„Mit anderen Augen“

Duisburg..  Charlie Chaplin, Rita Hayworth, Yul Brynner, Marianne Rosenberg und Django Rheinhardt haben etwas gemein: sie sind Künstler, die unser gesellschaftliches Leben mit Filmen und Musik bereichern. Ihre Talente brachten ihnen Ruhm. Und sie haben noch etwas gemein: Sie sind Roma, beziehungsweise deutsche Sintezza wie Rosenberg, und Sinto wie Rheinhardt.

Kreative Talente und Fähigkeiten – neben Musik, Tanz und Kunst auch Handwerksfertigkeiten und Tierpflege – waren es auch, die vor 900 Jahren tausende ihrer nordindischen Vorfahren nach Verschleppung zu begehrten Sklaven machten, die nach der Erweiterung des Osmanischen Reiches im Mittelalter nach Europa kamen.

„Sinti, ganz vereinfacht, sind sozusagen die deutschen Roma – wie Bayern oder Sachsen, die bereits seit dem Mittelalter bei uns leben“, erklärt Wolfgang Esch von der Stiftung Brennender Dornbusch, die die aktuelle Ausstellung „Mit anderen Augen – Otto Pankok: Sinti Porträts & Joakim Esklildsen: Roma-Reisen“ in der Kulturkirche Liebfrauen in Duisburg gemeinsam konzipierte mit dem Pankok-Museum in Hünxe, der Gallery Taik Persons Berlin, dem Verband Deutscher Sinti & Roma – Landesverband Baden-Württemberg e. V. und dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt. Zu sehen ist die Schau im Rahmen des Kulturfestivals Akzente zum Thema „Heimat“.

Die Ausstellung ist geteilt in drei Bereiche: Fotografien von Eskildsen, Kohlezeichnungen von Otto Pankok und Info-Stationen rund um Historie der Roma und die zahlreichen Klischees um sie.

Eskildsen zeigt das aktuelle Leben und die Situation der Roma in unterschiedlichen Ländern von Indien – dem Ursprungsland, dessen abgewandelte Volkssprache Sanskrit zu Romanes wurde, der Roma-Sprache – über Griechenland, Rumänien, Russland, Ungarn, bis nach Finnland und Frankreich. Eskidsen rückt die Menschen in Porträts und Milieustudien ins Bild. Sechs Jahre lang reiste der Fotograf auf ihren Spuren, über die er etwas lernen wollte und später sagt: „Je mehr wir über die Roma erfuhren und sie kennenlernten, desto größer wurden unser Interesse und die Sympathie für sie.“

Rund um den Altar der Oberkirche sind die Kohlezeichnungen des Malers (auf Romanes: Molari) Otto Pankoks zu sehen. In den 1930er Jahren zeichnete er auf dem Heinefeld in Düsseldorf in einem ehemaligen Hühnerstall beinahe liebevollen Sinti-Porträts und Familienszenen. Sie waren hier seine Nachbarn, die Freunde wurden. Und er malt auch die wenigen von ihnen, die nach der Nazi-Terrorherrschaft aus Auschwitz zurückkehrten – leidend, gebrochen.

Eine sehr sehenswerte Ausstellung über eine auch heute noch verunglimpfte, kriminalisierte, mit Klischees behaftete und vor allem leider ausgeschlossenen Volksgruppe – informativ, emotional und aus dem wahren Leben, das nicht in eine Schublade passt.