Jüdische Begegnungen

Foto: Bussmann

Rheinberg..  Reich an geschichtlichen Ereignissen war Rheinberg, das frühere Berka, auch im vergangenen Jahrhundert. Es waren auch jüdische Mitbürger, die die Stadt sozial, kulturell und wirtschaftlich erfolgreich gestalteten. Eine Veranstaltung der VHS erinnerte am Samstagnachmittag daran. Die hatte Stadtarchivarin Sabine Sweetsir für eine Wanderung an heute fast vergessene Stätten Rheinberger Geschichte gewonnen.

Bereits im 13. und 14. Jahrhundert lebten nachweislich Juden in Rheinberg. Damals benötigten sie noch einen Geleitbrief ihres Landesherren, um sich in einer Stadt niederlassen zu können, kamen so auch nach Berka. Im 18. und 19. Jahrhundert war die jüdische Gemeinde in Rheinberg recht bedeutend. Die hier lebenden jüdischen Familien waren geachtet und integriert, hatten sogar ein eigene Synagogengemeinde. Das war auch noch im frühen 20. Jahrhundert der Fall, dennoch musste die letzte jüdische Familie im Jahr 1939 Rheinberg verlassen. Auch sie hat den Holocaust in den Vernichtungslagern nicht überlebt. Das Alles erfuhr man beim eineinhalbstündigen Rundgang. Erinnerungen an einzelne Personen bilden heute „Stolpersteine“ im Boden vor ihren ehemaligen Häusern.

Die gesamte Geschichte der Rheinberger Juden von den Anfängen bis zur Zeit der Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten ist wechselweise gekennzeichnet von Ausgrenzung und Integration, was die Archivarin auch an Beispielen jüdischer Personen erläuterte. Sie gibt Beispiele von Verfolgung und Ausbeutung, aber auch von gleichberechtigter Teilhabe am öffentlichen, gesellschaftlichen und privaten Leben in der Stadt. Auf dem Stadtrundgang ging man den Spuren jüdischen Lebens in Rheinberg nach und lernte die Orte kennen, an denen jüdische Rheinberger gelebt, gearbeitet und ihren Gottesdienst gefeiert haben. Manche Orte bleiben verborgen, an anderen erinnern die im Boden eingelassene „Stolpersteine“ an tragische Schicksale.

Für die Geschichte sensibilisieren

„Das Ziel einer Wanderung auf jüdischen Spuren ist es, die Mitbürger für die Geschichte zu sensibilisieren“, so Sabine Sweetsir. 70 Jahre der Befreiung vom Nazi-Terror lägen hinter uns. „Die Menschen sollten sich auch mit der Geschichte vor 1930 beschäftigen.“ Damit nichts vergessen geht, müsse man immer wieder erinnern. „Die jüdische Geschichte ist auch Teil unserer deutschen Geschichte.“

Sweetsir erinnerte vor dem Alten Rathaus an die lange Geschichte der Juden im Rheinland. Schon im 4. Jahrhundert habe es in Köln die erste jüdische Gemeinde gegeben, die um das Jahr 1.000 erste Judenprogrome erlebte. „Wir können annehmen, dass die ersten Rheinberger Juden aus Köln kamen.“ 1296 ist der erste jüdische Bürger in Berka überliefert. Doch ihnen wurde verboten, Grundbesitz zu haben, sie durften mit nichts anderem als Fleisch handeln, keine politischen Ämter ausüben. Bereits bis zum 15. Jahrhundert waren, so Sweetsir, 300 jüdische Gemeinden ausgelöscht. „Es gab aber auch gute Zeiten für Juden. Um 1850 war ihr Höhepunkt in Rheinberg. 70 bis 80 Juden lebten hier hoch angesehen.“ Sie waren eigene Synagogengemeinde, hatten die Synagoge an der Gelderstraße. Noch heute erinnert eine Gedenktafel am Haus 22 daran. Die Synagoge ging später in die viel größere Alpener jüdische Gemeinde über. All die Orte auf der Gelderstraße wie auch der Ort des ehemaligen Kaufhauses Silberberg, das Nazi-Schergen in der Reichskristallnacht plünderten, erlebten die fast 20 Rheinberger, die an der Führung teilnehmen. Während das Stadtarchiv von einigen Orten noch alte Fotos hat, fehlen die gänzlich von der Synagoge.