Lammfromm - oder echt scha(r)f
14.02.2012 | 19:11 Uhr 2012-02-14T19:11:00+0100
Am Niederrhein. Plüschkostüme sind bei der Kälte der Karnevals-Renner. In Kleve ist Bäriges sogar Sessionsmotto.
Das Wetter macht Mode. Jedenfalls bei den Karnevalsfreunden am Niederrhein. Denn selbst die sind nicht so jeck, in der kalten fünften Jahreszeit im T-Shirt am Zug-Wegesrand zu feiern. Sondern sie rüsten sich. Eisbärkostüme sind in dieser Session der Renner in den Karnevalsshops. Gefolgt von allem anderen aus Plüsch: Känguru, Tiger, Kuh, sogar Adler, Schwan oder Erdbeere.
Die Jecken im Klever Land haben echtes Glück, dass ihr Prinz „Thommy“ einen so wetterkompatiblen Beinamen trägt: „der Bärige“. Dank seiner Majestät ist das Kuschelkostüm in Kleve Karnevalsmotto: „Bärenstark durchs Klever Land“. Norbert Leenders, Inhaber des Karnevalszentrums „Otten & Leenders“, bietet alljährlich die Kostüme zum Sessionsmotto an. Und traf mit der Bärennummer ins Schwarze. Zumindest die Männer werden den Straßenkarneval gut gewärmt überstehen. Die „Mädchen“, sagt Leenders und meint damit die Frauen, fliegen zwar auch auf Plüschartikel wie „Bienen, Katzen und Tiger“. Allerdings hält sich, wie das bei Damen so ist, die Stoffmenge in Grenzen. Denn wer im Karneval etwas reißen will, möchte offenbar nicht als pummelige Biene Maja durch die City brummen. „Die Kostüme sind echt sexy“, findet Leenders. Dafür werden aber nur ausgewählte Körperteile von Plüsch gewärmt.
Überhaupt müssen die Närrinnen im Straßenkarneval auf Taille verzichten und einen „Unisex“-Ganzkörperpelz wählen. Oder sie müssen sich allerwärmste Gedanken machen. Neben dem Eisbärkostüm war sowohl bei „Otten & Leenders“ als auch in der Duisburger Galerie Kaufhof der Rotkäppchen-Dress der Verkaufsschlager. Das leckere Kleidchen, das dem Wolf den Appetit auf die Großmutter mit Sicherheit verderben würde, ist in der Galeria derzeit ausverkauft, sagt Zoubida Zouhir, die für die Karnevalsabteilung mitverantwortlich ist. Ebenso wie „Robin, woman“, die weibliche Variante von Robin Hood, die so freizügig ist wie Robin großzügig. Auch die Berufsbekleidung von Krankenschwestern, Matrosinnen und Polizistinnen würde wohl die Arbeitnehmervertretungen auf den Plan rufen, würde sie außerhalb der jecken Tage getragen.
Putzig und blutverschmiert
Selbst das putzige, blutverschmierte Mini-Kleidchen der Frau Metzgerin kaschiert nichts - außer der Gefahr, die von dieser Frau ausgehen muss. Immerhin hat ihr Partner, der Metzger, ihr Schlachtermesser zwischen den Rippen stecken. Zumindest die Nonne geht ganz züchtig, und auch Suleyka hat mehr Stoff am Körper als man so meint und Mann so hofft.
„Ein wenig Anrüchiges gehört ja zum Karneval dazu“ schmunzelt Zoubida Zouhir. Die Verkleidung unter dem Titel „Secret Wishes - Costume for playful Adults“ lässt da keine Fragen offen und „Lady Gaga“ sieht aus wie Lady Gaga eben aussieht. Aber was hat denn das schwarze, unschuldige Schäflein mit Ferkeleien zu tun? Zoubida Zouhir wendet die Wolle: „Lammfromm - aber echt scharf“ steht da, während das Huhn nebenan prahlt: „Meine sind die Größten.“ Der Herr Doktor bittet „freimachen“ und das Senffass wirbt mit „extra scharf.“ Lieber aber greifen die Herren laut Zoubida Zouhir zu Bewährtem, gehen als Polizist, Pirat, Hippie.
Ähnlich sieht’s bei den Kleinen aus: Prinzessin, Hexe, Polizist, Cowboy, Indianer, aber auch Originelles wie Meerjungfrau, Astronaut, Skelett. Und, na klar, Tierisches aus Plüsch. Allerdings macht das Internet dem Karnevalsbedarf zu Schaffen. „Viele Kinder haben sich auf bestimmte Lizenzkostüme wie Batman versteift“, erzählt Norbert Leenders, der diese aufgrund der häufig minderwertigen Qualität nicht anbiete. Meist könne er die jungen Kunden noch umstimmen, erzählt er. Bloß die allerkleinsten Kunden sind unbestechlich: Leenders verkauft auch Hundekostüme. Doch bisher wollte noch kein Bello als Supermann oder Elvis gehen. Komisch.
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