprochen.

Ein weiteres Indiz dafür, dass die NIAG offensichtlich in eine falsche Richtung unterwegs ist, liefert der vor wenigen Tagen vollzogene Vorstandswechsel. Bereits im Mai hatte der bisherige Vertreter von Rhenus Veniro im NIAG-Vorstand, Gregor Gasthaus, vorzeitig sein Amt niedergelegt. Er wurde weit vor Ablauf seines Dreijahresvertrages durch den Dinslakener Dr. Werner Kook, der bisher für den Rhenus-Mutterkonzern Rethmann die Geschäfte bei der Interseroh AG in Köln geführt hatte, ersetzt. Das zweite Vorstandsmitglied Henrik Behrens wechselt in den Aufsichtsrat. Für ihn rückt Wolfgang Orth, Regionalleiter West bei Rhenus Veniro, nach.

Wie aus NIAG-Kreisen verlautete, soll der Abschied von Gasthaus nicht freiwillig gewesen sein. Angeblich habe der Kempener mehr das Wohl der NIAG und weniger das Interesse des Mehrheitseigentümers Rhenus im Visier gehabt. "An solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht", erklärte der Weseler Landrat Dr. Ansgar Müller.

Auch Henrik Behrens, Geschäftsführer der Rhenus Veniro im NIAG-Aufsichtsrat, wollte dazu keine Stellung nehmen.

MARKUS PETERS



Kommentare
29.06.2008
19:08
Mit Vollgas in die Sackgasse
von Willi Heuvens | #2

Ein Hin- und Hergeschiebe von Posten und Managern. Verliert ein Busfahrer seinen Job und ist über 40 Jahre alt, bekommt er ganz schnell Hartz IV, unfähige Manager erhalten Abfindungen oder andere Jobs mit gleich hoher Bezahlung. Kein Wunder, dass die Menschen im Land politikverdrossen sind. Und es wächst die Rechte im Land, Verantwortung tragen die Altparteien, die mittlerweile verschlissen sind.

29.06.2008
12:54
Mit Vollgas in die Sackgasse
von Günther Stein | #1

Vorstände ohne Verstand. Hoffentlich sind nicht wieder Abfindungen gezahlt worden die der ehrliche Busfahrer in sein ganzes Leben nicht kriegt. Hier muss ein Busfahrer ran, nur so kommt Sachverstand in Managerhand. Der weiß auch das am Ende von der Sackgasse Schluss ist!

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