Kinderdolmetscherin hilft Eltern, ihre Kinder zu verstehen
23.01.2012 | 19:02 Uhr 2012-01-23T19:02:00+0100
Nimwegen. Mit der Methode „Fluisterkind“ übersetzt Dorothee Helmert was verhaltensauffällige Kindern ihren Eltern sagen wollen. Ihre Arbeit als anerkannte „Kinderdolmetscherin“ findet in den Niederlanden zunehmend Verbreitung. Jetzt stellt sie die „Flüsterkind-Methode“ in Kleve vor.
Diese Bücher sind ein wenig albern: „Hund - Deutsch, Deutsch - Hund“. Oder auch: „Mann - Deutsch“. Oder Frau. Und jetzt also „Kind - Deutsch“? Könnte man fast denken bei der Berufsbezeichnung „Kinderdolmetscher“. Tatsächlich übersetzt Dorothee Helmert, was Kinder ihren Eltern sagen wollen - mit ihrem Verhalten. Und dabei geht es nicht um Albernheiten. Sondern um echte Probleme. Um Lern- und Entwicklungsstörungen, um körperliche Beschwerden wie Neurodermitis und Beziehungsprobleme zwischen Eltern und Kind, um Verhaltensauffälligkeiten, etwa ADHS. Dabei arbeitet sie in ihrer Praxis „Het Berenhol“ (Bärenhöhle) nach der „Fluisterkind“-Methode, die Janita Venema entwickelt hat und die in den Niederlanden zunehmend Anwendung findet. Inzwischen gibt es im Nachbarland mehr als 100 „Kindertolke“, also Kinderdolmetscher, einige Zusatz-Kassen übernehmen bereits die Kosten, so Dorothee Helmert.
Die Basis der Methode „Fluisterkind“, so Dorothee Helmert: „Ein Kinderherz spiegelt alles wider, was hereinkommt.“ Durch ihr Verhalten, ihre Entwicklung, bringen Kinder zum Ausdruck „was Eltern auf ihrem Lebensweg nötig haben.“ Probleme oder Verhaltensauffälligkeiten von Kindern seien „eine Botschaft an die Eltern, unterdrücktes Leben in sich zu befreien. Das können Schattenseiten aber auch unerkannte Fähigkeiten sein.“ Und der Kindertolk übersetzt diese Signale.
Und was, bitteschön, heißt kindliches „Zappeln“ auf Erwachsenen-Deutsch? Wie übersetzt man ADHS, das sogenannte „Zappelphilipp“-Syndrom für Erwachsene? Dorothee Helmert, ausgebildete Tanztherapeutin aus Deutschland, die seit 25 Jahren in den Niederlanden lebt, erzählt von der Mutter eines siebenjährigen Jungen. Das Kind habe ADHS, hatte man ihr gesagt und Ritalin verschrieben - ein Amphetamin, das nicht heilt, sondern lediglich Symtome unterdrückt.
Gegen ADHS und Neurodermitis
Der Junge, klagte die Mutter, sei „so unruhig, könne sich nicht konzentrieren, habe Schwierigkeiten in der Schule.“ Dorothee Helmert hat „das übersetzt ins Leben der Mutter“, erläutert sie und zählt auf: „Die Mutter ist innerlich unruhig. Die Mutter kann sich nicht konzentrieren, lebt nicht mehr aus ihrem eigenen Zentrum heraus. Die Mutter hat Schwierigkeiten in der Schule des Lebens - einmal ganz platt übersetzt.“ Äußerlich, erinnert sich die 54-Jährige, „war die Frau die Ruhe selbst, so schien es. Aber innerlich war sie aufgewühlt und unruhig. Und das erkannte sie auch nach einiger Zeit.“ Ursache seien traumatische Erfahrungen in ihrer Jugend gewesen, die sie noch nicht aufgearbeitet habe. „Und diese Unruhe hat das Kind aufgenommen.“ Kinder, so sagt die 54-Jährige, „sind so offen. Sie spüren alles und ziehen sich das oft auch an.“ Und Dorothee Helmert übersetzt „den Kern“. wie sie sagt.
Ergebnis von sieben Sitzungen, Bewegungs-therapie (mit der Mutter!) und der Zugabe von „Berenhol“-eigenen Blütenessenzen: „Der Junge war viel ruhiger geworden, konnte sich konzentrieren, brauchte kein Ritalin.“ Jawohl, bestätigt die „Kinderdolmetscherin“, meist arbeitet man mit den Eltern, kaum mit den Kindern. Dass es dabei nicht um Schuldzuweisungen gehe, mache sie gleich am Anfang deutlich. Ebenso wie sie dem Kind sagt: „Das Problem bist nicht Du.“
Ohnehin reagieren, so findet Dorothee Helmert, „viele Kinder mit ADHS ganz natürlich. Die vielen Eindrücke unter anderem von Fernsehen und Computer wollen wieder ausgedrückt werden.“ Heißt: Zappeln ist die ganz natürliche Reaktion.“ Eine von vielen Reaktionen, die Dorothee Helmert in Kindertanz-Kursen in Kranenburg oder Kleve gerne aufnimmt. Wenn die Kinder sich anfangs verlegen an der Wand herumdrücken, macht sie einen Tanz unter dem Titel „Ich würde mich am liebsten verstecken“. „Denn genau „das ist ja, was gerade in den Kindern lebt.“ Wenn eine Krabbelgruppe“ total wibbelig ist, „probiert man oft die ruhig zu bekommen. Und das ist der größte Unsinn“, findet die Therapeutin.
Essenzen aus Blüten
„Die Kinder sind gerade beweglich, weil sie viele Eindrücke hatten, den ganzen Tag nicht draußen waren.“ Also tanzt sie den „Wibbeltanz.“ Irgendwann sind die Kinder ruhig. Dorothee Helmert vergleicht es mit den Gezeiten: „Wenn man in die Flut geht, kommt die Ebbe von selber“.
Überhaupt spielt die Natur eine große Rolle in ihrer Arbeitsweise. „Wir müssen wieder in Kontakt kommen mit unserem natürlichen Wissen. Wir sind so entfremdet von der Natur. Wenn wir uns damit wieder verbinden, geht vieles von selbst“ Sie klappt zwei Etuis mit je einem Dutzend kleiner identischer Fläschchen darin auf: Blütenessenzen - wie Bach-Blüten, aber eben selbst gemacht - gemeinsam mit Kindergruppen auf einer Lichtung bei Nimwegen. Holunderessenz entsteht dort, oder Schafgarben-Essenz. Oder eine Essenz namens „Klein-Sand“.
Mit „Klein-Sand“ können Sie nichts anfangen? Fragen Sie einmal einen Kinder-Dolmetscher. Denn den Namen hat ein Kind ersonnen...
Kurse in der Familienbildungsstätte Kleve
Dorothee Helmert stellt die Methode „Fluisterkind“ auch bei der Klever Familienbildungsstätte vor. Der Kurs unter dem Titel „Bärenkraft und Flüsterkind“ findet am Donnerstag, 9. Februar, 19.30 bis 21.45 Uhr statt. Infos - auch zu Kindertanzkursen - gibt es bei der fbs Kleve unter Tel: 02821/72320 bzw. www.fbs-kleve.de oder bei Dorothee Helmert unter Tel.: 0031/24/3607967 bzw. www.het-berenhol.com. Infos zur Methode: www.fluisterkind.nl.
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