Lange Haftstrafe

Bocholt..  Das Landgericht Münster hat Piotr K. gestern wegen Totschlags zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Er wurde für schuldig befunden, im November vergangenen Jahres seine Ehefrau auf der Mainstraße getötet zu haben. Der Angeklagte habe die Tat „brutal ausgeführt“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Skawran in seiner knapp einstündigen Urteilsbegründung. Davon zeugten die insgesamt neun Stich- und Schnittverletzungen, die er seinem Opfer zugefügt habe. „Das geht über einen normalen Tötungsakt hinaus. Und auch als eine Zeugin versucht hat, ihn von seiner Frau abzuhalten, hat er weitergemacht.“

Zugute hielt er dem Bocholter, dass er nicht vorbestraft sei und dass er sich zu einem Geständnis habe durchringen können – wenn auch bei erdrückender Beweislage. Piotr K. nahm das Urteil mit gesenktem Kopf und ohne sichtbare Regung entgegen. Wie an den beiden vorangegangenen Verhandlungstagen brach er während der Verhandlung immer wieder in Tränen aus. Er hatte seine von ihm getrennt lebende 58-jährige Ehefrau am 21. November 2014 auf dem Weg zur Arbeit abgefangen. Nachdem er ihr einen Faustschlag in die Rippen verpasst hatte, nahm er sie in den Schwitzkasten und stach mehrfach zu – viermal in die Brust. Schreie der Frau erregten die Aufmerksamkeit der Anwohner, die dem Opfer zur Hilfe eilten.

Die Frau konnte aber nicht mehr gerettet werden und verblutete. Piotr K. flüchtete und zündete später sein Auto an, bevor er sich von der Polizei festnehmen ließ. Vor der Tat hatte er seine Frau monatelang beobachtet und minutiöse Protokolle angefertigt. Der 55-Jährige sagte vor Gericht nichts zum Tathergang und ließ durch seinen Anwalt eine Erklärung vorlesen. Darin räumte er alle Vorwürfe ein. Sein Motiv blieb jedoch weitgehend unklar. Die Verteidigung sprach von einem „Bündel von Motiven“, die zur Tat geführt haben.

Piotr K. habe eine „große Schuld auf sich geladen“ und das wisse er auch, sagte der Anwalt des Angeklagten und forderte neun bis zehn Keine Mordmerkmale Jahre Haft. Wut, Hass und Eifersucht hätten sicherlich eine Rolle gespielt – allerdings seien das normale Gefühlsregungen, die „jeder mehr oder weniger stark von sich kennt“. „Wir können hier keine niederen Beweggründe annehmen“, sagte der Verteidiger. So sah es auch der Vorsitzende Richter.

Ob niedere Beweggründe wie Eifersucht und Habgier sowie Heimtücke eine Rolle gespielt haben, könne nicht eindeutig bewiesen werden, sagte er. Es gebe kein „tatleitendes Motiv“. Im Gegensatz zu den Forderungen der Staatsanwaltschaft habe das Gericht daher keine „Mordmerkmale feststellen können“ und beließ es bei einer Verurteilung wegen Totschlags. Das Gericht blieb in seinem Urteil mit zwölfeinhalb Jahren Haft zwischen den Forderungen von Anklage und Verteidigung. Der Staatsanwalt hatte auf Mord plädiert und forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Piotr K. habe „seine Frau als sein Eigentum angesehen“ und sie „ausschalten wollen“, um seine Macht zu präsentieren, sagte der Staatsanwalt.

Der Anwalt der Nebenklage, der die drei erwachsenen Kinder der Getöteten vertrat, schloss sich den Ausführungen an.