Jede Menge Kunst in der Ebene

Toon Elfrink beim Aufbau seiner Installation auf dem Vriendshof.
Toon Elfrink beim Aufbau seiner Installation auf dem Vriendshof.
Foto: FUNKE Foto Services

Am Niederrhein..  Tolles Ding. Aber was mag es sein? „Es gibt Leute, die haben einen Drachen erkannt“, sagt Gisela Baumann. „Wegen der Dynamik“. „Hat aber auch was von grafischen Zeichnungen“, sagt Carla Gottwein. Wegen dieser vielen Linien im Raum.“ Toon Elfrink wird das freuen. Der Mann ist Künstler und hat das Gebilde aus abgeschälten Weidenstöcken auf der Wiese vor dem alten Bauernhof der Baumanns, dem Vriendshof in Grietherbusch, installiert. Ein Kunstwerk also. Das Kreativität und Phantasie ihren Raum lässt. Das groß und leicht, fast filigran, zu Entdeckungen einlädt, wenn man drumrum läuft. Und zwischen den Stöcken den Blick ins weite weite Land findet, in die Ebene. Und wenn man sich umdreht, ist man wieder mitten im bäuerlichen Alltag der Region, guckt auf diesen wunderschönen uralten Hof, den die Baumanns in vierter Generation bewirtschaften.

Das Gestöcke von Toon Elfrink ist ein Projekt im Projekt. Seit Ende Mai und noch bis zum 12. Juli gibt es jede Menge Kunst „In der Ebene“, Kunst und Literatur auf Höfen und in Kunstvereinen am Niederrhein. Carla Gottwein, Reeserin und Filmemacherin, hat sich diese vielfältig anregende Aktion ausgedacht. „Ich glaube, dass sich die meisten Menschen der Landschaft verbunden fühlen, in der sie aufgewachsen sind. Ich bin schon als Kind und Jugendliche alleine zum Rhein bzw. Altrhein gegangen oder mit dem Rad entlang der Wiesen und Äcker gefahren. Dieses Alleinsein in der weiten Landschaft entrückt für kurze Zeit aus den normalen Bezügen und setzt Gedanken frei.“ Und so hat sich Carla Gottwein aufgemacht, die Landschaft, die Menschen und ihre Höfe, die Kunst und die Phantasie zusammenzubringen.

Und sie hat Projektpartner gefunden: den Emmericher Kunstverein, den Verein für Heimatschutz in Kranenburg, den Kunstverein projektraum-bahnhof25.de in Kleve, die Uni Duisburg-Essen sowie die Bewohnerinnen und Bewohnern von sieben Höfen (im Kreis Wesel und Kreis Kleve, sowohl rechts- als auch linksrheinisch). Zwölf Kulturveranstaltungen hat sie zusammenstellen können – und bis einschließlich 12. Juli kann man die Ausstellungen alle noch besuchen.

„Kulturförderung durch Landwirte hat eine lange Tradition am Niederrhein“, so Carla Gottwein. „Höfe sind und waren Schauplätze für Literatur. Sie boten und bieten Platz für Ateliers bildender Künstler. Und es finden sich dort oft große Sammlungen von Kunstwerken – bestes Beispiel: die Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten.“

Gisela und Wilhelm Baumann steckten zwar mitten in der Rhabarberernte, als Toon Elfrink mit seinen Stöcken auf der Wiese stand. „Wir haben sehr gerne mitgemacht. Es war eine spannende Zeit, den gesamten Entstehungsprozess dieses Werkes miterleben zu können.“

Falls Sie in den nächsten Tagen also mal eine Niederrhein-Tourchen planen, es lohnt sich, hier mal Halt zu machen:

Vriendshof, Grietherbusch 7, Rees. Skulptur von Toon Elfrink.

Neuhollandshof, Jöckern 2, Bislich. Arbeiten von Ruth Baumann; sa 9-14 Uhr; mo/do/fr 9-18 Uhr.

Haus im Park, Rheinpark 1, Emmerich. Ausstellung Barbara Schroeder; sa 13-17 Uhr, so 11-17 Uhr.

Museum Katharinenhof, Mühlenstr. 9, Kranenburg. Fotos Sammlung Clemens Reinders; di - so 14-17 Uhr.

PAN kunstforum niederrhein, Agnetenstr. 2, Emmerich, Ausstellung Barbara Baumann, Maria Baumann, Andreas Erb, Mario Reis, Anna Zibler; di-so 11-16 Uhr.

Der Kunstverein projektraum-bahnhof25.de hat einen Kunstpreis zum Thema „Das Leben ist eine Kartoffel“ ausgerufen. Alle eingereichten Arbeiten werden bis zum 5. Juli gezeigt. Zur Vernissage am Samstag, 27. Juni, 19 Uhr, sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Öffnungszeiten: sa/so 13-17 und nach Vereinbarung.

Der Projektraum (Ausstellungs- und Arbeitsraum zugleich) hat sich aus einer Ateliergemeinschaft von drei Künstlern entwickelt. Findet sich in Bahnhofsnähe: Bahnhofstr. 25, Kleve.