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Mahlen nach Zahlen

02.09.2009 | 18:13 Uhr

Damit sich die Flügel der Lohmühle in Baerl wieder drehen, sind noch viel Zeit, Geduld und vor allem Fördergelder nötig.

Auf dem Treppenabsatz liegt ein gelbes Messingschild. Darauf steht: „Rauchen verboten”.

Ein Witz, wirklich ein Witz. Denn hier, in der alten Lohmühle im Duisburger Stadtteil Baerl, ist es sowas von staubtrocken. Die knarzenden Bretter, die knochenharten die Böden machen den Eindruck, als fingen sie schon Feuer, wenn man sich zu feste die Hände reibt – vom Rauchen ganz zu schweigen. Und dieser modrig-würzige Geruch. Man schnuppert kulturhistorisches Gut.

Norbert Nienhaus ist einer dieser Leute, die eine solche Umgebung lieben. Der 61-Jährige tingelt beruflich durch Norddeutschland, wo er für den Rückbau von Fachwerkhäusern zuständig ist. Dann besitzt der Mann auch noch eine eigene Mühle in Eversael. Und im Jahr 2007 hat der Wahl-Rheinberger den Mühlenverein Lohmühle gegründet. Vor einem Jahr begann die Sanierung.

„Wir wollen Kulturgut erhalten”

„Wir wollen das Kulturgut erhalten, die Flügel sollen sich irgendwann wieder drehen”, sagt Nienhaus, der am 13. September – parallel zum Tag des offenen Denkmals – den 175. Geburtstag der Lohmühle in der Duisburger Lohheide feiert.

Die Baerler Turmwindmühle steht an geschichtsträchtiger Stelle. Schon aus dem Jahr 1412 wird vom Verkauf einer Baerlschen Wassermühle berichtet, die damals unterhalb der heutigen Mühle, am wassserreichen Lohbach stand. Viele Jahre später entstand weiter oben eine Bockwindmühle, die dann bei einem Herbststurm vernichtet wurde. 1834 wurde die Turmwindmühle erbaut. Der letzte Mahlvorgang wurde 1960 von Müllerin Käte Hilgenpahl getätigt.

Deren Nichte wuchs die aufwändige Instandhaltung der Lohmühle derart über den Kopf, so dass sie ihr Schätzchen – nachdem durch den Sturm Kyrill ein Flügel auf das Dach eines Nachbarhauses geflogen war – im Jahr 2007 an den Mühlenverein übertrug. Symbolisch für einen Euro.

Bei der Sanierung der Mühle – übrigens von Leiharbeitern der Duisburger Arge ausgeführt – wird's nun eine Spur kostspieliger. Das Motto könnte lauten: Mahlen nach Zahlen. Ob sich die Flügel wirklich wie geplant im Jahr 2011 wieder drehen und die Mühle, laut Nienhaus, „zu Schauzwecken wieder ihre ursprüngliche Arbeit aufnehmen kann, hängt von einer sechsstelligen Summe ab.

„Als gemeinnütziger Verein sind wir auf öffentliche Gelder angewiesen”, so Nienhaus, der insgesamt 290 000 Euro für die Restaurierung veranschlagt. „Das ist viel Geld, und wir leben von der Hand in den Mund. Deshalb wurden aus usprünglich zwei Bauabschnitten nun auch schon vier.”

Den teuersten Sanierungsposten wird sicherlich die Neu-Instandsetzung der alten Mühlentechnik einnehmen. Ehe im Innnern der Mühle Kammrad und Königswelle wieder funktionieren, ehe Spindelkorbrad und Stirnrad wieder ineinander greifen, wird viel Schweiß fließen. Norbert Nienhaus hat sich vom Rauchen verboten-Schild bis in die oberste Etage durchgekämpft und zeigt auf den so genannten Steingalgen, der zum Abheben des 1,2 Tonnen schweren Mühlsteins dient. „Das hier ist alles uralt, und die Denkmalbehörde legt viel Wert auf den Erhalt. Das macht unsere Arbeit schwierig, aber auch reizvoll”, erzählt der gebürtige Essener.

Steine mit Schimmel und Grünspan entfernt

Immerhin stimmt schonmal die äußere Optik. In einem ersten Arbeitsschritt wurden an der konisch geformten Außenwand die alten, schadhaften Backsteine und damit auch Schimmel und Grünspan entfernt und gegen neue Steine ersetzt.

Die Maurer haben ihre Arbeit getan, jetzt sind die Tischler mit dem Dach dran. Zurzeit liegt Kappe noch etwas allein gelassen auf dem Rasen neben der Mühle. Bald müssen die Eichenschindeln runter und neue sorgfältig vernagelt werden. Es sind unzählige Eichenschindeln.

„Das wird deshalb auch eine Heidenarbeit”, weiß Nienhaus. Doch seine Augen blitzen bei diesem Satz. In freudiger Erwartung aufs Endprodukt. . .

Stephan WAPPNER

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