Mehr als ein Pflänzchen

Kamp-Lintfort..  Viel Blühendes und Grünes gibt es in diesen, noch recht kühlen Frühlingstagen nicht im Garten zu sehen. Die orientalischen Christrosen blühen, die Winterheckenzwiebel zeigt erstes, saftiges Grün zwischen dem braunen, vertrockneten Laub und auch die Melisse grünt schon ganz früh mit ihren ersten Blättern. Der Kräutergarten Kloster Kamp liegt noch ein bisschen im Winterschlaf..

„Wir fangen jetzt gerade erst an, alle Beete wieder zu bearbeiten und vom Laub zu befreien“, sagt Cornelia Merkamp. Die 51-jährige Kräuterpädagogin leitet das Projekt „Kräutergarten“ des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp seit 2012. „Da habe ich den Garten neu konzipiert und gestaltet, gemeinsam mit sechs weiteren Ehrenamtlern, die hier arbeiten.“ Wie es dazu kam? „Ich wurde angerufen und gefragt“, sagt die Kerkenerin.

Die Kräuterpädagogin war zunächst lange Jahre mit einem eigenen Kräuter-Unternehmen tätig. „Den Kräutergarten am Kloster Kamp zu betreuen, einem öffentlichen Ort, mit viel Publikumsverkehr und einer besonderen, historischen Ausstrahlung, bietet sehr viele Möglichkeiten, um so viel wie möglich zum Thema an die Besucher weiterzugeben“, meint die Kräuter-Fachfrau.

Lesungen und Vorträge werden im Sommer draußen, im Winter drinnen angeboten. Der Garten ermöglicht es der Kräuterpädagogin auch, bestimmte Themen, wie Heilpflanzen oder Gewürze in den Mittelpunkt zu stellen. In diesem Jahr steht der Kräutergarten unter dem Motto „Kleine Gartenapotheke“. „Das Thema geht auf Kneipp zurück“, sagt Cornelia Merkamp. „Es geht dabei aber um gesunde Ernährung, nicht um medizinische Anwendungen.“

Ganz hinten links in der Ecke, vor dem Gebäude, sind die Pflanzen mit gesunder Wirkung der „Kleinen Gartenapotheke“ im Kräutergarten zu finden. „Die Winterheckenzwiebel, die übrigens Heilpflanze des Jahres ist und antibiotisch wirkt und für den Stoffwechsel eingesetzt wird, gehört dazu, aber auch der Thymian ist hier zu finden, der bei Erkältungen gebraucht wird, aber auch eine wunderbare Pflanze zum Würzen ist, weil sie sehr gut schmeckt.“

Auch die Melisse, „die im Tee Schmeckt oder in einer Salbe gegen Herpes wirkt“, steht hier ebenso wie Hamamelis, Heckenkirsche und Flieder, der mit seinem Duft gut für die Hautpflege geeignet ist. Insgesamt 53 Pflanzen gehören zur „Kleinen Gartenapotheke“. Im Kräutergarten gesamt sind mehr als 350 verschiedene Pflanzensorten zu finden. „Wir haben hier eine sehr umfangreiche Sammlung an Pflanzen“, sagt die Kräuterpädagogin.

Doch ein Kräutergarten kann noch viel mehr, als nur zur gesunden Ernährung und Gesundheit beitragen oder Würze liefern. „Viele Kräuterpflanzen sind auch besonders wichtig als Bienenweide. Dieser Naturaspekt ist sehr wichtig, auch wenn man mit den Besuchern über einen möglichen Kräutergarten bei ihnen zu Hause spricht“, weiß Cornelia Merkamp. Ein Kräutergarten blühe schließlich schon und noch, wenn es ansonsten im Garten karg ist.

„Der Kräutergarten ist aber auch reines Naturerlebnis und Entspannung an einem meditativen Ort.“ Und er ist Abenteuerraum, zum Beispiel für Kinder, für die die Kräuterfrau Ferienerlebnisse anbietet und sie zu Kräuterexperten ausbildet oder auch Sinneserfahrungen für altere Menschen, die hier riechen und fühlen und natürlich auch probieren dürfen. „Wobei Letzteres immer möglich ist, außer dort, wo Pflanzen als ‘giftig’ gekennzeichnet sind“, sagt Cornelia Merkamp. Der Kräutergarten Kloster Kamp ist eben ein vielseitiger Ort. Einer, den es selbst zu erleben gilt – nicht nur im Sommer...