Mit Laptop und Fahrrad
06.05.2009 | 16:04 Uhr 2009-05-06T16:04:00+0200
In vier Monaten startet die Hochschule Rhein-Waal. Präsidentin Marie-Louise Klotz will für die Studenten ideale Bedingungen
Kleve. Der Teppich riecht ganz neu, die Telefonanlage ist noch nicht richtig installiert und die großformatigen Bilder im Arbeitszimmer von Marie-Louise Klotz lehnen an der Wand. Vor zwei Tagen hat die Präsidentin der neuen Hochschule Rhein-Waal ihre Dienststelle an der Landwehr in Kleve bezogen. Bis September soll sie mit ihrem Team eine Hochschule aus der Wiege heben. Eine Mammutaufgabe.
Am 21. September soll die Hochschule Rhein-Waal starten. Werden Sie das schaffen?
Wir stehen sicherlich unter einem gewissen Druck, aber wir arbeiten hart am Aufbau der Infrastruktur. Dass das zu schaffen ist, war von Anfang an unsere Zielvorgabe und das hohe Tempo hat ja auch seine Reize. Es ist daher gut, dass wir erst einmal mit einer kleinen Gruppe Studierender beginnen werden. Der Start wird in diesem Gebäude an der Landwehr sein, die freien Räume werden entsprechend eingerichtet. Woran wir zurzeit arbeiten sind die Labore für die technischen Fächer. Da werden wir auch mit den Schulen zusammenarbeiten und mit der Kisters-Stiftung.
Woran arbeiten sie jetzt?
Ich kümmere mich um das Studienangebot und um die Auswahl der ersten Professoren. Die Stellen müssen ausgeschrieben werden, die Studiengänge für das Wintersemester stehen schon: Bio Science and Health sowie International Business und Social Sciences in englischer Sprache am Standort Kleve und in Kamp-Lintfort startet E-Government.
Mit wie viel Professoren gehen Sie an den Start?
Wir werden in diesem Jahr acht Professoren berufen. Im Endausbau wird die Hochschule 120 Professoren haben. Plus Professoren, die von der Industrie bezahlt werden und plus Professoren, die wir dan der Studienbeiträge einstellen können.
Wie hoch werden die Studiengebühren sein?
Das sind 500 Euro für ein Vollzeitstudium und 250 Euro für ein duales Studium, das heißt, Ausbildung kombiniert mit Studium. Zusätzlich wird dann der Semesterbeitrag für für Busticket und Versicherung erhoben.
Welche Abschlüsse werden sie anbieten?
Zunächst werden es Bachelorabschlüsse sein. Das heißt, sieben Semester Studium und dann erhält man einen Bachelor of Arts, of Engineering oder Bachelor of Science. Danach kann man ein dreisemestriges Masterstudium absolvieren.
Wie locken sie gute Professoren nach Kleve?
Gute Lehrende bekommt man durch Netzwerke. Ich glaube nicht, dass Kleve ein Abenteuer ist. Professoren lieben mitunter Neuanfänge und wollen sich verändern. Es kann aber auch sein, dass wir Kandidaten aus der Industrie aufnehmen, die für ein Professorenamt geeignet sind.
Kleve liegt weit ab vom Schuss. Wie überzeugen Sie junge Leute?
Kleve ist eine schöne Stadt. Wir werden ein interessantes Studienangebot aufbauen und wir werden auch Freizeitangebote organisieren müssen. Ich denke, dass wir zunächst hier Studierende aus der Region haben werden. Initiativbewerbungen liegen schon vor. Wir werden Schulen und Berufskollegs besuchen, um auf uns aufmerksam zu machen. Die Qualität der Lehre ist dabei sehr entscheidend. Ich verspreche mir viel von dem englischsprachigen Studiengang. Weiterhin soll jeder Student ein Handy, ein Laptop und ein Fahrrad bekommen, damit er sich hier bewegen kann. Wir versuchen das durch Sponsoring hinzubekommen.
Von der Wirtschaft wurden finanzielle Zusagen gemacht. Werden die eingehalten?
Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht. Ich werde viele Gespräche mit Vertretern der Wirtschaft führen und das freundlich einfordern, was zugesagt worden ist. Aber ich kann aufgrund der wirtschaftlichen Lage natürlich auch verstehen, wenn der eine oder andere einen Schritt zurück tritt. Aber es geht nicht nur ums Geld. Einige Firmen haben zugesagt, dass sie Auszubildende einstellen, die bei uns ein Studium aufnehmen.
Im Vorfeld gab es Streit zwischen Kamp-Lintfort und Kleve über die Gewichtung der Standorte. Was werden Sie machen?
Wir folgen natürlich den gesetzlichen Vorgaben. Der Hauptstandort ist Kleve, der zweite Standort ist Kamp-Lintfort. Im Endausbau der Hochschule sollen 60 Prozent der 5000 Studierenden in Kleve sein und 40 Prozent in Kamp-Lintfort. So planen wir. Aber Studierende lassen sich schlecht planen. Sie entscheiden nach Interesse und Studienangeboten. Die Zukunft wird zeigen, in welcher Höhe sich die Studierenden auf welchen Standort verteilen. Uns ist erst einmal wichtig, dass sie kommen und gute Abschlüsse machen. Wir fangen klein an: 50 Studierende in Kamp-Lintfort und 100 in Kleve.
Ist der Streit beigelegt?
Also wir beschränken uns hier auf die Sacharbeit. Ich kann nur sagen, Landräte und Städte sind äußerst kooperativ und hilfreich. Wir sind zusammen ein Team. Jetzt muss man uns – bei allen Wünschen – auch erst einmal machen lassen. Wir wollen ein Miteinander und versuchen auch die Wünsche der Wirtschaft aufzunehmen.
Wird es eine Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen geben?
Grundsätzlich ja. Es hat erste Gespräche mit Venlo und Nimwegen gegeben. Aber wir stehen ja erst am Anfang. Sicherlich wird kritisch geschaut, was wir machen. Die Befürchtung ist natürlich, dass wir uns gegenseitig die Studierenden wegnehmen. Wir sind Konkurrenten um die gleiche Ressource. Die Frage wird sein, was können wir den jungen Menschen bieten. Wir haben uns fest vorgenommen, Fächerüberschneidungen zu vermeiden und da, wo es möglich ist, zusammen zu arbeiten.
Nehmen Sie Einfluss auf die künftigen Gebäude?
Sehr stark. Es ist eine phantastische Situation, die der Kreis Kleve uns hier bietet. Wir ermitteln gerade, welche Gebäude und bautechnischen Voraussetzungen jeder Studiengang benötigt. Der Architekten-Wettbewerb wurde bereits europaweit ausgeschrieben. Wir sind mit in der Jury und machen das Raumkonzept: Wo sind welche Räume, in welcher Größe, bis hin zur letzten Steckdose. Das ist eine spannende Aufgabe. Realistischerweise wird der Bau Anfang 2010 beginnen und zwei bis drei Jahre dauern.
Ab dem 18. Mai wird sich die Hochschule Rhein-Waal im Internet präsentieren. Unter www.hochschule-rhein-waal.de wird man alle Informationen zu den Studiengängen finden können. Bis zum 15. Juli können sich Schüler und Studenten einschreiben. In Kleve werden die Studiengänge Bioscience and Health (angewandte Naturwissenschaften) sowie International Business and Social Sciences (Betriebswirtschaftlehre) angeboten. In Kamp-Lintfort geht das Studium E-Government (Verwaltungsinformatik) an den Start. Marie-Louise Klotz war zuletzt Dekanin an der Fachhochschule Niederrhein in Mönchengladbach.
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