Kunst für Minimalisten

Krefeld..  Wer immer schon mal wissen wollte, wo denn eigentlich Imi Knoebel wohnt, nun ja, der sollte einfach in seine Ausstellung „Kernstücke“ im formvollendeten Museum Haus Esters gehen. Ziemlich am Ende der 21-teiligen Werkschau, in Raum E6, stellt er einen an ihn persönlich adressierten Pappkarton aus. Was drin war oder ist, bleibt unbekannt, vielleicht etwas, das schnell zu Bruch gehen könnte, ein schrillroter Aufkleber warnt davor: „Nicht werfen! Vor Nässe schützen!“ Tja, seine Anschrift ist jedenfalls gut zu lesen.

Bevor jetzt aber Massen von Neugierigen und Neurotikern, oder einfach bloß von echten Fans, in das Dorf an die Düssel pilgern: In Zeiten von Googlemaps mag ein Blick via Streetview reichen, um zu sehen, wo genau, und ein bisschen wie, der Künstler wohnt.

Soviel sei an dieser Stelle verraten: Auf seinem Klingelschild steht sein Nachname, in Großbuchstaben. Vollständig und bürgerlich korrekt könnte dort noch Klaus Wolf stehen, aber unter diesem Vornamen kennt den Maler und Bildhauer, der 1940 in Dessau geboren wurde, kaum (noch) ein Kunstfreund. Imi, das ist der Spitzname des früheren Beuys-Schülers.

Imi nennt er sich seit Mitte der 1960er Jahre, als er an der Staatlichen Kunstakademie studierte, im legendären Raum 19. Zusammen mit Rainer Giese, beide nahmen damals den selben Spitznamen an. Als „Imi + Imi“ sorgten sie für Aufsehen: Weil sie sich beide dem Abstrakten und Minimalistischen verschrieben hatten.

Imi Knoebel und Imi Giese († 1974) begeisterten sich für den russischen Künstler Kasimir Malewitsch (1879-1935), der einst das Quadrat zur elementaren und neutralen Grundform in der Kunst erklärte. Sein Schwarzes Quadrat von 1915 gilt als eine Ikone der Malerei des 20. Jahrhunderts.

Dieses Vorwissen ist bestimmt eine gute Grundlage, um die linke Villa des Mies-van-der-Rohe-Doppelbaus nahe des Krefelder Stadtwaldes zu betreten. Und sich die Skulpturen und Bilder anzuschauen, die allesamt aus der frühen Schaffensphase von Imi Knoebel stammen, jedoch eigens für diese Ausstellung neu hergestellt wurden.

Es sind bloß elf, zwölf Schritte zu machen, dann steht der Betrachter mitten im Werk von Herrn Knoebel und stellt sich die große altbekannte aber immer richtige Frage: Was will uns der Künstler sagen?

Zu sehen sind unter anderem: ein leerer Keilrahmen an der Wand, daneben ein Foto von einem Sternenhimmel; ein grünes, fast quadratisches und handbemaltes Blatt Papier an der Wand, zwei Räume weiter eine blaue, fast quadratische und gläserne Platte am Fenster; eine waagerechte Linie, mit dem Bleistift auf die Wand gezogen, und einen Raum weiter eine senkrechte Linie, die in gleicher Weise gemacht wurde; ein mit Tagesleuchtfarbe gemaltes weißes Quadrat auf einer weißen (!) Wand – ambitionierte Hobbyhandwerker sollten hier nicht so genau hinsehen, da und dort sind ein paar Nasen zu sehen.

Strenge Linien und klare Formen zeichnen die Knoebel’schen Arbeiten aus. Ebenso die Körperlichkeit und Stofflichkeit sowie deren Gegensätze, sprich das Unkörperliche, Unstoffliche – das Geistige. Imi Knoebel hat es seinem Publikum nie einfach gemacht, auch in Krefeld braucht es seine Zeit, den Raum und seine Objekte, viele aus Hartfaser, seinem Lieblingsmaterial, auf sich wirken zu lassen.

Dem Mann wird ein stiller Humor nachgesagt. Der Pappkarton mit seiner Adresse jedenfalls ist zum Schmunzeln.