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Lottum feiert das Rosenfest

08.08.2010 | 22:04 Uhr
Lottum feiert das Rosenfest
Die künstliche Burg für das Festival. Foto: Ulla Michels

Lottum. Seit Freitag scheint es, als wolle Lottum, ein Dorf vor den Toren Venlos, die Hochzeit eines liebeskranken Märchenprinzen ausrichten. Zehntausende Besucher bestaunen beim Rosenfestival, welche Blüten die Lottumer Fantasien treiben. Alle zwei Jahre ist das so.

Das Ergebnis übersteigt alle Vorstellungen: Blütenteppiche erwarten sie dort, Löwen aus gelben Moosröschen, Pinguine, kleine Wappen, Kronen und ein üppiger Thron. Schmucke kleine Häuser sind mit Rosenbögen und – vorhängen herausgeputzt, Träume in Blutrot, Pink und Lachs. Hier und dort auch mal ein kleiner, quietschfarbener Alptraum. Erlaubt ist halt, was gefällt.

Zweimal täglich
das Ja-Wort

Sogar eine Hochzeit bieten die Dorfbewohner ihren Gästen: Im zauberhaften Blütenmeer der Kirche ist kein Platz mehr zu haben. Alle wollen dabei sein, wenn die Rosenkönigin fürs dankbare Volk ihrem Rosenkönig das Ja-Wort gibt. Zwei Mal täglich tut sie das, Adel verpflichtet. Drei Tage lang hat das bäuerliche Dorf an der Maas seine Beschaulichkeit verloren. Für 12,50 Euro Eintritt lassen sich viele das Schauspiel nicht entgehen.

Martij Hulsen gehört zum Organisationsteam, erkennbar am grünen Armband. Der junge Mann erklärt sichtlich stolz, dass 1000 Helferinnen und Helfer zwei Jahre lang organisiert, gebastelt und gesteckt haben. Alle sind ehrenamtlich bei der Sache. Zwar wird die Arbeitszeit der Helfer erfasst und vergütet. Mit 3,50 Euro die Stunde, sagt Martij. Die jungen und alten Lottumer behalten das Geld nicht. Sie dürfen bestimmen, welchem Verein oder welcher Institution ihrer Gemeinde sie es geben wollen.

Warum tun sie das? Obwohl die Sprachbarriere den exakten Wortlaut verwischt, wird klar: Es ist eine Ehre. Wer dazu gehört – oder dazu gehören möchte - hilft. So einfach ist das in Lottum. Der persönliche Einsatz reicht mitunter sehr weit: Ein Stoppelfeld dient als Großparkplatz.

Und weil auch ein bäuerliches Dorf die negativen Folgen eines großen Volksfestes spüren kann, bitten Schilder, nicht die Pflanzen zu ‚gießen’. Das tut ihnen nicht gut. Ein Privathaus gleich um die Ecke bietet seine Toiletten an für all diejenigen, denen die Schlange vor den sanitären Anlagen auf dem Dorfplatz zu lang war.

Ruhe für
Rosalinde

Wer soweit nicht gehen wollte, hat zumindest seinen Vorgarten nach Kräften herausgeputzt. Lottum, das von der Landwirtschaft lebt, will Eindruck machen. Und verzaubert seine Gäste – viele unter ihnen haben einen grünen Daumen. Diese Gärten und die wunderbaren Rosen sind der Stoff, aus dem ihre Träume gemacht sind.

Kaum beginnt die Blütenpracht zu welken, bekommt Rosenkönigin „Rosalinde“ ihre Ruhe vom pausenlosen Heiraten, schon keimen die ersten Ideen fürs Rosenfestival 2012. Fantasie und Gemeinsinn seiner Bewohner sind der Dünger zum Wachsen: Lottum blüht.

Susanne Zummermann



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