Mal was anderes

Foto: NRZ

Am Niederrhein..  Natürlich konnte dieser Mann auch malen. Bei all seinen Kühen, die er in Holz geschnitzt und in Bronze gegossen hat, und zwar in höchster Formvollendung, ist sein zeichnerisches Talent ziemlich in Vergessenheit geraten. Tja, viele seiner Fans reisen sowieso bloß bis ans Ende dieser Republik, um im Museum Kurhaus in Kleve all seine stehenden, liegenden, grasenden und schlafenden Rindviecher zu bewundern. Nun, sie werden auch in der neuen Ausstellung „Die Berliner Jahre 1907-32 “ nicht enttäuscht.

Ganz am Ende dieser überraschenden Bilderreise, in den Räumen 15 und 16 in der ersten Etage, gibt es selbstverständlich auch Kühe zu sehen. Eingefleischte Mataré-Fans müssen aber schon etwas ausstehen, bevor sie in den gewohnten Genuss jener Skulpturen kommen, mit denen der gelernte Maler, der 1887 in Burtscheid bei Aachen geboren wurde und 1965 in Büderich bei Düsseldorf starb, zu weltweitem Ruhm gelangte.

Immerhin, schon in Raum 14, weiden drei braun gebrannte Kühe auf einer Wiese. Das Besondere an diesem friedvollen Moment in Öl ist nicht wirklich die sich schon damals abzeichnende Matarésche Form der Tiere, sondern die Farbe, die der Malermeister auf die Leinwand brachte.

Welch eine Überraschung! Ewald Mataré konnte nicht nur malen, er tat dies sogar in Blau, Grün oder Rot, wenn auch gedeckt. Für den späteren Bildhauer, der den Minimalismus zu seinem Markenzeichen gemacht hatte, ist dieses Werk ungewöhnlich, weil untypisch, ja es ist geradezu unglaublich. „Wer dieses Bild sieht und nicht weiß, von wem es ist, würde niemals auf Ewald Mataré kommen“, ist sich Kuratorin Valentina Vlasic sicher.

Als sie im Nachlass des Künstlers stöbern durfte, der seit 1988 von der Stadt Kleve verwaltet und von Tochter Sonja Mataré gepflegt und gehegt wird, war sie genauso verblüfft wie die Besucher dieser Ausstellung es jetzt sind. „Das soll ein Mataré sein?“, entfährt es ihr immer wieder, wenn sie vor den Bildern steht, die sie in dessen 50. Todesjahr an die Wände des Museums gebracht hat.

Ewald Mataré wuchs großbürgerlich auf, sein Vater war Direktor einer Chemiefabrik. Zunächst bekam er Privatunterricht beim Bildhauer Karl Krauß und beim Maler Eugène Klinckenberg. 1907 begann er in Berlin zu studieren. Nicht an der Akademie der Künste, sondern an der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste. Ein kleiner, feiner Unterschied. Und ein Fehler, der sich in die Literatur über Mataré eingeschlichen hat und leider nur sehr schwer aus der Welt zu schaffen ist, bedauert Valentina Vlasic.

Zudem merkt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums Kurhaus Kleve an, sei das Werkverzeichnis des Künstlers korrektur- und ergänzungsbedürftig. Daran werde gerade gearbeitet.

Das Frühwerk Ewald Matarés entstand vor allem im Berlin der 1910er Jahre. Zunächst war er aufmüpfiger Schüler von Lovis Corinth, danach war er Meisterschüler von Arthur Kampf. Hier lernte er sein Handwerk, wie die präzisen Linienführungen seiner unzähligen Menschenporträts gut erkennen lassen.

1916, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde er zum Militärdienst einberufen, doch schon nach wenigen Monaten war dieser Kampf für ihn aus gesundheitlichen Gründen aus. Dennoch prägte dieser Wahnsinn, wie viele seiner Künstlerkollegen, auch ihn.

1918 trat er der revolutionären Künstlervereinigung „Novembergruppe“ bei, die zwei Jahre zuvor von Max Pechstein mitgegründet wurde. Sein Stil änderte sich, sein Material auch. Aus dem Maler wurde allmählich ein Bildhauer.

Von seinem Frühwerk wollte Ewald Mataré schnell nichts mehr wissen, er verwarf es, zerstörte es sogar. Zum Glück aber blieben ein paar Gemälde übrig.