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Schule und Bildung

Jonas Taik ist Abiturient und Akademiker

29.10.2010 | 17:48 Uhr
Jonas Taik ist Abiturient und Akademiker
Am Freitag, 15.10.2010 sitzt Jonas Taik auf seinem Sofa in Geldern. Jonas ist erfolgreicher Schülerstudent - Foto für Sofaserie. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool

Geldern.Er ist ein ganz normaler 19-Jähriger. Sieht man davon ab, dass Jonas Taik sehr gut Gitarre spielen kann und gerade seine Bachelor-Abschlussarbeit in abgegeben hat. Thema: „Der Vergleich verschiedener Algorithmen zur Merkmalextraktion aus Bildern“.

Jonas Taik, der mit sage und schreibe 14 Jahren auf der Uni Duisburg-Essen mit dem Studieren begonnen und eher nebenher sein Abi gemacht hat, sitzt auf dem heimischen Sofa in Geldern-Pont und redet mit Händen und Füßen. Zum Beschreiben seiner herausragenden akademischen Laufbahn muss er ausholen. „Es ist nicht so einfach zu erklären, wie das passiert ist“, scheint sich Jonas beinahe dafür entschuldigen zu wollen, dass er ein kleines, vielleicht auch ein großes Genie ist. „Ich habe ja nicht mit 14 gesagt, dass ich mit 18 Akademiker sein möchte. Es ist irgendwie ausgeartet - Schritt für Schritt.“

Jonas Taik begann im zweiten Halbjahr der zehnten Klasse auf die - im besten Sinne - schiefe Bahn zu geraten. Im Lehrplan des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Geldern wurde für gute Schüler auch ein Uni-Programm angeboten. „Wir konnten jeden Donnerstag eine Informatik-Vorlesung besuchen und haben uns dann irgendwann dazu entschieden, eine Klausur zu schreiben und damit einen Schein zu machen“, erzählt Taik. „Eine Schnapsidee, aber dann kam eines zum anderen.“

Wenn Jonas Taik „wir“ sagt, dann ist sein bester Kumpel Kewin Schewior mitgemeint, der ebenfalls als Friedrich-Spee-Abiturient gerade seine Bachelor-Arbeit gemacht hat. „Wir beide haben uns ständig gegenseitig hochgepusht“, verrät der Schülerstudent.

Gemeinsam spielte das Hochbegabten-Duo auch in der Gelderner Indierockband „The Puke“ („die Kotze“ - Taik: „Der Name ist uns im Nachhinein ziemlich peinlich“).

Volle Unterstützung erhält der Lockenmann zudem von seiner Familie. Vater M’hamed ist mit seiner Frau Latifa in den siebziger Jahren aus Marokko nach Deutschland ausgewandert und hat als Biotechnologe Karriere gemacht. Und dabei auch noch fünf Kinder gezeugt. Karim, Monir, Aniss, Sarah und Jonas. „Mein Vater hat uns immer eingetrichtert, dass wir nur mit absoluten Ehrgeiz etwas erreichen können“, meint der Sohnemann.

Chemie, Mathe
Spanisch und Soziales

Der wartet jetzt ab, welche Note er für seine Abschlussarbeit bekommt. Denn die hat er vom Professor noch nicht zurück bekommen. Das Abiturzeugnis hat er indes seit einem halben Jahr in der Tasche. Die beiden Leistungskurse Chemie und Mathematik sowie Spanisch und Sozialwissenschaften als drittes und viertes Fach ergaben eine Durchschnittsnote von 1,8. Jetzt will Jonas seinen Doktor in Informatik machen, später aber nicht als Dozent, sondern in der Wirtschaft arbeiten, vielleicht als Unternehmensberater.

Bleibt die Frage, was das Thema der Abschlussarbeit eigentlich übersetzt bedeutet: „Der Vergleich verschiedener Algorithmen zur Merkmalextraktion aus Bildern.“ Jonas Taik redet wieder mit Händen und Füßen: „Das heißt ungefähr soviel, dass intelligente Systeme - etwa Roboter - aus Bildern erkennen können, was sie zu tun haben. Dafür muss ein intelligentes System aber erst einmal das Bild erkennen, also dass eine Lampe eine Lampe ist.“

Und darüber können Sie jetzt mal fünf Minuten nachdenken...

Stephan Wappner

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