Mit Muscheln und Algen nach den Michelin-Sternen greifen

Sterneküche Pure C in Cadzand
Sterneküche Pure C in Cadzand

Cadzand-Bad..  Petermännchen? Aber die sind doch giftig! Syrco Bakker grinst: „Wir riskieren unser Leben für ein gutes Menü!“ Das ist etwas übertrieben, denn tödlich ist der Giftstachel der kleinen Grund-Fische nicht. Aber für Badegäste, die darauf treten, sehr schmerzhaft. Immer häufiger leben die kleinen Quälgeister an den holländischen Nordsee-Stränden. In Frankreich werden sie seit jeher als Speisefische geschätzt. Syrco Bakker, der junge Meisterkoch, serviert die filetierten Fischlein mit Fenchel, Rosenwasser und Verbenen.

Regional und rebellisch - so könnte man die Küche nennen, mit der der Niederländer sich schon vor drei Jahren den ersten Stern erkocht hat. Der 30 -Jährige hat einen Dünengarten angelegt, dort sammelt er herb-salzige Kräuter, Sanddorn und Algen. Ja, richtig, Algen sind ein wichtiger Bestandteil seiner modernen Sterneküche. Austern, feinster Iberico-Schinken und dicke Pommes dürfen aber auch nicht fehlen. Das alles sind heute nur die Vorspeisen. Und sie werden geteilt... „Sharing“ ist auch in der feinen Küche gerade ein Trend. Wer in lockerer Runde mit Freunden essen will, dies und das probieren von Tellerchen, die einfach in die Mitte gestellt werden - der ist bei Bakker im „Pure C“ genau richtig Man spricht es „pure sea“- die pure Seeliebe. Feine Küche für Einsteiger. Man muss nicht extra chic angezogen sein, man muss nicht hochnäsig gucken oder überlegen, welche Gabel zu welchem Gang gehört. Aber Geduld mitbringen, denn wer am Wochenende abends für ein 6-Gänge-Menü reservieren möchte, muss das etwa drei Monate im Voraus tun. In der Bar, fürs Mittagslunch oder zum Häppchen teilen bekommt man schneller einen der begehrten Plätze. Egal ob bei Kerzenlicht im weiß-schlichten Restaurant oder bei chilligen Sounds in der Bar - Lust auf kulinarische Abenteuer, auf völlig neue Geschmackserlebnisse muss man schon mitbringen. Das ganz dicke Portemonnaie nicht, denn hier soll ja ein junges Publikum angesprochen werden. Das Mittagsmenü mit vier Gängen gibt es schon für 52 Euro, das große Abendessen kostet etwa das Doppelte. Dazu gibt es den einzigartigen Blick auf einen orangeglühenden Sonnenuntergang über dem Meer. Ibzia-Feeling an der holländischen Nordseeküste. Was ist jetzt schöner angerichtet? Das Essen auf dem Teller mit Blüten und Essenzen und durchsichtigen Knusper-Kräckern? Oder der alkoholfreie Cocktail auf einem grünglitzernden Eisberg mit Strohhalm? Der Küchenchef hat es eilig. „J’arrive!“ ruft er zur Warnung - „ich komme!“ Vorspeise zwei? Desserts? In der Küche arbeiten alle konzentriert, schnell und leise, denn der Chef mag kein Gebrüll. Die Umgangssprache in dem jungen Team ist meistens Englisch, hin und wieder Küchen-Französisch, selten Holländisch. Alle, ob Kellner oder Koch, tragen die gleiche Kluft - ein Art Kampfanzug mit vorgeknöpfter Schürze, sehr stylish. Einige der jungen Gäste finden die Montur so gut, dass sie sie selber anziehen wollen. Kein Problem, kann man kaufen. Die Rezepte als Kochbuch übrigens auch. Vorsicht mit den Petermännchen! Infos unter www.pure-c.nl